Der Brexit ist schuld : N26 stellt Geschäft in Großbritannien ein

Die Berliner Smartphone-Bank wird die bestehenden Konten bis Mitte April schließen. Betroffen sein dürften mehrere hunderttausend Kunden.

Erst vor wenigen Monaten war das Berliner Start-Up in Großbritannien an den Start gegangen.
Erst vor wenigen Monaten war das Berliner Start-Up in Großbritannien an den Start gegangen.

Nach nur 16 Monaten zieht sich die Berliner Smartphone-Bank N26 wieder vom britischen Markt zurück. Das verkündeten die Unternehmensgründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal am Dienstag in einem Blogeintrag: "Da Großbritannien nun die Europäische Union verlassen hat, werden wir zu gegebener Zeit nicht mehr in der Lage sein, mit unserer europäischen Banklizenz in Großbritannien zu operieren."

Alle bestehenden Konten sollen bis zum 15 April geschlossen werden. Das Unternehmen bittet seine Kunden ihr Guthaben auf andere Bankkonten zu überweisen. Nach eigenen Angaben zählte N26 in Großbritannien zuletzt "mehrere hunderttausend" Kunden.

Mit deutscher Banklizenz im britischen Markt

Erst im Oktober 2018 war das Start-Up im Vereinigten Königreich an den Start gegangen. Die Berliner Gründer konnten dafür ihre deutsche Banklizenz nutzen. Sogenannte Passport-Rechte erlauben es Finanzfirmen, die in einem EU-Land zugelassen sind, ihre Dienste in der gesamten Europäischen Union anzubieten. Allerdings war schon damals unklar, wie es nach dem Brexit weitergehen würde. "Wir haben eine Lizenz und es ist klar, dass sie durch eine Übergangsfirst gültig bleiben wird", sagte Unternehmensgründer Stalf im Oktober 2018. Abwarten will man diese nun offenbar nicht mehr und die Insel möglichst schnell wieder verlassen. Die Konkurrenz wirbt bereits um die enttäuschten Kunden.

In Deutschland war N26 lange ein Vorreiter. Die Berliner haben vor sieben Jahren als eines der ersten Start-ups ein Bankkonto rein fürs Smartphone entwickelt. Damit haben sie gerade unter jungen Menschen viele Kunden gewonnen. Zuletzt ist den Gründern allerdings immer wieder vorgeworfen worden, sich zu stark aufs Wachstum und zu wenig auf die Sicherheit zu konzentrieren. Nachdem Kriminelle angeblich verstärkt N26-Konten für illegale Zahlungen genutzt haben, hat die Finanzaufsicht Bafin dem Start-up auferlegt, mehr gegen Geldwäsche zu tun. In Berlin musste N26 zudem eine Strafe in Höhe von 50.000 Euro zahlen, weil die Smartphone-Bank gegen die Datenschutz-Grundverordnung verstoßen haben soll.

Über fünf Millionen Kunden weltweit

N26 hat nach eigenen Angaben mehr als fünf Millionen Kunden in über zwei Dutzend Ländern. In den USA - wo das Startup seit September 2019 im Geschäft ist - seien in den vergangenen Monaten in Zusammenarbeit mit der Axos Bank mehr als 250.000 Kunden gewonnen worden. Allerdings musste das Start-Up den Launch zuvor mehrfach verschieben.

Das Unternehmen wurde zuletzt mit 3,5 Milliarden Dollar bewertet und gilt als wertvollstes deutsches Startup. Zu den Investoren gehören der Versicherungskonzern Allianz, der Singapurer Staatsfonds, der chinesische Internet-Riese Tencent und der deutsch-amerikanische Investor Peter Thiel. rtr

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