Das passende Studium finden : An die Uni, fertig, los

Universität oder Fachhochschule, privat oder staatlich, normales oder duales Studium - die deutsche Bildungslandschaft ist vielfältig. Was passt, muss jeder für sich entscheiden

Michaela Drenovakovic
Durchblick. Wer sein Studium plant, sollte sich zuvor gut umschauen und alle Möglichkeiten ausloten.
Durchblick. Wer sein Studium plant, sollte sich zuvor gut umschauen und alle Möglichkeiten ausloten.Foto: encierro/stock.adobe.com

Wer nach der Schule studieren will, hat gerade in Berlin eine große Auswahl an Hochschulen. Doch welche ist die richtige? Viele Schulabgänger sind zunächst überfordert. Hier hilft es, sich selbst ein Bild zu machen und Uni-Luft zu schnuppern. Das ist zum Beispiel bei den Hochschulinformationstagen möglich, an denen die Infos speziell für Schulabgänger aufbereitet werden. So führen beispielsweise Studierende über den Campus. Der Vorteil: Die Schüler sind dadurch nah am Geschehen und bekommen ein Gefühl für die jeweilige Hochschulform und deren Eigenheiten – ob große und kleinere Einrichtung, ob privat oder staatlich.

„Interessierte sollten auch die Augen aufhalten bezüglich der großen Messen, die über die Studienmöglichkeiten informieren, etwa die Messe ,Studieren in Berlin-Brandenburg', die einmal jährlich stattfindet“, rät Katrin Mey von der Studienberatung der Berliner Arbeitsagentur. „Hier stellen sich alle Hochschulen unter einem Dach vor. Wer den Termin verpasst, für den heißt es Uni-Hopping, um möglichst viele kennenzulernen.“

Timing ist wichtig: Wer gut vorbereitet ins Studium starten möchte, beginnt schon ein bis anderthalb Jahre vor Schulende mit der Sichtung der Studiengänge. „Man sollte schon einen groben Plan haben. Den kann man auch noch ändern, aber nur so findet man das Studium, das wirklich zu einem passt“, sagt die Berufsberaterin. Die frühe Beschäftigung mit dem Thema ermöglicht auch, dass man eventuell nötige Eignungstests wie Sprachnachweise, Vorsprechen und Vorspielen an den Schauspielschulen oder sportliche Qualifikationen rechtzeitig in Angriff nimmt. Die Studienberatung der Arbeitsagentur ist vor allem im letzten Schuljahr an den Schulen aktiv, bietet Kontakte zu den Berufsberatern. Es ist aber auch möglich, in den Jugendberufsagenturen seinen persönlichen Beratungstermin zu buchen.

Die Unterschiede zwischen Uni und FH verschwimmen

Die Bewerbung zum Studium ist erst mit dem Abschlusszeugnis möglich. Für Fächer mit Zulassungsbeschränkung – dem sogenannten Numerus clausus – enthält es die Auswahlverfahren entscheidende Durchschnittsnote. Interessant: Im Land Brandenburg ist seit 2014 ein Studium an der Uni schon mit der Fachhochschulreife möglich.

Uni oder Fachhochschule (FH)? Das ist eine der Fragen, vor denen angehende Studierende stehen. Allgemein lasse sich sagen, dass Universitäten eine stärkere Forschungsausrichtung hätten, erklärt Katrin Mey. Doch die Unterschiede von früher sind heute gar nicht mehr so groß: Einen akademischen Abschluss bieten beide, Forschung und Praxis ebenfalls. Gerade angehende Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler finden an Fachhochschulen interessante Alternativen. Andererseits ist etwa ein klassisches Jurastudium, mit dem man später Anwalt oder Richter werden kann, nur an einer Uni möglich.

Ansonsten führen beide Hochschultypen zum selben Ziel – dem Bachelor oder Master. Da Fachhochschulen meist kleiner sind, erleben Studierende dort aber oft eine andere Art, zu lernen: Studiengruppen in überschaubarer Größe und engere Kontakte zu den Professoren. Während an der Universität im Bachelorstudium die Grundsteine für den Master gelegt werden, starten FH-Absolventen oft direkt nach dem Bachelor in den Beruf.

