David Malpass : Ein Weltbank-Kandidat nach Trumps Geschmack

US-Präsident Donald Trump hat David Malpass für den Chefposten bei der Weltbank vorgeschlagen. Das gefällt nicht jedem.

Trumps Kandidat für die Weltbank: David Malpass (links).
Trumps Kandidat für die Weltbank: David Malpass (links).Foto: Martin H. Simon/imago/ZUMA Press

Der Kandidat geht jetzt erstmal auf Welttournee. Sein Ziel: die Skeptiker von sich zu überzeugen. Denn die Zweifel an Donald Trumps Kandidaten für die Weltbankspitze sind groß – was nicht nur an seiner Nähe zum US-Präsidenten liegt, sondern auch an ihm selbst. Von David Malpass, seit September 2017 als Finanzstaatssekretär für internationale Angelegenheiten zuständig, sind mehrere Äußerungen bekannt, in denen er die Weltbank scharf kritisiert hat. Den Kritiker einer Institution zu ihrem Chef zu machen – das sei eben typisch Donald Trump, sagen viele.

Als Trump seinen Wunschkandidaten am Mittwoch im Weißen Haus vorstellte, verwies er aber vor allem auf dessen große Erfahrung. Der Präsident beschrieb den 62-Jährigen als „hochgeachteten“ und „brillanten“ Mann. Es könne „keinen besseren Kandidaten“ für die Leitung der Weltbank geben. Malpass, der aus Michigan stammt und Wirtschaft an der Washingtoner Georgetown-Universität studierte, hatte bereits unter den früheren republikanischen Präsidenten Ronald Reagan und George H.W. Bush Posten im Finanzministerium inne. Ab 1993 arbeitete er bei der Investmentbank Bear Stearns, sechs Jahre davon als Chefökonom, bis die Bank zu Beginn der weltweiten Finanzkrise 2008 zusammenbrach. Malpass gründete danach seine eigene Wirtschaftsanalyse-Firma.

Er will die Weltbank reformieren

Malpass selbst kündigte an, dass er sich für „konstruktive Reformen“ bei der multinationalen Entwicklungsbank einsetzen wolle. „Ich bin sehr optimistisch, dass wir Wachstum im Ausland zum Durchbruch verhelfen können“, fügte er hinzu. Das werde beim „Kampf gegen extreme Armut“ helfen und mehr wirtschaftliche Möglichkeiten in den Entwicklungsländern schaffen.

Was Malpass mit „konstruktiven Reformen“ meinte, hat er bereits im November 2017 vor einem Kongressausschuss ausgeführt. Damals sagte er, die Kreditvergabepraxis von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) sei häufig „korrupt“. Internationale Institutionen gäben zwar „viel Geld“ aus, seien in ihrer Arbeitsweise aber „nicht sehr effizient“. Anders als behauptet kämen ihre Wohltaten oft nicht Menschen in Entwicklungsländern zu gute, sondern nutzten jenen, die mit „Erste-Klasse-Tickets“ angeflogen kämen, um die Regierungen vor Ort zu beraten.

Der Präsidenten wird das gern gehört haben, steht er doch internationalen Organisationen generell skeptisch gegenüber. Malpass spricht sich auch dafür aus, Länder wie China neu zu bewerten und ihnen weniger Kredite zu geben. Denn die Volksrepublik bekomme auf den Märkten genügend Geld. Aus seiner jetzigen Position im Finanzministerium heraus setzte er sich im vergangenen Jahr für ein Reformpaket bei der Weltbank ein, das Kredite für Länder mit höherem Einkommen wie China begrenzt und teurer macht. Gleichzeitig wurde dabei aber auch eine Kapitalerhöhung um 13 Milliarden Dollar beschlossen, gegen die sich die USA zuvor lange gewehrt hatten.

Bis Mitte März können Gegenkandidaten nominiert werden

Das Auswahlverfahren für die neue Weltbankspitze hat am Donnerstag begonnen, der Verwaltungsrat der Weltbank nimmt bis zum 14. März Bewerbungen aller 189 Mitgliedsländer entgegen. Bis zur gemeinsamen Frühjahrstagung mit dem IWF, die am 12. April in Washington beginnt, soll der Nachfolger von Jim Yong Kim feststehen, der zu Beginn des Jahres überraschend zurückgetreten war, mehr als drei Jahre vor dem eigentlichen Ende seiner zweiten Amtszeit. Die USA haben bei der Besetzung der Führungsspitze der Weltbank traditionell das Vorschlagsrecht, während der IWF üblicherweise von einem Europäer geleitet wird, derzeit von der Französin Christine Lagarde. Aufstrebende Staaten wie China, Russland, Indien oder Brasilien wollen diese ungeschriebene Regel schon seit Längerem abschaffen. Ob sie dafür aber eine Mehrheit finden, ist offen

Seine Werbetour führt Malpass nun erstmal nach Asien, wo er vor allem versuchen will, die Unterstützung Pekings für seine Kandidatur zu bekommen. Denn: Dass China über einen möglichen künftigen Weltbank-Chef Malpass besonders begeistert ist, ist unwahrscheinlich. Der 62-Jährige gilt in dieser Frage als Hardliner und unterstützt die konfrontative China-Politik Trumps voll und ganz. Die US-Regierung wirft Peking unter anderem unfaire Handelspraktiken, erzwungene Technologietransfers und den Diebstahl geistigen Eigentums vor und hat Strafzölle auf diverse Importe aus China verhängt, auf die China wiederum mit Gegenzöllen antwortete.

Kritik vom Wirtschaftsnobelpreisträger

Aber auch von anderer Seite kommt Kritik an Trumps Kandidaten. So thematisierte der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman auf Twitter dessen falsche Einschätzungen zur Finanzkrise im Jahr 2008. Noch 2007, also inmitten der Immobilienblase, schrieb Malpass in einem Beitrag für das „Wall Street Journal“, „der Immobilienmarkt und die Verschuldung spielen für die US-Wirtschaft keine so wichtige Rolle“. Dass er die weltweite Finanzkrise nicht habe kommen sehen, disqualifiziere ihn für den Spitzenposten bei der Weltbank, argumentieren seine Kritiker.

Wie groß der Widerstand letztlich sein wird, wird sich erst noch zeigen. Die Bundesregierung in Berlin wollte sich zu der Personalie nicht äußern und verwies auf den Abstimmungsprozess innerhalb der EU. Der deutsche Exekutivdirektor bei der Weltbank, Jürgen Zattler, sagte dem „Handelsblatt“: „Für die Bundesregierung ist zentral, dass die Ausrichtung der Weltbank, insbesondere auch im Sinne von Klimaschutz, Krisenprävention und Nachhaltigkeit, fortgeführt wird.“ Ebenso erwarte Berlin „Einsatz für und Wertschätzung von multilateraler Zusammenarbeit“.

Intern soll es bei der Weltbank, die ihren Sitz in Washington hat, zwar noch großen Widerstand gegen Malpass geben. Aber es gab auch Stimmen, die erklärten, man sei glücklich, dass die Amerikaner weiterhin so großes Interesse an der Weltbank zeigten und keinen völlig unerfahrenen Kandidaten geschickt hätten. Nun müsse man eben versuchen, den Neuen auf die aus Sicht der Weltbank wichtigen Themen einzuschwören.

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