Elektronikmesse : Die IFA hofft auf neue Rekorde

Die größte Elektronik-Schau der Welt in Berlin ist ausgebucht, die Umsätze der Branche schwächelten aber zuletzt - auch wegen des frühen WM-Aus.

Auch 2018 werden auf der IFA viele neue Fernseher gezeigt.
Auch 2018 werden auf der IFA viele neue Fernseher gezeigt.Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Berlin - Komplett ausgebucht - diesen Erfolg kann die Messe Berlin auch dieses Jahr wieder für eine ihrer wichtigsten Veranstaltungen melden. Auf der Internationalen Funkausstellung (IFA, 31. August - 5. September) sind die Messehallen unterm Funkturm ebenso voll belegt wie die Ergänzungsflächen in der Station Berlin am Gleisdreieck. Damit wird Messechef Christian Göke kommende Woche vermutlich auch eine weitere Rekordbeteiligung bestätigen können.

Die IFA ist ein Besuchermagnet und eine Umsatzmaschine. Wieder werden mehr als 250 000 Besucher erwartet. Voriges Jahr zeigten 1805 Aussteller auf 159 000 Quadratmetern ihre Innovation der Konsum- und Haustechnik, vom intelligenten TV-Gerät über Smartphones und Computertechnik bis zu Waschmaschinen. In diesem Jahr steht neben der zunehmenden Vernetzung der Geräte vor allem die Sprachsteuerung und künstliche Intelligenz im Mittelpunkt. „Ich bin mir sicher, dass die Sprachsteuerung in diesem Jahr ihren Durchbruch in der Unterhaltungselektronik erleben wird“, sagte Hans-Joachim Kamp, Vorstandsvorsitzender der Ausrichterin gfu.

Mit einem Ordervolumen von 4,7 Milliarden Euro, die voriges Jahr von Industrie und Handel vereinbart wurden, ist die IFA der wichtigste Marktplatz der Branche und für die Hauptstadt eine bedeutende Attraktion. Mehr als die Hälfte der zuletzt 145 000 Fachbesucher kommt aus dem Ausland. 2024 feiert die Funkausstellung hundertjähriges Jubiläum - weiterhin in Berlin, denn die Messe hat mit dem IFA-Veranstalter, der Branchenvereinigung gfu, einen Vertrag für weitere fünf Jahre plus Option geschlossen. Die IFA soll die zuletzt teils enttäuschenden Geschäfte kräftig ankurbeln und den Verbrauchern Lust machen, neue Geräte anzuschaffen.

Im ersten Halbjahr gab es in der Konsumelektronik nur ein leichtes Umsatzplus von 0,3 Prozent auf 12,6 Milliarden Euro. Vor allem die einst dominante klassische Unterhaltungselektronik schrumpft weiter massiv, die Erlöse mit TV-, Video- und Audiotechnik sanken um fast neun Prozent auf nur noch 4,2 Milliarden Euro.

Damit macht das einstige Kerngeschäft nur noch ein Drittel des Umsatzes aus. Recht enttäuschend lief vor allem der Verkauf von TV-Geräten, nur noch 3,1 Millionen Stück wurden abgesetzt und damit gut elf Prozent weniger. Allerdings stieg der Durchschnittspreis um fast acht Prozent auf 626 Euro, weil immer größere und besser ausgestattete Fernseher angeschafft werden. So fiel das Umsatzminus mit gut vier Prozent auf 1,9 Milliarden Euro geringer aus.

Die Erwartungen waren jedoch auch wegen der Fußball-WM weit höher gesteckt. Das frühzeitige Ausscheiden der Deutschen trug aber wohl mit dazu bei, dass viele Fans keinen Anlass sahen, für das Großereignis das heimische Wohnzimmer mit größeren und besseren Bildschirmen aufzurüsten.

Der Renner der Branche bleiben Smartphones. Im ersten Halbjahr wurden weitere 10,7 Millionen Stück der mobilen Alleskönner abgesetzt, ein Plus von 0,6 Prozent nach zuletzt etwas schwächerer Entwicklung. Der Durchschnittspreis zog um gut elf Prozent auf 478 Euro an, wodurch der Umsatz um fast ein Achtel auf rund fünf Milliarden Euro kletterte. Die Smartphone-Verkäufe bringen der Branche also inzwischen deutlich mehr als die gesamte klassische Unterhaltungselektronik.

Seit einigen Jahren zeigen auch die Hersteller von Elektro-Hausgeräten ihre zunehmend vernetzten Neuheiten in Berlin, gerne mit Kochshows, Promis und viel Brimborium. Bei Großgeräten wie Waschtrocknern und Kühlschränken sank bis Ende Juni der Umsatz um zwei Prozent auf knapp 4,3 Milliarden Euro, während Kleingeräte ein leichtes Plus auf rund 2,4 Milliarden Euro verzeichneten, gefragt waren Neuheiten wie Heißluft-Fritteusen. Die IFA-Macher hoffen, dass die Elektronik-Schau den Märkten positive Impulse gibt und im Gesamtjahr zumindest „eine stabile Marktentwicklung auf Vorjahresniveau“ geschafft wird.

Thomas Wüpper

Im Vorverkauf kosten Tagestickets für die IFA 13 Euro, an der Tageskasse werden dann 17,50 Euro fällig. Auch in diesem Jahr kommen zahlreiche Stars wie James Blunt, Clueso, Olli Schulz, Wanda und die Spieler von Union Berlin auf die Messe unter dem Funkturm.

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