Erstes Jahr an der Börse : Siemens-Tochter Healthineers will einkaufen

Die Medizintechniktochter von Siemens ist seit dem Frühjahr an der Börse notiert. Trotz eines gesunkenen Gewinns denkt das Unternehmen nun an Übernahmen.

Börsengang. Die Healthineers-Spitze präsentierte sich am Tag des Börsengangs am 16. März vor der Frankfurter Börse.
Börsengang. Die Healthineers-Spitze präsentierte sich am Tag des Börsengangs am 16. März vor der Frankfurter Börse.Foto: Arne Dedert/AFP

Die Siemens-Medizintechnik-Tochter Healthineers setzt im neuen Geschäftsjahr auf ein anziehendes Diagnostik-Geschäft und denkt an Übernahmen. Den entscheidenden Schub erhofft sich der Börsenneuling vom neuen Labordiagnose-System Atellica, das schon beim Börsengang im Frühjahr als großer Hoffnungsträger galt. 999 Atellica-Laborstraßen sind bereits ausgeliefert, bis September 2019 sollen daraus bis zu 3500 werden. In der Labor-Sparte ist Siemens Healthineers bisher weltweit die Nummer zwei hinter Roche.

Der Nettogewinn, der im Geschäftsjahr 2017/18 (per Ende September) um acht Prozent auf 1,28 Milliarden Euro geschrumpft ist, soll nun um 20 bis 30 Prozent anziehen, wie Vorstandschef Bernd Montag in Frankfurt ankündigte. Der Umsatz soll mit vier bis fünf Prozent (2017/18: 3,7) Prozent stärker wachsen als zuletzt. "Wir legen die Latte ein Stück höher", sagte er.

Die Aktie stieg am Montag um bis zu 4,4 Prozent auf 37,74 Euro. Seit dem Börsengang im März hat sie mehr als ein Drittel zugelegt. In der Bildgebungs-Sparte mit Röntgen- und CT-Geräten habe Weltmarktführer Healthineers offenbar weitere Marktanteile gewonnen, erklärte Berenberg-Analyst Scott Bardo. "Atellica ist auf dem richtigen Weg", das Geschäft ziehe bereits an.

Siemens kassiert fast 600 Millionen Euro Dividende

Der Münchner Industriekonzern Siemens hatte die Tochter auch deshalb an die Börse gebracht, damit sie Übernahmen aus eigener Kraft finanzieren kann. Bei Healthineers beginnt man sich gedanklich damit zu beschäftigen: "Wir sind in der wunderbaren Situation, dass wir Akquisitionen machen können, aber nicht müssen", sagte Montag. Es werde aber bei den drei Sparten bleiben. "Das Gesicht des Unternehmens wird sich durch eine Akquisition nicht ändern - auch wenn es eine große ist." Siemens hatte 4,2 Milliarden Euro mit dem Börsengang eingenommen und der Erlanger Tochter im Gegenzug vier Milliarden an Schulden erlassen.

Für das abgelaufene Geschäftsjahr kassiert die immer noch mit 85 Prozent beteiligte Siemens 595 Millionen Euro Dividende von Healthineers. Der Börsenneuling schüttet 70 Cent je Aktie aus, 55 Prozent des Nettogewinns.

Operative Umsatzrendite auf 17,2 Prozent gesunken

Ein Schlussspurt im Geschäft mit Computertomografen (CT) und Röntgengeräten, der mit Abstand größten und gewinnträchtigsten Sparte, verhinderte im ersten Jahr an der Börse einen größeren Gewinnrückgang. Die Kosten für das Listing und den Abbau von 350 Stellen drückten das operative Ergebnis um zwölf Prozent auf 2,11 Milliarden Euro. Der Umsatz sank um zwei Prozent auf 13,4 Milliarden Euro, währungsbereinigt stand aber ein Plus von vier Prozent zu Buche. Die bereinigte operative Umsatzrendite lag mit 17,2 (18,0) Prozent unter Vorjahr, weil Währungseffekte die operativen Zuwächse auffraßen. Siemens Healthineers hatte 17 bis 18 Prozent in Aussicht gestellt. "Wir haben eingehalten, was wir versprochen hatten", sagte Montag.

Der Großteil des für 2018/19 erwarteten Gewinnzuwachses sei auf den Wegfall von Sondereffekten zurückzuführen, sagte Finanzvorstand Jochen Schmitz. Operativ wolle der Konzern um gut zehn Prozent zulegen. Der Handelskonflikt zwischen China und den USA und seine Folgen kosteten Healthineers allein 30 zu 40 Millionen Euro, sagte Vorstandschef Montag. China bleibe aber der Wachstumstreiber. rtr

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