Die Folgen der Corona-Krise für Konzerne : Wer überraschend gut abschneidet - und wer schlecht

Die Krise belastet Unternehmen unterschiedlich stark, selbst innerhalb einer Branche. Ein Überblick über die unerwarteten Gewinner und Verlierer der Pandemie.

Hapag Lloyd profitiert normalerweise vom Welthandel.
Hapag Lloyd profitiert normalerweise vom Welthandel.Foto: imago images / Chris Emil Janßen

Hapag Lloyd: Weniger Container, mehr Gewinn

In der Coronakrise ist der Welthandel eingebrochen, sehr viel weniger Waren sind verschifft worden. Das hat auch die Containerreederei Hapag Lloyd getroffen – die aber ihren Betriebsgewinn im zweiten Quartal trotzdem auf 352 Millionen Euro verdoppeln konnte. Neben einem Sparprogramm liegt das vor allem an den gefallenen Bunkerpreisen, also an dem günstigen Treibstoff. Soll heißen: Die Reederei hat weniger transportiert, das aber sehr viel günstiger. Entsprechend hat sie mehr verdient.

Porsche kann trotz Krise viele Wagen verkaufen.
Porsche kann trotz Krise viele Wagen verkaufen.Foto: picture alliance/dpa

Porsche: Sportwagen sind weiter gefragt

Zuletzt wollte kaum ein Verbraucher einen Neuwagen kaufen – es sei denn, er kaufte gleich einen Porsche. Der Stuttgarter Sportwagenhersteller, der zu Volkswagen gehört, sticht die Konkurrenz aus. Während die Mehrheit der Autobauer Verluste macht, verbuchte Porsche im ersten Halbjahr einen Milliardengewinn. Laut „Handelsblatt“ ist er damit der „am besten verdienende europäische Autohersteller“. In normalen Zeiten geht dieser Titel an BMW, Audi oder PSA (Citroën, Opel, Peugeot). Gut situierte Porsche-Kunden seien weniger krisenanfällig als andere Autokäufer, so die Erklärung.

Unilever setzt auf Desinfektionsmittel.
Unilever setzt auf Desinfektionsmittel.Foto: dpa-tmn

Unilever verkauft mehr Desinfektionsmittel

An den Zahlen von Unilever lässt sich das veränderte Konsumverhalten ablesen: Der Konzern hat zuletzt weniger Deo verkauft, auch gingen weniger Eis und Getränke an Kinos. Trotzdem steht Unilever überraschend gut da. Der Konzern, zu dem Marken wie Dove, Knorr, Axe und Ben & Jerry’s gehören, reagierte schnell und baute sein Geschäft mit Hygieneprodukten stark aus. In 65 Ländern hat Unilever etwa Handdesinfektionsmittel neu auf den Markt gebracht. Unterm Strich verdiente das Unternehmen in den ersten sechs Monaten 3,5 Milliarden Euro – zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Crocs verkaufen sich trotz Krise gut.
Crocs verkaufen sich trotz Krise gut.Foto: dpa

Crocs-Schuhe sind gefragt

„Hässlich ist in“, schrieb CNBC bereits 2019 über die Plastiksandalen von Crocs. Konsumenten würden sich von der traditionellen Vorstellung von Schönheit abwenden, so die These. Der Schuhanbieter hat seinen Quartalsgewinn deutlich steigern können – wohl auch wegen der vielfältigen Kooperationen des Konzerns. Das Management scheint keinen Deal abzulehnen: Selbst mit Kentucky Fried Chicken hat Crocs eine Sandale designt, auf der – natürlich – ein Hähnchenflügel zu sehen ist. Der Quartalsgewinn: 331,5 Millionen Dollar, fast acht Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Videospiele liegen wieder im Trend - das merkt auch Nintendo.
Videospiele liegen wieder im Trend - das merkt auch Nintendo.Foto: imago images/Benjamin Horn

