Exklusiv

Chef der Entsorgungswirtschaft zum Konjunkturpaket : "Regierung hat eine Chance vertan"

Kritik der Recyclingbranche: 130 Milliarden ausgeben und dabei keine Impulse setzen für die ökologische Modernisierung der Wirtschaft.

Peter Kurth ist Präsident des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft.
Peter Kurth ist Präsident des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft.Foto: Thilo Rückeis

 Peter Kurth, Präsident des Verbandes der Entsorgungswirtschaft (BDE), hat das Konjunkturprogramm der Bundesregierung scharf kritisiert. „Was in dem Paket fehlt, ist ein starker Impuls für die ökologische Modernisierung unserer Wirtschaft“, sagte Kurth dem Tagesspiegel. „Wir stellen  erneut verpasste Chancen fest.“ Mit dem Sammeln, Sortieren und Aufbereiten von Abfällen zu Wiederverwertung sind hierzulande rund 280 000 Personen beschäftigt.

 

Ohne eine stärkere Betonung der Kreislaufwirtschaft könne Deutschland die Klimaziele nicht erreichen. „130 Milliarden Euro ausgeben und dabei nur kleine Impulse setzen für eine ökologische Modernisierung - das ist bedauerlich“, sagte Kurth zum Konjunkturpaket. Die Koalition habe „die erheblichen Potentiale der Kreislaufwirtschaft für die Bekämpfung des Klimawandels komplett verkannt“.

Kunststoff wird zu wenig recycelt 

Kunststoffverpackungen - etwas aus der gelben Tonne - würden in Deutschland viel zu wenig aufbereitet und wieder in der Produktion verwendet. „Insgesamt haben wir in der Industrie eine Substitutionsquote von 15 Prozent, also in dieser Höhe können wir heute auf Primärrohstoffe verzichten“, sagte Kurth dem Tagesspiegel. „Der Rohstoff auf der Basis von recycelten Kunststoff hat preislich keine Chance gegen das billige Öl. Also muss man hier ein Instrument schaffen, zum Beispiel eine Quote für Rezyklate“, meinte der BDE-Präsident.

In Brüssel passiert mehr 

Auf der EU-Ebene passiere in diese Hinsicht viel mehr als in Deutschland. „Wir gehen davon aus, dass sich die Deutschen vom Brüsseler Schwung anstecken lassen und auch Akzente setzen“, meinte Kurth zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte. „Ganz vorne steht die überfällige Entscheidung, dass wir wertvolle Rohstoffe nicht mehr auf Deponien werfen, also ein Deponieverbot für unbehandelte Siedlungsabfälle. Auf Platz zwei steht die Einführung von Mindestquoten für Rezyklate“, sagte der BDE-Präsident dem Tagesspiegel.

 

Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!

1Kommentar

Neuester Kommentar