Energiesparen : Gebäudesanierung

Das größte Energiesparpotenzial in Deutschland liegt nach Ansicht von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel in Wohnhäusern und Bürogebäuden. Die Sanierung alter Heizanlagen lohnt sich auch finanziell, die Immobilienbesitzer zögern aber noch.

Fast ein Drittel der Kohlendioxid-Emissionen werde im Gebäudebereich verursacht, sagte Gabriel am Dienstag bei der Eröffnung der Internationalen Fachmesse für Gebäudetechnik und Sanitär (ISH) in Frankfurt. Die Heizkosten sind in den vergangenen zehn Jahren um 84 Prozent gestiegen. Ein Großteil der Kosten ließe sich nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur (Dena) jedoch mit einer besseren Wärmedämmung und modernen Heizungen einsparen. Das schone nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt. So könne alleine der Einsatz einer Holzpellet-Heizung und die Nutzung von Solarwärme die Heizkosten um bis zu 55 Prozent drücken. Nach Berechnungen der Dena spart alleine die Dämmung von Fassade und Decken rund ein Drittel der Energie. Der Wechsel zu einer modernen Gas- oder Öl-Brennwertheizung bei einem Einfamilienhaus aus den 60er Jahren reduziere die Energiekosten um ein Viertel. Eine Solaranlage liefere rund 60 Prozent der notwendigen Energie für warmes Wasser. Durch die Einsparungen rechneten sich die Kosten von 8000 bis 10.000 Euro für eine neue Brennwertheizung samt Solaranlage für Warmwasser bereits in wenigen Jahren. Eine Holzpellet-Heizung für 10.000 bis 14.000 Euro senkt die Kosten um bis zu 35 Prozent, wie die Dena ermittelte. Auch in der Umweltbilanz ließen sich Pelletheizungen sehen. Sie verbrennen nur das Kohlendioxid, das beim Wachsen der Pflanzen gebunden wurde und seien damit quasi klimaneutral. Trotz großer Einsparmöglichkeiten und umweltfreundlicherer Lösungen will jedoch nur jeder achte Immobilienbesitzer seine alte Heizung mittelfristig austauschen. Das ergab eine in Frankfurt am Main vorgelegte repräsentative Forsa-Studie im Auftrag der deutschen Heizungswirtschaft (VdZ). Nach Schätzungen des Verbandes sind bis zu vier Millionen Anlagen technisch veraltet, jährlich kämen 300. 000 hinzu, die älter als 25 Jahre seien. Im vergangenen Jahr konnte die Heizungsbranche nur dank der verstärkten Nutzung erneuerbarer Energien deutlich zulegen. Der Umsatz kletterte den Angaben zufolge im Vergleich zu Vorjahr um fünf Prozent auf 21 Milliarden Euro. Dabei verdoppelte sich die Anzahl der Pelletheizungen auf 28.000, der Verkauf von Holzheizungen stieg um 72 Prozent auf 550.000 Stück und Solaranlagen legten um mehr als die Hälfte auf rund 140.000 zu. "Wir müssen durch die Sanierung und Dämmung von Gebäuden den Wärmebedarf deutlich senken und die noch benötigte Energie weitgehend durch Solarenergie, Biomasse oder Geothermie gewinnen", sagte Gabriel. Derzeit decken dem Minister zufolge erneuerbare Energien 5,9 Prozent des Wärmeverbrauchs in Deutschland, bis 2020 solle der Anteil auf 14 Prozent gesteigert werden. «Mein Ziel ist es, ein Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz noch 2007 zu verabschieden; die Modalitäten werden zur Zeit diskutiert», sagte Gabriel. In der Branche sind in Deutschland 214 000 Menschen beschäftigt, der Gesamtumsatz lag im vergangenen Jahr bei insgesamt 21,6 Milliarden Euro. Wichtige bestehende Instrumente zur Steigerung der Energieeffizienz in Gebäuden seien die Energiesparverordnung und das CO2-Gebäudesanierungsprogramm. «Ich setzte mich intensiv dafür ein, dass wir für die EU verbindliche Ziele von 20 Prozent Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Energieversorgung und 30 Prozent Minderung der Treibhausgase jeweils bis 2020 beschließen», sagte Gabriel. Trotz starken Widerstands zeigte sich der Umweltminister zuversichtlich, dass eine solche Einigung auf verbindliche Klimaschutzziele beim EU- Gipfel am Donnerstag und Freitag in Brüssel gelingt. Die Bundesregierung werde ein energiepolitisches Gesamtkonzept für Deutschland bis zum Jahr 2020 erarbeiten. Ziele seien die Steigerung der Energieeffizienz und die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien. (tso/AFP/dpa)

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