"Die Immobilien werden in Großstädten noch teurer"

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Update
DIW-Chef Marcel Fratzscher : "Wahlergebnis ist ein Ausdruck der Spaltung der Gesellschaft"


Viele Arbeitnehmer verdienen nicht genug, um später eine auskömmliche Rente zu beziehen. Brauchen wir eine gesetzlich garantierte Mindestrente von 1050 Euro, um Altersarmut vorzubeugen?


Es gibt die Grundsicherung im Alter, die von weniger als drei Prozent der Rentner bezogen wird. Wahrscheinlich könnten viel mehr Menschen diese Hilfe beantragen, aber sie tun es nicht aus Scham oder aus Sorge, dass sich das Amt das Geld von den Kindern zurückholt. Ich halte eine Mindestrente für richtig und absolut notwendig. Aber auch sie löst nicht das grundlegende Problem für viele Menschen, dass sie ihren Lebensstandard im Alter massiv einschränken müssen. Angenommen Sie verdienen 2500 Euro brutto im Monat, rutschen dann als Rentner auf 48 Prozent des Lohns ab, dann haben sie noch knapp 1250 Euro und müssen diese auch noch versteuern. Und bis 2030 soll das Rentenniveau ja bis auf 43 Prozent sinken.


Was kann man dagegen tun?


Punkt eins: Man müsste Menschen mit geringen Einkommen bei der Rente signifikant besser stellen. Dafür spricht auch, dass deren Lebenserwartung deutlich niedriger ist als die der Besserverdiener. Punkt zwei: Man muss die Betriebsrente und die private Vorsorge stärken.


Die niedrigen Zinsen machen aber nicht gerade Lust auf Sparen …


Die Frage ist doch, wie man sein Geld anlegt. Wenn man ein Eigenheim kauft, kann das für manche eine kluge Art der Vorsorge sein. In Deutschland haben nur 45 Prozent eine Immobilie, in Südeuropa sind es 80 Prozent. Nehmen Sie Berlin: Die Immobilienpreise gehen hoch, die Mieten steigen, aber die Rente bleibt gleich. Dann hat man ein Problem.


In Berlin können sich nur noch wenige Menschen eine Immobilie leisten. Gehen die Preise irgendwann auch mal wieder herunter?


Das bezweifele ich stark. In den Großstädten werden die Preise eher noch steigen. Langfristig ziehen die Menschen vom Land in die Städte, das hält die Preise hoch. Auf dem Land werden die Preise dagegen um bis zu 30 Prozent zurückgehen.


Gegen steigende Mieten hilft auch keine Riester-Rente.


Ich halte die Riester-Rente für gescheitert. Man braucht neue Konzepte, etwa die Deutschland-Rente, bei der sich der Staat einschaltet und die Kosten niedrig hält. Die Regierung sollte in der neuen Legislaturperiode das Thema Rente und Altersvorsorge anpacken, damit die Menschen wissen, was nach 2030 auf sie zukommt. Reformen sollte man in guten Jahren machen. Aber ich befürchte, das wird nicht passieren.

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