Das Geschäft mit knappen Stellplätzen : Mit der App ins Parkhaus

Kein Ticket, kein Bargeld: Der größte deutsche Parkhausbetreiber Apcoa startet die App "Flow" - und trifft auf zahlreiche Wettbewerber auf dem Parkplatz-Markt.

Navigieren, parken, bezahlen. Die Parkhaus-App von Apcoa bietet ähnlich wie die Wettbewerber alles aus einer Hand.
Navigieren, parken, bezahlen. Die Parkhaus-App von Apcoa bietet ähnlich wie die Wettbewerber alles aus einer Hand.Foto: Axel Heimken/dpa

Parkhäuser sind keine Orte, an denen man sich unnötig lange aufhalten möchte. Das weiß auch Apcoa, der größte Parkraumbewirtschafter Europas. Um die lästige Abwicklung des Parkens – Einfahrt, Suche, Bezahlen, Ausfahrt – so reibungslos wie möglich zu gestalten, setzt das Unternehmen nun auf digitale Lösungen. Mit „Flow“ hat Apcoa eine Smartphone-App plus RFID-Chip entwickelt, die zusammen das Parken ohne Ticket und ohne Bargeld erlauben.

Die entsprechend ausgerüstete Garage, die das Navi angesteuert hat, erkennt das registrierte Fahrzeug (Chip an der Windschutzscheibe oder in der Geldbörse) und öffnet und schließt die Schranken automatisch. Abgerechnet wird ebenfalls automatisch und bargeldlos über eine hinterlegte Kreditkarte. Das Parkschein- ziehen und der Gang zum Kassenautomaten fallen weg. Bis Ende September ist der Service kostenlos, danach werden pro Parkvorgang 39 Cent extra berechnet.

25 von 31 Berliner Parkhäusern werden ausgestattet

Nach Stuttgart und Hamburg geht das System nun in Berlin an den Start. „Wir beginnen in 25 unserer 31 Häuser in Berlin und Potsdam“, sagte Apcoa-Geschäftsführer Detlef Wilmer am Dienstag. 10000 von gut 16000 Apcoa-Stellplätzen in der Region sind damit für „Flow“ freigeschaltet. Bundesweit steht der Service in 200 von 300 Häusern mit mehr als 100000 Parkplätzen zur Verfügung. Bis Ende des Jahres sollen alle Apcoa-Garagen mit dann 230000 Stellplätzen in 80 Städten ausgestattet sein. Danach werden nach und nach 13 europäische Märkte bearbeitet.

„Nur Parkraum anzubieten, ist Schnee von gestern“, begründet Detlef Wilmer den Online-Vorstoß. Angesichts von 34 Millionen Transaktionen (2017) verfüge Apcoa über viele wertvolle Kundenkontakte, die man intensivieren und individualisieren wolle. So prüft der Marktführer weitere Bezahloptionen oder Reservierungs- oder Prognosetools. Auch differenzierte Preismodelle für unterschiedliche Kundengruppen wären online leichter umzusetzen. Auch mit der automatischen Bezahlung von Straßenparkplätzen beschäftigt man sich. Als ersten Großkunden hat Apcoa Volkswagen gewonnen, mit weiteren ist man im Gespräch.

Alle wollen mit knappem Parkraum Geschäfte machen

Ganz freiwillig investiert das Unternehmen, das weltweit mehr als 1,4 Millionen Stellplätze bewirtschaftet, nicht in die Technologie. Der Wettbewerb rund um das Geschäft mit knappem Parkraum ist lebhaft geworden. Große Spieler drängen in den Markt – zum Beispiel die Autokonzerne, die dabei sind, ihre Fahrzeuge mit der Infrastruktur zu vernetzen, Ladeinfrastruktur aufzubauen oder autonome Autos in den Verkehr zu bringen.

BMW und Daimler bieten zum Beispiel über ihre fusionierten Mobilitätsdienste mit „Park-Now“ eine kostenlose Plattform an, mit der Stellplätze am Straßenrand oder im Parkhaus gesucht, reservieren und bargeldlos bezahlt werden können. Park-Now soll der weltgrößte Parkplatzvermittler werden. Volkswagen hat mit „We-Park“ ein ähnliches Online-Tool im Angebot. Bosch arbeitet an einer Echtzeit- Karte für freie Parkplätze. Weitere Parkplatz-Apps wie Easypark, ParkU oder Park-Me erlauben gegen Gebühr das Parken ohne Ticket.

Kommunen heben Parkplatzpreise an

Apcoa investiert nach eigenen Angaben einen „zweistelligen Millionenbetrag“ in den Aufbau von „Flow“. Pro Ein- und Ausfahrt würden rund 12000 Euro allein in die Umrüstung gesteckt, sagte Geschäftsführer Wilmer. Die Anwendung sei als offene und skalierbare Plattform aufgesetzt, in die weitere Services integriert werden könnten. Profitieren will Apcoa von einem Trend, der Autofahrer ärgert: Die Kommunen heben die Parkplatzpreise an. So fielen in der Frankfurter City inzwischen 3,50 Euro für eine Stunde an, länger dürfe auch häufig nicht geparkt werden, sagte Wilmer. In Berlin seien moderate 1,50 Euro für eine Stunde noch die Regel.

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