"Die grüne Gentechnik ist der richtige Weg"

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EU-Gesundheitskommissar Andriukaitis : "Bei der Gesundheit muss das Profitstreben aufhören"

Bayer will Monsanto kaufen: Die EU wird sich den Deal sehr genau anschauen, sagt Andriukaitis.
Bayer will Monsanto kaufen: Die EU wird sich den Deal sehr genau anschauen, sagt Andriukaitis.Foto: AFP

Sie haben das Profitstreben der Konzerne kritisiert. Wie sehen Sie die geplante Übernahme von Monsanto durch Bayer?

Das fällt in den Verantwortungsbereich meiner Kollegin,  Wettbewerbskommissarin Vestager. Aber ich weiß, dass sie sich das sehr, sehr genau ansehen wird. Das neue Unternehmen hätte ja einen enormen Einfluss auf das Saatgut- und Pestizidgeschäft und auf die Bauern. In Deutschland sieht man den Einsatz von Pestiziden ja besonders kritisch. Aber dasselbe gilt für grüne Gentechnik, also für neue Pflanzen, die ohne Pestizide auskommen. Auch dagegen gibt es bei Ihnen eine große Skepsis. Unterm Strich führt das aber zu einer Blockade.

Sehe ich das richtig: Sie unterstützen die grüne Gentechnik?

Ja, wissenschaftlich gesehen, ist das der richtige Weg. Man braucht keine Pestizide, das ist doch gut. Es gibt heute Trauben, die komplett ohne Pestizide und Fungizide auskommen. Aber was passiert? Gentechnisch veränderte Pflanzen werden als „Frankenstein-Food“ gebrandmarkt. Wir brauchen eine viel offenere Diskussion.

Was ist mit dem Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, eines der Hauptprodukte von Monsanto? Die EU will in diesem Jahr entscheiden, ob es weiter eingesetzt werden darf oder nicht.

Wir warten noch auf die Einschätzung der EU-Chemikalienagentur ECHA,  ob Glyphosat nun krebserregend ist oder nicht. In der Vergangenheit gab es  unterschiedliche Stellungnahmen. Die Frage ist: Wie wahrscheinlich ist es, dass Glyphosat Krebs erzeugen kann? Ist das eine Frage der öffentlichen Meinung?  Kann man das Risiko managen oder nicht? Mein Job ist, eine Entscheidung auf Basis der Fakten zu fällen.

Vyentis Andriukaitis (65) ist seit 2014 EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Vor seinem politischen Aufstieg hatte der Litauer fast 20 Jahre als Arzt gearbeitet, darunter von 1985 bis 1993 als Kardiochirurg in Vilnius. Die politische Karriere des Sozialdemokraten begann parallel zum Arztberuf. Seit 1988 ist er parteipolitisch engagiert, 2012 wurde er Gesundheitsminister Litauens.

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