• Erster Flug nach zwei Monaten: Wie heute 200 Mitarbeiter deutscher Firmen per Charterflug nach China kommen

Erster Flug nach zwei Monaten : Wie heute 200 Mitarbeiter deutscher Firmen per Charterflug nach China kommen

Einige Mitarbeiter der deutschen Wirtschaft können am Freitag wieder nach China reisen. Die Nachfrage ist groß, der Preis stolz - und die Hürden hoch.

Ning Wang
In den nächsten Wochen sollen weitere Charterflüge nach China aufbrechen.
In den nächsten Wochen sollen weitere Charterflüge nach China aufbrechen.Boris Roessler/dpa

Die Ungewissheit zehrte an den Nerven. Über 2000 Angestellte von deutschen Unternehmen sitzen in Deutschland fest. Sie wollen nach China. Doch nachdem die chinesische Regierung Ende März die Grenzen dichtgemacht hatte, gab es lange keine Aussicht, bald wieder in die Volksrepublik einreisen zu können. Dabei hatten die meisten von ihnen gültige Arbeitsvisa.

Die chinesische Regierung hatte am 28. März die Gültigkeit von Besuchs-, Aufenthalts-, oder Arbeitsvisa aller Ausländer bis auf Weiteres ausgesetzt. China begründet die Sperre damit, dass zuletzt die allermeisten Neuinfektionen mit Sars-CoV-2 von außerhalb eingeschleppt worden waren, also von Einreisenden oder Rückkehrern.

Für viele Deutsche, die in China arbeitsbedingt leben und daher auch ihren Wohnsitz haben, war dies der Beginn einer ungewissen Zeit. Beruflich wurden Projekte und Treffen in China verschoben oder man sprach nur online per Videoschalte.

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Aber für viele Familien war dies sogar der Beginn einer monatelangen Trennung. Manche Familien waren teils seit den Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahr Ende Januar getrennt worden. Manche Paare sogar schon seit den Weihnachtsfeiertagen.

Handelskammer macht Druck

Fast zwei Monate nach Schließung der Grenzen durch die chinesischen Behörden sollen nun Angestellte, Manager und Spezialisten aber auch Familienangehörige von deutschen Unternehmen wieder nach China einreisen können. Die Initiative kam von der Deutschen Botschaft in Peking und der deutschen Außenhandelskammer in China.

Die Nachfrage ist groß. „Eine Umfrage unter unseren Mitgliedern hat Anfang Mai ergeben, dass 2000 bis 2500 Angestellte deutscher Firmen, darunter dringend benötigte Spezialisten, aber auch Familienangehörige sich derzeit noch in Deutschland befinden und nicht nach China können“, sagt Jens Hildebrandt, Chef der Außenhandelskammer in Peking, dem Tagesspiegel.

Nur wenige Ausnahmen gab es seitdem, durch die Mitarbeiter von europäischen Unternehmen nach China einreisen konnten. „Die stillgelegten Visa zu prüfen, ist ein sehr aufwendiges Prozedere. Für unsere Mitglieder, die aus kleineren und mittelständischen Unternehmen bestehen, ist dies kaum umsetzbar“, sagt Hildebrandt.

Negativer Covid-19-Test ist Voraussetzung

Daher organisierte die Außenhandelskammer zusammen mit der Deutschen Botschaft in Peking ein „Fast-Track“-Verfahren, damit eine Chartermaschine mit 200 Passagieren an Bord von Deutschland nach China fliegen konnte.

Die Auslastung der Maschinen ist auf 75 Prozent begrenzt, um den erforderlichen Gesundheitsschutz zu gewähren. Zudem müssen alle Reisenden vor Abflug einen negativen Covid-19-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Nach der Ankunft in Tianjin muss noch ein Covid-19-Test und auch noch ein Antikörpertest gemacht werden.

Danach müssen die Reisenden für 14 Tage in von den chinesischen Behörden bestimmte Einrichtungen – meist extra dafür vorgesehene Hotels – in Quarantäne gehen und, abhängig von ihrem Reiseziel, dort gegebenenfalls noch mal in Quarantäne gehen. In Peking beträgt diese derzeit sieben Tage. Die Kosten der Unterbringung in Höhe von bis zu 500 Yuan (umgerechnet über 60 Euro) pro Nacht müssen die Reisenden selbst bezahlen.

2500 Euro pro Person

Einen zweiten Flug soll es schon am 3. Juni von Frankfurt nach Schanghai geben, um auch die deutschen Mitarbeiter der im Süden Chinas angesiedelten Firmen an ihre Arbeitsplätze zu bringen.

„Wir haben auf den Flügen auch europäische Staatsangehörige, die bei deutschen Unternehmen in China arbeiten“, sagt AHK-Chef Hildebrandt. „Wir hoffen, dass dieses Pilotprojekt nun auch als Blaupause für andere Länder genutzt werden kann, deren Mitarbeiter nach China zurückkehren möchten“, fügt er hinzu. Die Warteliste für die Flüge ist lang, selbst bei dem stolzen Preis von 2500 Euro pro Person auf den Charterflügen.

Erst am 19. Mai hatte die chinesische Luftfahrtbehörde (CAAC) verkündet, dass die derzeitigen Flugbeschränkungen womöglich bis in den Oktober gelten werden.Demnach darf jede Fluggesellschaft nur einmal in der Woche einen Flug von einem Land nach China durchführen.

Die CAAC sah sich zu dem Schritt gezwungen, da viele Fluggesellschaften begonnen hatten, Tickets nach China anzubieten, für den Fall, dass die Grenzen wieder geöffnet würden und dadurch falsche Hoffnungen bei den Reisenden schürten. Undurchführbare Flüge wären kurzfristig vor Abflug storniert oder auf spätere Zeitpunkte umgebucht worden.

Diesem Vorgehen der Fluggesellschaften wollte die CAAC einen Riegel vorschieben. Gleichzeitig verbietet sie den Verkauf von Flugtickets, bis wieder mehr internationale Flüge nach China aufgenommen werden können.

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