Deals auf Merkels China-Reise : Deutsche Firmen unterzeichnen binnen wenigen Stunden elf Abkommen

Zuletzt wurde kritisiert, dass sich kein Dax-Chef zu den Unruhen in Hongkong geäußert hat. Auf Merkels China-Reise wird schnell deutlich, warum.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, M.) besuchte bei ihrer China-Reise auch die Firma ZF-Powertrain.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, M.) besuchte bei ihrer China-Reise auch die Firma ZF-Powertrain.Foto: dpa

Die deutschen Manager, die mit der Delegation von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach China gereist sind, haben nicht lang gezögert. Nur einen Tag nach der Ankunft in Peking haben deutsche Unternehmenschefs am Freitag elf Kooperationsabkommen unterzeichnet. Die Vereinbarungen reichen von der Luftfahrttechnik, Schifffahrt, Energie, Elektromobilität, Finanzierung, Versicherung bis hin zum vernetzten Fahren und der Vermeidung und Verwertung von Müll, wie aus einer Liste aus Delegationskreisen hervorgeht.

So unterzeichnete etwa die Allianz-Versicherung eine strategische Vereinbarung mit der Bank of China über Vertiefung der Kooperation im Finanz- und Versicherungsbereich. Der Siemens-Konzern unterschrieb eine Absichtserklärung mit der State Power Investment Corporation Limited (SPIC) zur Kooperation bei Gasturbinen.

Auch ein Berliner Unternehmen schloss einen neuen Vertrag ab; die ALBA Group unterzeichnete eine strategische Kooperationsvereinbarung mit der Shenzen Energy Group für die Gründung eines Joint Ventures zur Zusammenarbeit bei Verwertung und Vermeidung von Abfall in Shenzen.

Post macht großen Streetscooter-Deal

Für Aufsehen sorgte zudem die Deutsche-Post-Tochter Streetscooter. Sie beschloss mit dem chinesischen Automobilhersteller Chery Holding eine Absichtserklärung zur Produktion sowie Entwicklung eines elektrischen Nutzfahrzeugs für die letzte Meile im Verteilerverkehr. Streetscooter geht dabei von einer Gesamtinvestition von bis zu 500 Millionen Euro aus, wie das Unternehmen mitteilte. Die Serienproduktion sei für 2021 geplant - mit einer Produktionskapazität von 100.000 Elektro-Fahrzeugen jährlich.

"Der Einstieg in den chinesischen Markt ist ein bedeutender Meilenstein in der noch jungen Geschichte von StreetScooter", sagte Firmenchef Jörg Sommer. Ziel sei es, mit Chery den größten Markt für elektrische Nutzfahrzeuge zu erschließen, die Energie-, Logistik- und Flottenlösungen einzuführen sowie die Wertschöpfung zu lokalisieren.

China ist nach Japan das zweite Land in Asien, in dem die Post-Tochter vorpreschen will. Der Konzern verwies darauf, dass die Zahl der Elektrofahrzeuge auf dem chinesischen Markt bis 2025 Prognosen zufolge auf mehr als 900.000 Stück steigen könnte. China werde dadurch zum größten Markt für elektrische Nutzfahrzeuge aufsteigen - vor Europa und den USA.

Airbus unterzeichnet Abkommen

Des weiteren traf der europäische Flugzeugbauer Airbus eine Vereinbarung mit dem chinesischen Luftfahrtunternehmen AVIC Aircraft Corporation über die Montage des Airbus A320 in dem bestehenden Werk in Tianjin, wo heute schon Airbusse zusammengebaut werden.

Gemeinsam mit Merkel sind unter anderem der Vorstandschef der Deutschen Bank Christian Sewing, VW-CEO Herbert Diess und Siemens Vor Merkels Reise waren Forderungen laut geworden, auch deutsche Unternehmenschefs sollten Stellung zu Chinas Vorgehen gegen die Demonstranten in Hongkong beziehen.

Gerade Siemens-CEO Joe Kaeser hatte sich zuletzt oft politisch geäußert und beispielsweise US-Präsident Donald Trump mehrfach kritisiert. Zu den Vorfällen in Hongkong schwieg er jedoch vor der Reise, wie alle anderen Dax-Vorstände auch. Auf der Reise sagte er nun lediglich, China müsse in Hongkong „ein Land zwei Systeme“ weiterhin anerkennen, wie ein "Bild"-Reporter auf Twitter schrieb. (dpa/rtr/mum)

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