Heute dominieren die Chinesen den Markt.

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Deutsche Solarindustrie : Ein Riss durch die Branche

Das kann man als Appell verstehen, sich vom Standortpatriotismus zu verabschieden. Die Vorstellung, eine hohe Subventionierung von Sonnenstrom hierzulande würde auch heimischen Herstellern von Solarzellen und -modulen helfen, hat sich als Illusion erwiesen: Q-Cells und Solarworld aus Bonn waren vor fünf Jahren noch unter den Top zehn der größten Solarzellenhersteller weltweit. Im vergangenen Jahr belegten sie die Plätze 13 und 20. Chinesen dominieren heute die Rangliste (siehe Tabelle). Der Grund sind nicht geringere Löhne – der Automatisierungsgrad in der Solarzellenproduktion ist extrem hoch, Hände werden kaum noch gebraucht: Chinas Konzerne drücken die Preise durch die Produktion sehr großer Mengen. Unter dem daraus resultierenden Preisverfall leiden auch sie selbst.

Die Solarbranche ist im Wandel.
Die Solarbranche ist im Wandel.Foto: Tsp/Pieper-Meyer

„Weitere Konkurse werden sich aufgrund der gewaltigen Überkapazitäten nicht vermeiden lassen“, heißt es in einer umfangreichen Marktanalyse der Baseler Privatbank Sarasin von November 2011 für 20 Märkte. „Für die Solarindustrie dreht sich die bekannte Abwärtsspirale von sinkenden Einspeisetarifen, Rückgang des Nachfragewachstums, Überkapazitäten, Preis- und Margendruck also noch weiter.“ Die weltweit rund 250 Zell- und 500 Modulhersteller befinden sich in einer Konsolidierungsphase inklusive Kapazitätsabbau. Das muss nicht Kahlschlag bedeuten: Solon wurde aus der Insolvenz von dem indisch-arabischen Unternehmen Microsol übernommen, entwirft und fertigt weiter in Berlin Module, plant Solarparks und Dachanlagen. Nur wenige Mitarbeiter mussten gehen.

Auch andere gute Nachrichten der vergangenen Woche gingen im Schock der Frankfurter Werksschließungen unter: Der Technologiekonzern Bosch, der 2008 ins Fotovoltaikgeschäft eingestiegen ist, kaufte der Krisenfirma Conergy ihre Wechselrichter-Tochter Voltwerk ab und rettete so immerhin 100 Jobs. Der Tüv Rheinland, ebenfalls weltweit aufgestellt, erklärte sich anlässlich der Vorstellung seiner Jahreszahlen zum „Weltmarktführer in der Solarprüfung“. Auch Chinesen zahlen dafür, ihre Module nach deutschen Standards zertifizieren lassen. Solarworld aus Bonn, ein Unternehmen, das fast an allen Gliedern der Wertschöpfungskette steckt, gab bekannt, dass es Module für Asiens größten Solarpark im indischen Bundesstaat Gujarat liefern kann. Zudem meldete Solarworld am Freitag Erfolg bei Probebohrungen nach dem Rohstoff Lithium, der in Batterien gebraucht wird – im Erzgebirge.

Es gibt Schätzungen, wonach in Solaranlagen, die im Ausland gebaut werden, bis zu 40 Prozent Komponenten aus Deutschland stecken – vom Spezialklebstoff bis zum Wechselrichter vom Weltmarktführer SMA aus Kassel. Das hilft Frankfurts First-Solar-Mitarbeitern heute wenig, lässt aber vermuten, dass der Standort im Geschäft mit der Sonne auch künftig mitmischen kann.

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