EU-Strafzölle : Kosten US-Produkte in Deutschland jetzt mehr?

Seit diesem Freitag werden auf einige US-Produkte EU-Strafzölle fällig – die europäische Antwort im Handelsstreit. Verbraucher leiden aber nicht unbedingt.

Paul Nachtwey
Von den Strafzöllen der EU unter anderem betroffen: Erdnussbutter.
Von den Strafzöllen der EU unter anderem betroffen: Erdnussbutter.Foto: Christian Charisius/dpa

Acht Seiten füllt die Liste, die die EU-Kommission bereits im März bei der Welthandelsorganisation eingereicht hat. Aufgeführt sind sämtliche US-Produkte, auf die ab heute Strafzölle fällig werden, wenn Amerikaner sie in die EU verkaufen. Die EU-Kommission reagiert damit auf die US-Zölle auf Stahl und Aluminium, von denen Präsident Donald Trump die Europäer nicht ausnehmen wollte.

Betroffen sind viele typische amerikanische Produkte wie Motorräder von Harley Davidson oder Jeans von Levi’s. Aber auch Lebensmittel wie Mais und Kidney-Bohnen, verschiedene Reissorten und Orangensaft stehen auf der Liste, ebenso wie Kartenspiele, Zigaretten und Yachten aus den USA. Auf sie wird von heute an ein Aufschlag von 25 Prozent fällig. Aber was heißt das für die Verbraucher? Müssen sie für all diese Waren von diesem Freitag an mehr bezahlen?

Für die meisten Produkte wird das nicht der Fall sein. Die EU-Kommission hat bewusst größtenteils Waren ausgesucht, die man alternativ auch aus anderen Ländern importieren kann. Der Direktor des Ifo-Außenwirtschaftsinstituts, Gabriel Felbermayr, sagt, das sei clever gemacht: „Die europäischen Konsumenten werden teilweise höhere Preise sehen, aber im Durchschnitt tragen die US-Produzenten das Gros der Last.“

Auf andere Länder ausweichen

Auch Stephanie Schmidt von der Außenhandelsvereinigung der Einzelhändler (AVE) erwartet vorerst keine hohen Preissteigerungen. Bei Lebensmitteln sei zwar die Gewinnmarge so klein, dass die Händler den Preis an sich anheben müssten. Sie haben also keinen Spielraum, um die Zölle aus der eigenen Kasse zu zahlen. „Bei vielen Produkten besteht aber die Möglichkeit, auf andere Herstellerländer auszuweichen. Zum Beispiel Reis und Orangensaft müssen nicht zwangsläufig aus den USA bezogen werden.“

Darauf verweist auch die Supermarktkette Rewe auf Anfrage. Als Beispiel nennt ein Sprecher Mais, den ihre Lieferanten alternativ auch in China, Brasilien, Argentinien oder in der Ukraine bestellen könnten. Reis bezieht Rewe neben den USA aus China, Indien und Indonesien, Orangensaft aus Brasilien und der EU.

Händler können Zölle durch Gewinnmargen ausgleichen

So wie diese Produkte sind zwar die meisten Waren auf der Liste der EU ersetzbar – aber eben nicht alle. US-Markenprodukte und Güter, die wegen ihres geschützten Namens ausschließlich in den USA hergestellt werden dürfen, werden weiterhin in Deutschland zu kaufen sein – möglicherweise zu höheren Preis.

So belegt die EU unter anderem BourbonWhiskey oder Motorräder von Harley Davidson mit den neuen Zöllen. Um wie viel der Preis ansteige, hängt laut Felbermayr von den einzelnen Unternehmen ab: „Glauben die Hersteller, dass die Konsumenten bei einer Preiserhöhung zum Konkurrenzprodukt greifen, werden sie die Zölle aus der eigenen Marge zahlen – oder nicht mehr nach Europa exportieren“, erklärt der Wirtschaftsexperte.

Felbermayr erwarte allerdings, dass etwa die Hersteller von Motorrädern, Sportbooten oder Kosmetik den größten Teil der Zölle übernehmen werden. In diesen Bereichen haben die Hersteller eine höhere Gewinnmarge, sie können die Zölle also ausgleichen.

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