Digitale Medien : Axel Springer setzt auf Internet-TV

Europas größtes Zeitungshaus Axel Springer will sich im Internet-Fernsehen etablieren. Dafür gründete der Konzern eine eigene Produktionsfirma und kaufte sich bei verschiedenen Regionalsendern ein.

Berlin - Nach der gescheiterten Übernahme von ProSiebenSat.1 werde Springer ("Bild", "Die Welt") die Aktivitäten für das so genannte IPTV erheblich ausbauen, sagte Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner. "IPTV ist das Fernsehen von morgen". Vor wenigen Monaten sei dafür die Axel Springer Digital TV (ASDTV) gegründet worden, die die Produktion und Verbreitung von Bewegtbildern für das Netz übernimmt.

Für dieses Jahr erwartet der Medienkonzern "ein Ergebnis auf Vorjahresniveau oder leicht darüber". Nach den bereits bekannt gegebenen Zahlen hatte das Verlagshaus 2006 ein Rekordergebnis von 291 Millionen Euro erzielt, was einem Plus von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Übernahme von wallstreet.online

"Unser Ziel für 2007 steht fest: Expansion mit Schwerpunkt im digitalen Geschäft", sagte Döpfner. Dazu gehörten neben dem neuen Auftritt von "Welt Online" die E-Commerce-Kooperation mit KarstadtQuelle sowie die Übernahme des Finanzportals wallstreet.online. Es könne zwar sinnvoll sein, den 12-Prozent-Anteil an ProSiebenSat.1 auszubauen oder abzustoßen. Dies hänge auch von den Plänen der neuen Besitzer, den Finanzinvestoren KKR und Permira ab. "Kern" der TV-Aktivitäten sei aber das Internet-Fernsehen, sagte Döpfner.

Ergänzt wird die TV-Strategie Springers mit der Beteiligung an den Regionalsendern Hamburg 1 (27 Prozent) und TV Berlin (22 Prozent), an der führenden türkischen Sendergruppe Dogan TV (25 Prozent) sowie an der polnischen Gruppe Polsat (25,1 Prozent).

Springer war im vergangenen Jahr mit der Übernahme von ProSiebenSat.1 am Veto des Bundeskartellamtes gescheitert und hatte daraufhin angekündigt, sich verstärkt im Ausland nach Zukaufsmöglichkeiten umsehen zu wollen. Im zweiten Halbjahr 2006 habe Springer rund 20 große Projekte gestemmt, davon 10 Übernahmen oder Beteiligungen.

Neue Programmzeitschrift "TV Guide"

Trotz der verstärkten Online-Aktivitäten sollte man das deutsche Print-Kerngeschäft aber "noch lange nicht zu Grabe tragen", sagte Döpfner. Er kündigte den Start der 14-täglichen Programmzeitschrift "TV Guide" an, die zu einem Startpreis von 50 Cent an diesem Donnerstag erstmals an die Kioske geht. Sie sei für Leser gedacht, die kompakte Programminformationen ohne lange Textbeiträge wünschen. Für 2007 erwartet Springer eine Steigerung der Vertriebs- und Anzeigenerlöse, die höher als das prognostizierte Nettowachstum von 1 bis 2 Prozent liegen werde.

Die Anlaufverluste für neue Entwicklungen beliefen sich 2006 auf rund 60 Millionen Euro und wurden für 2007 von Döpfner mit rund 90 Millionen Euro beziffert. Dazu zählten auch eventuelle Investitionen für eine Boulevardzeitung in Frankreich. Allerdings sei die Vertriebslogistik "alles andere als einfach", sagte der Springer-Vorstandsvorsitzender.

374 Millionen Euro Gewinn

Der Konzernumsatz fiel leicht auf 2,376 (2005: 2,392) Milliarden Euro. Bei dem Rückgang schlug der Wegfall von Erlösen durch die Ausgliederung der Tiefdruckaktivitäten in das Joint Venture Prinovis zu Buche. Die Vertriebs- und Anzeigenerlöse - das Kerngeschäft - stiegen auf 2,191 (2,165) Milliarden Euro.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) erhöhte sich von 338 Millionen Euro 2005 auf 374 Millionen Euro. Auch hier schlug ein Sonderertrag aus der Kirch-Insolvenz zu Buche, ohne den das Ergebnis 2006 nur bei 340 Millionen Euro gelegen hätte. Für das abgelaufene Geschäftsjahr sollen 3,50 Euro je Aktie ausgeschüttet werden. Im Vorjahr hatte die Dividende bei 1,70 Euro gelegen. (tso/dpa)

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