Wirtschaft : Die Deutschen wollen weit weg

Fernreisen sind auf der Tourismusmesse der Renner

Juliane Schäuble

Berlin - Terrorgefahr, Klima-Debatte und Mehrwertsteuererhöhung können die Reiselust der Deutschen offenbar nicht stoppen: Trotz der Fußball-WM sind die Deutschen 2006 wieder „Reiseweltmeister“ geworden. Das sagte der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), Klaus Laepple, am Freitag in Berlin anlässlich der am 7. März beginnenden Internationalen Tourismusbörse (ITB). Für Reisen hätten die Bundesbürger 60,5 Milliarden Euro ausgegeben. Im Vorjahr waren es 58,2 Milliarden Euro. Auch im neuen Jahr seien die Perspektiven glänzend. Umfragen hätten ergeben, dass die Deutschen beim Reisen nicht sparen werden.

Nachdem die Branche im vergangenen Jahr einen Zuwachs von zwei Prozent verzeichnen konnte, rechnet sie für 2007 mit einem Plus von drei Prozent. Laut einer repräsentativen Befragung des BAT-Freizeitforschungsinstituts hätten fast drei Viertel der Bevölkerung (71 Prozent) angegeben, eine Urlaubsreise von mehr als fünf Tagen unternehmen zu wollen, sagte Laepple. Im Vorjahr hätten nur 68 Prozent der Interviewten feste Reiseabsichten gehabt. Den Gesamtumsatz der deutschen Reiseveranstalter bezifferte Laepple auf 19,6 Milliarden Euro. Darin seien die Vermittlung von Versicherungen, Mietwagen und Zusatzangeboten enthalten.

Mit der Rekordbeteiligung von fast 11 000 Ausstellern aus insgesamt 184 Ländern präsentiert sich die ITB in Berlin erneut als die weltweit wichtigste Reisemesse. Alle 26 Messehallen am Funkturm seien für die Messe vom 7. bis 11. März ausgebucht, sagte Laepple weiter. Partnerland der 41. ITB ist Indien. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) soll die Messe kommenden Mittwoch eröffnen. Nach den ersten drei Tagen für die Fachbesucher ist die ITB nur noch am 10. und 11. März für das Publikum geöffnet. Die Veranstalter rechnen mit einem erneuten Rekord von rund 170 000 Gästen und Geschäftsabschlüssen von mehr als fünf Milliarden Euro.

Häufigstes Reiseziel der Deutschen in 2006 war erneut Deutschland. Ansonsten seien Italien, Spanien, Portugal und Marokko, bei den Fernreisen Asien und das südliche Afrika „Trendziele“ gewesen, sagte Laepple. Dagegen hätten Ägypten, Tunesien, die Karibik, Bulgarien und die Türkei an Attraktivität verloren.

In diesem Jahr ziehe es viele Deutsche in die Ferne. Sehr gefragt seien asiatische Ziele, besonders die Malediven und Mexiko, sagte der BTW-Chef. Auch die Karibik sei wieder beliebt. Bei den näheren Zielen stünden Italien, Spanien und Tunesien hoch im Kurs. Gut verkauften sich zudem Städtereisen und Wellness-Angebote. Auch Luxusreisen und Kreuzfahrten verzeichneten Zuwächse.

Laut Laepple unternehmen die Deutschen 3,3 Milliarden Tagesreisen pro Jahr. Nur 800 davon seien Geschäftsreisen, die anderen 2,5 Milliarden hätten private Gründe. Bei der Wahl ihres Verkehrsmittels setzt immer noch mehr als die Hälfte der Bundesbürger (53 Prozent) auf das eigene Auto, wenn die Reise länger als fünf Tage dauert. Rund ein Drittel (32 Prozent) besteigt ein Flugzeug. Nur sieben beziehungsweise sechs Prozent benutzen dabei den Bus oder die Bahn.

Kritik übte Laepple an den Plänen der EU-Kommission, vorerst nur EU-Fluggesellschaften in den Emissionshandel für den Kohlendioxid-Ausstoß einzubeziehen. „Es darf keine Wettbewerbsverzerrung durch Insellösungen einzelner Staatengemeinschaften geben“, sagte der Tourismusmanager. Erderwärmung und CO2- Belastung seien globale Probleme, die eine globale Antwort benötigten. Die geplanten Umweltabgaben müssten für alle Fluggesellschaften gelten. „Inakzeptabel“ sei auch, dass die Zuwachsraten im Luftverkehr nicht in die Berechnungen für den Emissionshandel einbezogen würden.

Das ITB-Partnerland Indien will sich laut seiner Tourismusministerin Leena Nandan in Berlin als „Boomland“ präsentieren. In den vergangenen drei Jahren sei die Tourismusindustrie um jeweils mehr als 15 Prozent gewachsen. Dieser Markt sei auch für Europa attraktiv. „Indien ist ein junges Land und wird noch jünger. Es ist die Heimat von 20 Prozent der Weltbevölkerung unter 24 Jahren“, sagte Nandan.

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