Deutscher Reisebüro-Verband : Die Reiselust der Deutschen ist ungebrochen

Die Deutschen haben vergangenes Jahr 91 Milliarden Euro für ihren Urlaub ausgegeben. Die Reisebranche meldet Rekorde. Die Türkei ist als Reiseziel wieder gefragt, die USA werden gemieden.

Urlauber am Strand an der Platja de Muro im Norden Mallorcas.
Urlauber am Strand an der Platja de Muro im Norden Mallorcas.Foto: dpa

Gute Einkommen, niedrige Arbeitslosigkeit und niedrige Zinsen treiben die Geschäfte der deutschen Reisebranche an. Rekord-Ausgaben der Bundesbürger für Urlaube und Reisen haben der Branche im vergangenen Jahr neue Höchststände beim Umsatz beschert. 2018 dürfte es neue Rekorde geben, prognostiziert Norbert Fiebig, Präsident des Reiseverbandes DRV wenige Tage vor Beginn der wichtigen Reisemesse ITB Anfang März in Berlin. Spanien bleibt das beliebteste Ziel, die Türkei holt allmählich wieder auf und die USA wird nach 2017 auch in diesem Jahr vermutlich nach wie vor wegen Präsident Trump verlieren, betont Fiebig.

Neue Rekorde

„Im Moment läuft es richtig gut“, sagte der DRV-Präsident am Mittwoch in Frankfurt. „2017 war ein extrem erfolgreiches Jahr“. 2016 hatte es als Folge des gescheiterten Militärputsches in der Türkei, von Terroranschlägen und Hurrikans noch eine Delle und einen Umsatz-Rückgang gegeben. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Branche neue Rekorde. Der Umsatz von Reiseveranstaltern kletterte um acht Prozent auf den Höchststand von 34 Milliarden Euro. Weitere 31 Milliarden gaben die Deutschen direkt für Reisen mit dem Flugzeug, der Bahn und Mietwagen sowie für Hotelbuchungen aus.

Insgesamt waren der Urlaub und die Urlaube den Deutschen im vergangenen Jahr rund 91 Milliarden Euro wert, davon entfielen 65 Milliarden Euro auf Vorausbuchungen in der Heimat, das war ein Plus von acht Prozent. Auch in diesem Jahr wollen die Deutschen wieder viel unterwegs sein, die Reiselust ist ungebrochen und nimmt sogar noch zu. „Der Trend zum Frühbuchen hält an. Bislang sind deutlich mehr Reisen als im Vorjahr gebucht worden, das Plus im Januar lag um 18 Prozent höher als vor Jahresfrist“, sagt Fiebig. Der erste Monat des Jahres ist traditionell der stärkste Buchungsmonat.

Umsatzplus von fünf Prozent

Für das gesamte Jahr rechnet er für die Branche mit einem Umsatz-Plus von etwa fünf Prozent. Dabei profieren auch die Reisebüros, obwohl verstärkt im Internet - der Anteil erhöhte sich im vergangenen Jahr von 35 auf 40 Prozent - gebucht wird. Im Schnitt sei der Umsatz der gut 11.000 Reisebüros 2017 um fünf Prozent gestiegen, insgesamt verzeichneten sie ein Plus von 1,2 Milliarden auf 26,4 Milliarden Euro. „Das ermöglicht es den Reisebüros insgesamt wirtschaftlicher zu arbeiten“, glaubt Fiebig.

Beliebtestes Ziel der Deutschen ist und bleibt mit Abstand Spanien mit den Balearen und den Kanaren. Mehr als jeden vierten Euro, den die Deutschen 2017 für Reisen ausgaben, entfiel auf Spanien. An Nummer zwei rangiert Griechenland bei einem Umsatzplus von 30 Prozent deutlich vor der Türkei und Ägypten. Die Türkei ist nach Angaben des DRV-Präsidenten wieder stärker gefragt, trotz der politischen Lage und Verhaftungen von Journalisten und Menschenrechtlern. „Das Land am Bosporus scheint die Talsohle durchschritten zu haben. Für 2018 sehen wir das Comeback des Landes.“ Gleichwohl wird die Türkei allenfalls die Hälfte des Umsatzniveaus von 2015 erreichen. Das  Umsatzvolumen mit Zielen in Griechenland bleibt doppelt so hoch. Vor der Krise in der Türkei war dieses Verhältnis genau umgekehrt.

Rückgang bei USA-Reisen

Begrenzt bleibt das Interesse deutscher Urlauber auch an den USA, nach wie vor offenbar wegen des seit gut einem Jahr amtierenden Präsidenten: Nachdem die deutsche Reisebranche dort 2017 ein Umsatzminus von 17 Prozent hatte hinnehmen müssen, rechnet Fiebig in diesem Jahr mit einem erneuten Rückgang um 20 Prozent. Insgesamt zählte der DRV im vergangenen Jahr fast 156 Millionen Urlaubsreisen der Deutschen, 69 Millionen davon gingen ins Ausland. Badeferien bleiben mit einem Anteil von einem Drittel an den Umsätzen weiter der Hauptgrund für die Reisen der deutschen Verbraucher. Städte- und Rundreisen liegen nach Erkenntnissen des DRV bei jeweils 14 Prozent. Auch das Interesse an Kreuzfahrten hält an. Ihr Umsatzanteil ist weiter auf acht Prozent gestiegen.

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