Deutsches Aktieninstitut : Vom Mitarbeiter zum Miteigentümer

Aktieninstitut: Die Beteiligung am eigenen Unternehmen ist ein Beitrag zur Bekämpfung der Rentenlücke.

Den Bullen jagen. Experten empfehlen Aktien des Arbeitgebers.
Den Bullen jagen. Experten empfehlen Aktien des Arbeitgebers.Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Die direkte Beteiligung der Beschäftigten an ihrem börsennotierten Unternehmen fristet in Deutschland ein Schattendasein. Bei nicht einmal einem Drittel der Firmen sind sie über den Besitz von Aktien beteiligt. In Europa sind es im Schnitt 77 Prozent, in Nordamerika zwei Drittel. Das sollte sich nach Ansicht von Christine Bortenlänger, Geschäftsführerin des Deutschen Aktieninstituts DAI dringend ändern. Das sei nicht nur mit Blick auf die wachsende Rentenlücke wichtig, sondern auch für die Zukunftsfähigkeit des Standortes Deutschland. Für Investitionen und für Innovationen seien die Unternehmen auf Kapital angewiesen. Dabei seien Mitarbeiteraktien ein sehr gutes Instrument. Langfristig brächten sie pro Jahr eine Rendite von sieben bis neun Prozent.

Auch für die Unternehmen seien die eigenen Mitarbeiter ein Gewinn, betont Michael H. Kramarsch vom auf Vergütungsfragen spezialisierten Beratungsunternehmen hkp. „Mitarbeiter sind treue Aktionäre, sie sind stark am eigenen Unternehmen interessiert und sie engagieren sich für ihre Firma.“ Darüber könnten etwa dringend gesuchte Fachkräfte langfristig an das Unternehmen gebunden werden. 900 000 Beschäftigte bei 700 Unternehmen in Deutschland sind, so schreiben DAI und hkp, aktuell zum Bezug von Aktien ihres Unternehmens berechtigt.

Vorteile für Arbeitnehmer

Bezogen auf die 30 im Deutschen Aktienindex Dax gelisteten Unternehmen bringen Mitarbeiter-Aktien nach Berechnungen von DAI und hkp aufgrund der Daten bis 2017 schon im ersten Jahr eine Rendite von 9,9 Prozent, bei zehn Jahren liegt sie im Jahresschnitt bei 9,2, bei 20 Jahren bei 7,5 Prozent. Werden jährlich 1200 Euro für den Kauf von Aktien des eigenen Unternehmens ausgegeben, ergibt sich demnach nach zehn Jahren ein Gewinn von 8272 Euro, nach 20 Jahren von 31 971 Euro. Die Beschäftigten kommen, so DAI und hkp, mit dem Besitz von Aktien bei 80 Prozent der Unternehmen nach zehn Jahren auf eine Rendite von mindestens 50 Prozent, bei zwölf Prozent sind es zwischen 20 und 50 Prozent. Nur in fünf Prozent der Fälle müssen die Mitarbeiter einen Verlust hinnehmen. Sinnvoll sei der Kauf von Aktien des eigenen Unternehmens schon für 15 bis 20 Euro im Monat. Um dies zu berechnen nicht nur für den Dax, sondern auch für andere Börsenindizes wie MDax oder TecDax oder auch für einzelne Unternehmen haben DAI und hkp am Mittwoch in Frankfurt ein kostenfreies Online-Tool vorgestellt, das unter www.mab-renditedreieck.de aufgerufen werden kann. Dabei werden auch Kriterien berücksichtigt wie Rabatte, die Unternehmen ihren Beschäftigten beim Kauf ihrer Aktien einräumen oder der Bezug kostenfreier Aktien, so dass etwa beim Kauf von drei Aktien einer weitere Aktie zugeteilt wird. Auch der aktuell geltende Steuerfreibetrag von 360 Euro jährlich wird einberechnet.

„Damit kann jeder Beschäftigte für sich berechnen, was der Kauf von Aktien des eigenen Unternehmens bringt. Auch die Unternehmen, Betriebsräte, Gewerkschaften und die Politik erhalten Einblick“, sagt Bortenlänger. Letztere müsse viel mehr für den Kauf von Mitarbeiter-Aktien tun, fordert sie ebenso wie Kramarsch. Mit 360 Euro sei der Freibetrag viel zu niedrig. „Er muss dringend auf 1000 Euro pro Jahr erhöht werden. Nur dann lohnt es sich für die Unternehmen, ihre Mitarbeiter-Aktien-Programme durch größere Rabatte und mehr Gratisaktien noch attraktiver zu gestalten“, sagt Kramarsch. „Bei geringeren Freibeträgen frisst ansonsten die Steuer dieses Arbeitgebergeschenk auf.“ Dabei sei eine Anhebung auf 1000 Euro noch moderat. International seien es im Durchschnitt 3000 Euro, in Spanien und Irland sogar jeweils 12 000 Euro.

Nach Ansicht von Bortenlänger sei die Dringlichkeit der privaten Altersvorsorge vor Hintergrund der wachsenden Rentenlücke angekommen. „Die Vorschläge, die auf dem Tisch liegen, sind aber unzureichend.“ Die drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz wollen sich des Themas verstärkt annehmen, wie sie am Dienstagabend auf der Regionalkonferenz in Idar-Oberstein betonten.

Aktien des Arbeitgebers bergen aber die Gefahr eines Klumpenrisikos. Wenn die Firma Pleite geht, sind Arbeitsplatz plus Aktien verloren. Deshalb ist eine Streuung der Anlage sinnvoll.

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