Wirtschaft : Deutsche Post fühlt sich groß genug

Bernd Hops

Berlin - Die Deutsche Post will sich in diesem Jahr mit Firmenzukäufen zurückhalten. Es werde kleinere und mittlere Übernahmen geben, sagte Postchef Klaus Zumwinkel am Donnerstagabend in Berlin, „aber keine großen“. Die Integration des britischen Logistikers Exel laufe besser und schneller als geplant, sagte Zumwinkel. Exel ist die größte Übernahme, die die Post bisher gestemmt hat. „Jetzt haben wir bei unseren Netzwerken eine Größenordnung erreicht, die wir brauchen“, sagte der Postchef. Mit dem vergangenen Geschäftsjahr sei er „insgesamt ganz zufrieden“, sagte Zumwinkel. Das angestrebte Ergebnis von 3,9 Milliarden Euro sei erreicht worden. Allerdings hätten dazu auch einige Sondereffekte beigetragen wie die Auflösung von Rückstellungen, räumte Zumwinkel ein.

Die anstehende komplette Liberalisierung des Briefmarktes in Deutschland sieht Zumwinkel noch nicht als endgültig an. Eigentlich verliert die Post Ende 2007 ihr letztes Briefmonopol. Von SPD- Ministern als auch vom CSU-geführten Wirtschaftsministerium war jedoch zuletzt angedeutet worden, dass das entsprechende Gesetz durchaus geändert werden könnte. Hintergrund ist die Diskussion in der Europäischen Union. Dort gibt es keine Mehrheit für eine verbindliche Festlegung, die Märkte in der gesamten Gemeinschaft zu öffnen. Er sei ein Befürworter der Liberalisierung, sagte Zumwinkel. Es gehe aber nicht, dass Firmen aus anderen Ländern in Deutschland aktiv werden dürften, die Deutsche Post aber nicht auf deren Märkten. Das sei so, als wenn man Autos von Renault und Fiat importiere, im Ausland aber Mercedes und BMW verpönt seien. Das habe man in der deutschen Politik jetzt realisiert. Zumwinkel warnte vor einem starken Stellenabbau, verliere die Post Marktanteile. „Habe ich keine Briefe, hab ich auch keine Arbeit“, sagte der Postchef. 20 Prozent weniger Marktanteil bedeute den Abbau von 32 000 Stellen.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben