• Datenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff: "Wenn das Personal begrenzt ist, sind auch die Kontrollen begrenzt"

Die Datenschutzbeauftragte über die Gefährlichkeit von Google

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Datenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff : "Wenn das Personal begrenzt ist, sind auch die Kontrollen begrenzt"

Sie machen deutlich weniger Öffentlichkeitsarbeit als Ihr Vorgänger Peter Schaar. Warum?
Meine Aufgabe ist es natürlich auch, die Öffentlichkeit zu informieren, aber ich muss nicht jeden Tag eine öffentliche Botschaft senden. Die Datenschutzaufsicht kann nur dann effektiv sein, wenn sie Defizite aufdeckt und thematisiert.

Schließen sich Kontrolle und Öffentlichkeitsarbeit denn aus?
Nein, zur besseren Information wurde zum Beispiel gerade die Homepage neu gestaltet. Fundierte Auskünfte und öffentliche Stellungnahmen, insbesondere auch zu komplexen Gesetzgebungsvorhaben, bedingen auch immer eine fachliche Einschätzung und Prüfung im Hause, die naturgemäß nicht immer so zeitnah erfolgen kann, wie die Presse es gern hätte.

Ein weiteres großes Thema ist Google. Es gibt Forderungen, das Unternehmen zu zerschlagen. Wie gefährlich ist Google?
Google ist ein monopolartiges Unternehmen, das, wie auch soziale Netzwerke, die wirtschaftlichen Potenziale digitaler Daten für sich erkannt hat. Die Risiken für den Schutz personenbezogener Daten im Zeitalter von Big Data sind aber evident. Es lassen sich Persönlichkeitsprofile bilden, die Transparenz, was mit den Daten geschieht, ist verschwunden. Hier zu handeln ist die Kernfrage für den Datenschutz in den kommenden Jahren. Mit nationalen Regulierungen lassen sich Datenschutzfragen nicht mehr allein beantworten. Deshalb ist es so wichtig, dass die Europäische Datenschutzgrundverordnung bald kommt.

Nicht nur Google, auch „Big Data“ entwickelt sich zum Angstbegriff. Wird dabei mittlerweile der Nutzen übersehen?
Kürzlich wurde auf einer Veranstaltung thematisiert, Datenschützer würden die wirtschaftlichen Chancen blockieren, die die Nutzung der „Währung“ Daten bietet. Mir drängt sich da der Vergleich mit der Finanzkrise auf: Zu oft wurde vor der Finanzkrise beschworen, den Finanzmarkt nicht zu sehr zu reglementieren. Heute sind wir klüger. Wer Daten als „Währung“ bezeichnet, muss wissen, dass es dabei auch um unser Persönlichkeitsrecht geht, nicht mehr und nicht weniger. Chancen von Big Data nutzen und die Risiken mit einer starken Datenschutzaufsicht zu begrenzen, das ist der gebotene Weg.

ZUR PERSON

Andrea Voßhoff (56) ist seit Januar 2014 Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) und hat dort den Grünen Peter Schaar abgelöst. Die Juristin war zuvor rechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gewesen. Von 1998 bis 2013 war Voßhoff Mitglied des Deutschen Bundestags.

DAS AMT
87 Menschen arbeiten derzeit für die Dienststelle. Sie beraten und kontrollieren vor allem Bundesbehörden und andere öffentliche Stellen des Bundes in Sachen Daten- und Informationsverarbeitung. Die Bundesbeauftragte wird auf Vorschlag der Bundesregierung vom Bundestag für fünf Jahre gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.

Das Interview führte Anna Sauerbrey.

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