"Der Strompreis wird nicht sinken"

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Der Chef der Bundesnetzagentur im Interview : "Wir wollen den Wettbewerb auf der Schiene"


Beim Internet gibt es zahlreiche Anbieter, auf dem Strommarkt auch. Dennoch hat sich der Strompreis in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt. Warum ist das so?


Über die Hälfte des Strompreises entfällt inzwischen auf staatliche Abgaben und Steuern. Zwar ist der Strompreis an der Börse gesunken, dafür sind die Abgaben gestiegen.


Wird die Reform der Ökostromförderung dafür sorgen, dass die Verbraucher endlich einmal weniger zahlen müssen?


So mutig wäre ich nicht. Die EEG-Umlage ist leicht gesunken, dafür werden die Netzentgelte steigen. Auch die Tatsache, dass Netze fehlen, treibt die Kosten in die Höhe, weil man Kraftwerke herauf- und herunterfahren muss, um Engpässe auszugleichen. Ich glaube nicht, dass die Strompreise sinken, aber zumindest ist die Dynamik der Preisanstiege gebrochen.


Gegen den Netzausbau gibt es jede Menge Widerstände, auch aus Bayern. Ministerpräsident Horst Seehofer blockiert den Ausbau in Franken. Ist das das Ende der Energiewende?


Nein. Die Energiewende kann nur Erfolg haben, wenn die Infrastruktur ausgebaut wird. Man kann über Trassen diskutieren, aber nicht über das grundsätzliche Prinzip: Wir müssen eine Möglichkeit finden, den Wind- und anderen Ökostrom vom Norden, wo er produziert wird, in den Süden zu bringen, wo er gebraucht wird. Wir von der Bundesnetzagentur sind ständig vor Ort, sprechen mit den Bürgern und versuchen ihnen, das zu erklären. Wir haben Engpässe, die wir derzeit überbrücken, indem wir Strom über Polen oder Tschechien nach Bayern leiten oder indem wir – für viel Geld – Kraftwerke im Norden herunterfahren  und der nötige Strom dann zu hohen Preisen bei teureren Kraftwerken im Süden oder gar in Österreich und Italien eingekauft wird. Das kann doch nicht die Zukunft sein!


Trotzdem möchte keiner eine Stromleitung über seinem Haus haben!


Es werden keine neuen Stromleitungen über Häusern gebaut. Trotzdem ist es so, dass die Begeisterung abnimmt, wenn man den Mast vor Augen hat. Wir reden mit den Betroffenen und den Bürgermeistern und fordern sie auf, mit den Nachbargemeinden gemeinsam Vorschläge für den Verlauf zu entwickeln. Meist bekommen wir aber einen einstimmigen Gemeinderatsbeschluss, dass die geplante Trasse auf Ablehnung stößt. Und wenn man dann einen anderen Verlauf vorschlägt, schickt die nächste Gemeinde einen ablehnenden einstimmigen Beschluss. 


Haben sich denn Gemeinden überhaupt schon mal geeinigt?


Ja, wir bekommen mit, dass sich manche Gemeinden zusammentun und gemeinsam mit ihrer Regionalkenntnis konstruktiv nach möglichen Trassenverläufen suchen.

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