Delivery Hero steigt in den Dax auf : Welche neuen Lieferdienste es in Berlin gibt

Neue Essenslieferdienste wie Discoeat und Wolt wollen in Deutschland das Lieferando-Monopol angreifen. Der Markt boomt - auch wegen Corona.

Oliver Voss
Finnischer Bote. In Berlin gibt es nun auch den Lieferdienst Wolt.
Finnischer Bote. In Berlin gibt es nun auch den Lieferdienst Wolt.Foto: obs

Moritz Heininger weiß genau, wie umkämpft das Geschäft der Essenslieferdienste ist. Vor fünf Jahren hatte er den Lieferdienst Foodpanda in Indonesien und Hongkong aufgebaut. Das Unternehmen wurde damals vor allem von Rocket Internet finanziert und dann von Delivery Hero übernommen. Inzwischen ist Asien mit der Marke Foodpanda einer der wichtigsten Wachstumsmärkte für Delivery Hero, das nun in den Dax aufsteigt. Heininger arbeitete dann für andere Start-ups in Singapur und Hongkong, doch nun greift der 34-jährige noch einmal im Geschäft mit Essensbestellungen an.

Mit seinem neuen Unternehmen Discoeat hat er gerade einen Lieferservice in Berlin gestartet. Dabei schien die Schlacht der Pizzakuriere hierzulande entschieden: Lange hatten sich Delivery Hero und Lieferando einen erbitterten Kampf um den deutschen Markt geliefert, sogar Polizei und Staatsanwaltschaft waren im so genannten Pizzakrieg eingeschaltet worden, Datenklau und Computersabotage lauteten die Vorwürfe. Ende 2018 gab sich Delivery Hero geschlagen. Das Unternehmen verkaufte sein Deutschland-Geschäft für eine Milliarde Euro an die Lieferando-Mutter Takeaway.com. Das Geld steckte es in andere Länder und stieg so nun in den Dax auf. Die Delivery-Hero-Marken Lieferheld, Pizza.de und Foodora verschwanden dafür und gingen in Lieferando auf.

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Unter dem Monopol leiden Restaurants

Auch andere Wettbewerber wie Deliveroo gaben hierzulande auf oder wagten den Markteintritt in Deutschland gar nicht erst – so wie Uber Eats. Doch nun wollen neue Essenslieferdienste wie Discoeat oder Wolt versuchen, ein Stück vom boomenden Markt abzubekommen. „Wir bieten eine Alternative zum Monopolisten Lieferando“, sagt Gründer Heininger. Die Restaurants kämen am Marktführer nicht vorbei und müssten dabei die Gebühren akzeptieren. „Wir sind 30 Prozent günstiger", sagt Heininger. 10 Prozent der Bestellsumme behält Discoeats als Provision ein, bei Lieferando seien es 13 Prozent.

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Wenn die orange gekleideten Fahrer auch die Auslieferung übernehmen, bis zu 40 Prozent. Allerdings hat Heininger dafür sogar Verständnis: „Man muss so viel nehmen, um das Modell halbwegs profitabel zu gestalten, denn eine Fahrerflotte zu beschäftigen ist sehr teuer.“ Das sei ein extrem hartes Modell, bei dem es letztlich darum gehe, wer seine Fahrer am besten auslasten kann. Daher lässt Discoeat davon auch die Finger. Doch in etwa 85 Prozent der Fälle kümmern sich die Restaurants selbst um die Auslieferung, in der Coronakrise habe das noch deutlich zugenommen. Davon profitiert auch sein Unternehmen.

Lieferanten profitieren von der Pandemie

Auch die Nutzer will Heininger mit günstigeren Preisen locken. So fällt zwischen 13.30 Uhr und 18.30 Uhr, sowie nach 21.30 Uhr die Liefergebühr weg. Zudem können die Restaurants in den Nebenzeiten auch die Speisen günstiger anbieten. Mit diesem Ansatz war Discoeat 2018 auch gegründet worden: Nutzer der App können in Nebenzeiten Tische im Restaurant reservieren und dabei bis zu 50 Prozent spare. Die Gastronomen wiederum steigern so ihre Auslastung. Dieses Prinzip der dynamischen Preisanpassung nutzen beispielsweise auch Hotels, um in der Nebensaison ihr Geschäft zu erhöhen. Als dann die Coronakrise ausbrach und viele Restaurants schlossen, beschlossen Heininger und sein Mitgründer Nicolo Luti, Lieferungen als zweites Standbein anzubieten. 50000 aktive Nutzer, die mindestens einmal im Monat die App öffnen, hat Discoeat nach eigenen Angaben.

Konkurrenz bekommt Lieferando zudem durch Wolt. Der finnische Essenslieferdienst ist im August in Berlin gestartet. Schrittweise soll das Angebot ausgebaut werden. Im Gegensatz zu Discoeat beschäftigt Wolt eigene Fahrer. Deren Arbeitsbedingungen sorgen immer wieder für Konflikte. „Wir machen kein Sozialdumping“, sagt Patrick Dümer, der das Nordeuropa-Geschäft leitet. Wieviel das Unternehmen seinen Fahrern zahlt, will er jedoch nicht sagen, im Unterschied zu Lieferando müssen diese auch ein eigenes Gefährt mitbringen. Auch sonst halten sich die Finnen zu ihrem Geschäft äußerst bedeckt. Wolt wurde 2014 in Finnlands Hauptstadt Helsinki gegründet und ist seither stark gewachsen und inzwischen in 23 Ländern aktiv.

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