Elektromobilität in Brandenburg : Tesla kommt, BASF auch

BASF will in der Lausitz Kathodenmaterial für Batteriezellen produzieren. Wirtschaftsminister Altmaier freut sich und erwartet die Rückkehr der Branche.

Leuchtturm in der Lausitz . BASF betreibt in Schwarzheide bereits ein Chemiewerk, in dem 3500 Menschen arbeiten. Nun soll dort die Zellenproduktion starten.
Leuchtturm in der Lausitz . BASF betreibt in Schwarzheide bereits ein Chemiewerk, in dem 3500 Menschen arbeiten. Nun soll dort...Foto: REUTERS

Die Verkehrswende in Richtung Elektromobilität kommt in Fahrt. Jedenfalls verbessern sich die Bedingungen: Der Chemiekonzern BASF kündigte am Mittwoch an, in Schwarzheide in der Lausitz Kathodenmaterial für Batteriezellen zu fertigen. Am Dienstag hatte die EU-Kommission eine auf 6000 Euro erhöhten Kaufprämie für Elektroautos genehmigt. „Wir sind in dieser Woche bei der alternativen Mobilität sehr vorangekommen“, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Mittwoch in Berlin. „In diesem Frühjahr erleben wir einen Schub für die Elektromobilität“, sagte der Minister und erinnert an die Pläne für eine Batteriezellenfertigung in Kaiserslautern, die er gemeinsam mit Opel-Chef Michael Lohscheller vergangenen Freitag vorgestellt hatte.

Die Zelle ist das wichtigste Teil 

Die Zellen sind der Kern der Batterie und damit das wichtigste Teil in einem Elektroauto. Mit Fördermitteln in Milliardenhöhe versuchen Bundesregierung und EU in Europa Zellenanlagen zu ermöglichen. „Die Branche war abgewandert und kehrt jetzt nach Deutschland zurück“, sagte Altmaier anlässlich der Vorstellung des BASF-Projekts, das von seinem Ministerium gefördert wird. Bislang werden Zellen ausschließlich von einem halben Dutzend asiatischer Unternehmen produziert.

150 neue Stellen bei BASF

BASF baut für insgesamt 400 Millionen Euro in Finnland und in der Lausitz Anlagen zur Herstellung von Kathodenmaterial. Die auf Nickel basierenden Vorprodukte werden in Finnland gefertigt und in Schwarzheide weiterverarbeitet. 2022 soll die Produktion beginnen und dann Kathodenmaterial für die Batterien von rund 400 000 Elektroautos bereitstellen. Nach BASF-Angaben entstehen in Schwarzheide, wo bislang schon rund 3500 Personen im dortigen Chemiewerk arbeiten, 150 zusätzliche Arbeitsplätze. Das Land Brandenburg fördert die Kathodenanlage mit rund 60 Millionen Euro, mit einem ähnlichen Volumen dürfte der Bund beteiligt sein.

„Gerade in diesen Tagen, in denen das Bundeskabinett das Kohle-Ausstiegsgesetz beschlossen hat, ist das für Brandenburg und die Lausitz eine sehr gute Nachricht“, freute sich der Potsdamer Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). „Mit Tesla und BASF greifen zwei Räder ineinander.“

Vielleicht baut Tesla auch Zellen

Tatsächlich könnte BASF auch für das Tesla-Werk in Grünheide Kathodenmaterial liefern – sofern Tesla dort Batteriezellen baut. Bislang war das nicht geplant. Auf dem Gelände ist nur eine Batteriefabrik vorgesehen, in der die Zellen des Tesla-Partners Panasonic in die Batterien eingebaut werden. Altmaier verhandelt jedoch nach eigenen Angaben mit dem Tesla-Management über eine Zellenfertigung. „Elon Musk hatte mir eine Gigafactory zur Batteriezellenproduktion zugesagt“, berichtete der Wirtschaftsminister. Nur wenn Tesla Zellen baue und in Grünheide auch in die Zellenforschung investiere, könne das US-Unternehmen in das Förderprogramm des BMWi aufgenommen werden. „Die Gespräche laufen noch“, sagte der Wirtschaftsminister.

Altmaier: Zehntausende neue Arbeitsplätze

Sein Haus stellt rund 1,3 Milliarden Euro Fördermittel für Zellenprojekte bereit. Bis Mitte des Jahrzehnts könnten dadurch „deutlich über 5000 neue Arbeitsplätze“ entstehen, und bis 2030 sogar „Zehntausende in Deutschland“, glaubt Altmaier. Tatsächlich ist der Bedarf riesig, und es zeichnen sich bereits Engpässe für 2025 ab. In Polen und Ungarn bauen südkoreanische Firmen derzeit Zellenfabriken, und der chinesische Marktführer CATL errichtet ein erstes europäisches Werk in der Nähe von Erfurt. VW plant in Salzgitter eine Anlage mit einer Zellenkapazität bis zu 24 Gigawattstunden (GWh). Doch allein Volkswagen braucht 2025 bereits 150 GWh. Die E-Auto-Ziele von VW und der anderen Hersteller könnten verfehlt werden, weil es nicht ausreichend Zellen gibt.

500 Millionen für die Forschungsfabrik

Altmaier glaubt das nicht. Er sieht die jüngsten Projekte vielmehr als Beleg für den Erfolg seine Industriestrategie. „Industriepolitik und Marktwirtschaft gehen Hand in Hand.“ Alle Batteriezelleninitiativen würden von Unternehmen getragen. Das stimmt indes nur zum Teil: In Münster fördert die Bundesregierung einen Forschungsfabrik Batteriezellenfertigung, die von der Fraunhofer Gesellschaft betrieben wird, mit 500 Millionen Euro. „Wir werden in Deutschland die leistungsfähigsten und umweltfreundlichsten Batterien herstellen“, glaubt der Wirtschaftsminister.

Kaufprämie auch für Gebrauchtwagen

Damit die E-Autos auch gekauft werden, stellen Bundesregierung und Autohersteller 4,18 Milliarden Euro an Kaufprämien zur Verfügung. Der Bund hat dazu in diesem Jahr gut 200 Millionen Euro vorgesehen und von 2021 bis 2025 1,8 Milliarden Euro. Neben Neuwagen, die mit bis zu 6000 Euro gefördert werden, gibt es die Prämie auch für gebrauchte Fahrzeuge, die nicht älter als ein Jahr sind und nicht mehr als 15 000 Kilometer auf dem Tacho haben. „Ich bin so optimistisch wie seit zehn Jahren nicht mehr“, sagte Altmaier über seine Erwartungen an den Markthochlauf der Elektromobilität. 2030 seien zehn Millionen Stromfahrzeuge auf deutschen Straßen möglich.

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