Verschiedene Namen für ähnliche Fächer verwirren

„Verschiedene Bezeichnungen für fachlich ähnliche Studiengängen können manchmal verwirren“, weist Mey auf einen Stolperstein bei der Studienwahl hin. „In der Berufsberatung klären wir auf und zeigen verschiedene Wege, auch bei Finanzierungsmöglichkeiten.“ So mag eine private Hochschule zwar mit spezialisierten Studiengängen aufwarten, jedoch auch mit höheren Kosten. Da Chancengleichheit ein wichtiges Thema in der Berufsberatung der Agentur ist, werden stets auch Alternativen zu verschiedenen Studiengängen aufgezeigt.
Wer lange auf seinen Studienstart warten muss, etwa weil der Numerus Clausus im Fachbereich zu hoch ist, kann sich bei der Berufsberatung über Alternativen informieren. „Es stehen für das Jahr 2018 noch viele Ausbildungsplätze zur Verfügung. So können Schulabgänger die Wartezeit produktiv gestalten und vor dem Studium eine Ausbildung abschließen“, erklärt Katrin Mey. Im Anschluss habe der Studienanwärter etliche Wartesemester sowie Berufserfahrung gesammelt.

Das Lange muss aufs Runde: Die Messe "Einstieg" informiert jeden Herbst in Berlin zu Studium, Ausbildung und Auslandsaufenthalten.
Das Lange muss aufs Runde: Die Messe "Einstieg" informiert jeden Herbst in Berlin zu Studium, Ausbildung und Auslandsaufenthalten.Foto: Promo/Einstieg

Ein duales Studium verzahnt Theorie und Praxis

Auf Praxis setzt auch das duale Studium, in dem mehrwöchige Blöcke mit Vorlesungen an der Hochschule und praktische Tätigkeiten in Unternehmen sich abwechseln. Die Mühe lohnt sich: Studierende erhalten eine Ausbildungsvergütung, zwei Abschlüsse auf einmal – und haben meist gute Chancen, später von ihrem Betrieb übernommen zu werden.
Neben dem dualen Studium gibt es seit einiger Zeit auch das triale Studium, eine Besonderheit in Handwerksberufen: Hier gibt es zusätzlich zum Abschluss im Ausbildungsberuf und dem Bachelor auch noch den Meisterbrief des jeweiligen Berufes.

Doch wie kommt man an diese Studienplätze? „Die Hochschulen, die duale Studiengänge anbieten, haben Unternehmenspartner, mit denen sie zusammenarbeiten“, erklärt Stefanie Dümmig von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin. Am besten sollte man also bei der Studienberatung der jeweiligen Hochschule nachfragen. Die Bewerbung läuft dann über das Unternehmen, das den Studien- und Ausbildungsvertrag abschließt.
Der klassische Weg über Jobbörsen, Stellenanzeigen und Social- Media-Kanäle kann zum dualen Studium führen. Hilfreich können aber auch Internetplattformen wie ausbildungplus.de sein. „Grundsätzlich kann ein Studieninteressent ein Unternehmen auch selbst ansprechen“, betont Dümmig. Es komme durchaus vor, dass ein Betrieb ein duales Studienangebot in sein Ausbildungsportfolio aufnehme, um gute Nachwuchskräfte zu bekommen. Ihr Tipp: „Selbst initiativ und persönlich engagiert sein!“

INFOS & BERATUNG

Schritt für Schritt zum passenden Studium mit der Arbeitsagentur

Infoveranstaltungen der Agentur in Berlin

Der Hochschulkompass listet Studien- und Promotionsmöglichkeiten in Deutschland auf.

Eine gute Studiengangsdatenbank bietet auch „Zeit Campus“.

Die Seite arbeiterkind.de informiert alle, die als erste in ihrer Familie studieren.

studienwahl.de ist ein Onlinestudienfährer der Stiftung für Hochschulzulassung und der Arbeitsagentur.

Die Berufs- und Studienmesse „Einstieg Berlin“ findet wieder am 9. und 10. November 2018 statt.

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