"Wir haben in Berlin Zalando, aber Amazon ist eine andere Größenordnung"

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DIHK-Chef Eric Schweitzer : "Wir haben mit Merkel und Gabriel vertrauenswürdig zusammengearbeitet"


Die größten Unternehmen, Apple, Google, Microsoft, Amazon kommen alle aus den USA. In welchen Branchen ist Deutschland heute schon abgehängt?

Bei den sozialen Netzwerken und im Handel mit Verbrauchern ist es schwierig. Wir haben hier in Berlin zwar Zalando, aber Amazon ist eine ganz andere Größenordnung. Wir sollten uns auf unsere Stärke in der Industrie 4.0 konzentrieren und müssen auch in allen Branchen die Digitalisierung vorantreiben.

Sehen Ihre Mitglieder das auch so?

Oh ja. Neun von zehn Unternehmen sehen einen höheren Bedarf für Investitionen und für Weiterbildung. Ganz vorne steht der Wunsch nach leistungsfähigen flächendeckenden Datenleitungen. Vorrangig muss jetzt jedes Gewerbegebiet einen Glasfaser-Anschluss bekommen. Und selbstverständlich braucht ein High-Tech-Standort wie Deutschland auch ein Funknetz auf höchsten Niveau.

In Berlin kann die Hälfte der Drittklässler nicht schreiben. Was kommt da auf Sie zu?

Deutschland hat die geringste Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Das ist ein Verdienst der dualen Ausbildung. Aber sechs Prozent verlassen die Schule ohne Abschluss und damit schlechteren Perspektiven. Das ist zugleich auch für ausbildungsinteressierte Unternehmen ein Riesenproblem. Wir brauchen Fachkräfte, und ohne Bildung geht das nicht. Ich glaube, Union und SPD haben das erkannt. Es ist gut, dass jetzt auch die Berufsschulen ausgebaut und digitalisiert werden sollen.

Was ist, wenn die SPD-Mitglieder nicht zustimmen? Steuern wir dann auf Chaos zu?

Dann ist wieder der Bundespräsident am Zug. Ich sehe uns in Deutschland jedenfalls nicht auf ein Chaos zusteuern. Persönlich gehe ich davon aus, dass wir letztlich dann doch genügend verantwortungsvolle Politiker haben, die dieses Land auch regieren wollen.

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