Nintendo landet mit "Animal Crossing" einen Hit

Man zieht auf eine Insel, auf der sonst nur Tiere leben: Klingt schräg, ist aber die Spielewelt von „Animal Crossing“. Im März hat Nintendo die neueste Version des Videospiels veröffentlicht und damit zu Beginn des Lockdowns einen Hype ausgelöst. Wer pandemiebedingt zu Hause bleiben musste, schaute Netflix – oder spielte offenbar „Animal Crossing“. Nintendo hat dadurch im letzten Quartal einen Gewinn von umgerechnet 852 Millionen Euro verbucht – sechsmal mehr als im Vorjahreszeitraum. Selbst Experten hatten allenfalls mit einem halb so hohen Gewinn gerechnet.

Auch Pharmakonzerne kommen nicht zwangsläufig gut durch die Krise.
Auch Pharmakonzerne kommen nicht zwangsläufig gut durch die Krise.Foto: dpa

Merck spürt Schließung der Fruchtbarkeitskliniken

Pharmakonzerne gehörten zu den Gewinnern der Coronakrise. Doch Merck ist eine Ausnahme. Ein Grund: Merck liefert auch diverse Produkte, die Paaren helfen sollen, ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Weil aber zeitweise viele Fruchtbarkeitskliniken geschlossen waren, brach der Umsatz ein. Der Konzern stellt auch Pigmente für Auto- und Nagellacke her. Sie waren wegen der Pandemie kaum gefragt. Und: Bei Flüssigkristallen für Displays von Smartphones nahm die Konkurrenz in Asien zu. Die Folge: Ein Minus von fast sechs Prozent beim Betriebsgewinn, der trotzdem eine Milliarde Euro beträgt.

Henkel ist für die Marke Persil bekannt.
Henkel ist für die Marke Persil bekannt.Foto: picture alliance/dpa

Henkel leidet unter Schließung der Friseursalons

Einerseits hat Henkel davon profitiert, dass viele Menschen mehr Zeit zu Hause verbringen – mit Marken wie Pril, Bref, Somat und Persil erreichte der Konzern zweistellige Wachstumsraten. An anderer Stelle hat er aber stark darunter gelitten: nämlich im Friseurgeschäft. Henkel beliefert Friseure mit Haarfarbe und Shampoo – doch die Salons waren während des Shutdowns zeitweise geschlossen. Gleichzeitig hat auch das Geschäft mit Klebstoffen gelitten, die Henkel an Industriekonzerne und Autobauer liefert. Unter dem Strich fielen die Erlöse im ersten Halbjahr um 6 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro.

Talanx spürt den Gegenwind.
Talanx spürt den Gegenwind.Foto: picture alliance / Sebastian Gol

Versicherer wie Talanx trifft die Krise hart

Versicherer stehen in dieser Krise selten im Fokus – dabei belastet die Pandemie sie enorm. Das zeigt sich etwa am Beispiel von Talanx, einem Konzern, zu dem unter anderem der HDI und Hannover Rück gehören. Der Konzern musste sowohl für Betriebsschließungen und Veranstaltungsausfälle aufkommen, die die Kunden versichert hatten. Weniger Schäden gab es bei der Kfz-Versicherung, weil weniger Autos unterwegs waren. Bis jetzt ist dem Konzern durch Corona ein Schaden von 824 Millionen Euro entstanden.

Eckert & Ziegler liefert Medizintechnik.
Eckert & Ziegler liefert Medizintechnik.Mike Wolff

Eckert & Ziegler spürt geringere Bestellungen von Krankenhäusern

Als Medizintechnikunternehmen hätte man vermutet, dass Eckert & Ziegler von der Krise profitiert. Doch der Umsatz ist bei dem Berliner Unternehmen im ersten Halbjahr um sechs Prozent eingebrochen. Der Nettogewinn lag dadurch mit 12,7 Millionen Euro unter dem Vorjahresniveau. Ein Grund sind rückläufige Bestellungen von Krankenhäusern. Sie haben unter anderem weniger Laborgeräte geordert. Gleichzeitig ist auch die Nachfrage nach Komponenten für die industrielle Messtechnik zurückgegangen.

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