Einigung zwischen Management und Arbeitnehmern : Volkswagen garantiert sichere Arbeitsplätze bis 2029

Trotz Dieselkrise und Verkehrswende: VW verlängert die Beschäftigungsgarantie in der Fertigung - und will die Rendite zugleich auf sechs Prozent steigern.

Ob die Beschäftigungsgarantie bis 2029 auch für Kollege Roboter gilt? Schweißroboter am Unterbau eines neuen Volkswagens.
Ob die Beschäftigungsgarantie bis 2029 auch für Kollege Roboter gilt? Schweißroboter am Unterbau eines neuen Volkswagens.Foto: Christophe Gateau/dpa

Der Autokonzern Volkswagen hat mit dem Betriebsrat eine Verlängerung der Beschäftigungssicherung bis 2029 vereinbart. Trotz Dieselkrise, Absatzproblemen auf wichtigen Märkten, Mobilitätswende und Digitalisierung gibt es keinen massiven Stellenabbau. „Hier bei Volkswagen muss keiner Angst um seinen Arbeitsplatz haben“, fasste Betriebsratschef Bernd Osterloh am Mittwoch die Eckpunkte der „Roadmap Digitale Transformation“ zusammen, auf die sich Arbeitnehmervertreter und Konzernführung geeinigt haben.

In allen deutschen VW-Werken sind die Arbeitsplätze bis 2029 garantiert. Der Abbau von 4000 Stellen „im indirekten Bereich“ in den kommenden vier Jahren soll sozialverträglich ablaufen, dazu wird für die Jahrgänge 1962 bis 1964 Altersteilteilzeit angeboten.

Mindestens 2000 zusätzliche Arbeitsplätze „mit Bezug zur Digitalisierung“ werden in den nächsten Jahren geschaffen. Ferner will der Konzern bis 2023 vier Milliarden Euro in Digitalisierungsprojekte investieren – vorrangig in der Verwaltung, aber auch in der Produktion.

130.000 Arbeitsplätze in Deutschland

VW beschäftigt an seinen deutschen Standorten rund 130.000 Mitarbeiter, das größte ostdeutsche Werk mit 8400 Mitarbeitern befindet sich in Zwickau. Hier werden nur noch Elektroautos gebaut.

Um die Beschäftigten für die digitale Transformation fit zu machen, erhöht VW das Qualifizierungsbudget bis 2023 um 60 Millionen Euro auf 160 Millionen Euro. Dazu wird für jeden Bereich ein Zukunftsbild entworfen, „das uns nicht nur quantitativ zeigt, wie viel Personal wir brauchen, sondern auch, welche Kompetenzen wir für unseren Erfolg im Wettbewerb benötigen“, erklärte Personalvorstand Gunnar Kilian.

Der Konzern schaffe dazu eine Online-Uni und forciere das Lernen über Online-Plattformen. Die Zahl der Ausbildungsplätze bleibt mit jährlich 1400 konstant. Für eine an digitalen Anforderungen orientierte Berufsausbildung investiert der Konzern in den kommenden zwei Jahren 8,5 Millionen Euro „in Elektro- und IT-Labore sowie Projektwerkstätten“ an den sechs westdeutschen Standorten.

Die Produktivität steigt um fünf Prozent - jedes Jahr

Diese Punkte waren der Arbeitnehmerseite wichtig. Das Management wiederum möchte den Konzern schneller, schlanker und wettbewerbsfähiger haben – und profitabler. Die seit Jahren hinter den Profiten der Schwestermarken Audi und Porsche deutlich zurückbleibende Kernmarke VW soll 2022 eine Rendite von sechs Prozent erwirtschaften. Das wäre drei Jahre früher als ursprünglich geplant.

Ausschlaggebend dafür sind die jetzt mit dem Betriebsrat vereinbarten Produktivitätsfortschritte von fünf Prozent pro Jahr bis 2023. Das bedeutet: Für die Herstellung eines Autos wird jedes Jahr fünf Prozent weniger Personal gebraucht. Oder anders: Mit der gleichen Personalstärke steigt das Produktionsvolumen um fünf Prozent. Hier gibt es eine Verknüpfung mit der Erweiterung der Altersteilzeit auf die Jahrgänge 1962 bis 1964. „Die Freigabe der Jahrgänge erfolgt, wenn Personal-, Finanz- und Produktivitätsziele erreicht werden“, teilte VW mit.

Schlanker, schneller, agiler

Schließlich: „Die Digitalisierung schafft die Grundlage für eine effizienteres und agileres Unternehmen“, heißt es in einer Mitteilung des Betriebsrats. Jeder Bereich und jedes Werk werde sich deshalb um flachere Hierarchien bemühen. Ganze Führungsebenen würden entfallen, doch auch für das Management sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Diesen Personenkreis will VW bei der Suche nach Jobs außerhalb des Konzerns mit Outplacement-Angeboten unterstützen.

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