Investiert die Allianz nur in Autobahnen, wenn die Maut kommt?

Seite 3 von 3
Chef der Allianz Lebensversicherung : „Wir würden gerne Autobahnen finanzieren“

Lohnt sich ein Autobahnbau für Sie nur, wenn eine Maut für alle kommt?
Nein, das ist völlig unabhängig davon. Was wir benötigen, sind verlässliche Rahmenbedingungen sowie die Sicherheit, dass sich unsere Investition rechnet, schließlich investieren wir die Altersvorsorgegelder unserer Kunden. Das kann zum Beispiel über Zinszusagen, die uns ein öffentlicher Träger macht, dargestellt werden.

Welche Rendite brauchen Sie?
Das hängt vom Risiko ab. Wenn wir Eigenkapital einsetzen, erwarten wir schon etwa sieben Prozent, bei riskanteren Investments auch mehr.

Wenn Sie in Infrastruktur investieren, wollen Sie Rendite sehen. Zahlt dafür am Ende der Autofahrer oder der Steuerzahler?
Wenn wir in Deutschland weiterhin so wenig in unsere Infrastruktur investieren wie in den letzten zehn Jahren wird dies unweigerlich zulasten der deutschen Wettbewerbsfähigkeit gehen. Auf der anderen Seite müssen die Bürger verstärkt privat für das Alter vorsorgen, das heißt, es gibt einen stark wachsenden Anlagebedarf an Altersvorsorgegeldern. Wir als Lebensversicherer können hier die Brücke bilden, beide Herausforderungen zusammenführen und das private Vorsorgekapital in den Erhalt und Ausbau der Infrastruktur leiten. Dass unsere Kunden hierbei eine angemessene Verzinsung erwarten, versteht sich von selbst.

Im Arbeitsministerium wird darüber nachgedacht, die betriebliche Altersvorsorge zur Pflicht für jedermann zu machen. Wäre das ein tolles Absatzprogramm für die Allianz?
Im Koalitionsvertrag haben sich die Regierungsparteien zum Ziel gesetzt, die betriebliche Altersvorsorge in kleinen und mittleren Unternehmen stärker zu verbreiten. Wir begrüßen das. Es ist gut für uns, aber auch für die Arbeitnehmer. Wichtig ist, dass die Arbeitgeber eingebunden sind und die Rahmenbedingungen stimmen. Der Rahmen darf nicht zu starr sein. Die Arbeitgeber müssen die Möglichkeit haben, ein Opting-out-Modell einzuführen – also eine verpflichtende Vorsorge mit der Möglichkeit für den Einzelnen, diese auch abzuwählen – ohne die Einzelverträge zu ändern.

Welchen Schub könnte Ihnen das bringen?
Derzeit haben nur rund 60 Prozent der Arbeitnehmer eine betriebliche Altersvorsorge. Wenn man den Anteil auf 90 Prozent erhöhen könnte, würde das natürlich einen Schub bringen. Aber das funktioniert nur, wenn die Arbeitgeber Spielräume bekommen und nicht mit unnötiger Bürokratie kämpfen müssen.

ZUR PERSON

Der Manager

Markus Faulhaber (61) ist ein Allianz-Urgestein. Der gebürtige Göppinger hat Mathematik und Physik in Stuttgart studiert und ist nach seiner Promotion zur Allianz gegangen. Seit 1981 arbeitet er ohne Unterbrechung für die Allianz Lebensversicherung AG, seit Juni 2012 ist er Chef des Lebensversicherungsunternehmens und sitzt seitdem auch im Vorstand der Allianz Deutschland AG.

Der Versicherer

Die Allianz Leben ist Deutschlands größtes Lebensversicherungsunternehmen. Anders als die Konzernmutter sitzt der Versicherer nicht in München sondern in Stuttgart.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

14 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben