Fahrverbote - und mehr? : Mit Moos und Elektrizität für bessere Luft

Ein Mobilitätsfonds von Bundesregierung und Autoindustrie soll helfen, die Luftverschmutzung zu verringern. Was wollen die Städte damit machen?

Mitarbeiter der Stadt stellen am 23.11.2016 in Stuttgart an der Cannstatter Straße (Baden-Württemberg) ein erstes Teststück einer Mooswand auf, die helfen soll, die Feinstaubwerte zu senken lassen.
Mitarbeiter der Stadt stellen am 23.11.2016 in Stuttgart an der Cannstatter Straße (Baden-Württemberg) ein erstes Teststück einer...Foto: Achim Zweygarth/dpa

Zum Symbol für die schmutzige Luft in deutschen Innenstädten ist das Neckartor in Stuttgart geworden. Hier ist die Lage zwar immer noch schlecht, aber sie ist etwas besser geworden. Oberbürgermeister Fritz Kuhn von den Grünen sagt trotz Feinstaubs und Stickoxiden: „Wir sind zwar noch nicht am Ziel, aber wir können das Ziel inzwischen sehen.“

Denn wurden am Neckartor im Jahr 2016 die EU-Feinstaubgrenzwerte noch an 63 Tagen überschritten, waren es 2017 „nur“ 45 Tage. Der Jahresmittelwert für Stickoxide sank von 82 auf 72 Mikrogramm je Kubikmeter Luft. Das ist zwar deutlich mehr als der EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm, aber immerhin ein messbarer Fortschritt. Das lag zum Teil am verregneten Sommer, der die Zahl der Stickoxid-Spitzenstunden drückte, wie Kuhn einräumt. Eine Rolle hätten aber auch Eingriffe gespielt, die den Verkehr flüssiger gemacht hätten, zum Beispiel flexible Geschwindigkeitsregelungen.

Die größte Verbesserung soll aber noch kommen: Stuttgart will den ÖPNV stark ausbauen, den Etat für den Rad- und Fußverkehr fast verdoppeln, die E-Mobilität fördern und Mooswände aufbauen, die Schadstoffe aus der Luft filtern. Für Stadtverwaltung und Stadtwerke möchte die Landeshauptstadt Pedelecs und E-Roller beschaffen und generell eine Abwrackprämie für Mopeds und Motorräder mit Zweitaktmotor beim Kauf eines Elektro-Zweirades anbieten.

Mit solchen Anstrengungen steht Stuttgart nicht allein. Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, sagte dem Tagesspiegel: „Die etwa 90 Städte mit zu hohen Stickoxidwerten sind allesamt dabei, Maßnahmen für saubere Luft in den Städten umzusetzen oder bereiten zusätzliche Schritte vor. Aber klar ist auch: Die Städte haben das Stickoxid-Problem nicht verursacht.“ Bis zu drei Viertel dieser Emissionen seien von Diesel-Pkw verschuldet.

Deshalb würde die Stadt Aachen bei einer Förderung durch den Mobilitätsfonds von Bund und Automobilindustrie rasch Ladesäulen in Wohnquartieren, auf Supermarktflächen und in Parkhäusern einrichten. Bochum will Flächen entsiegeln und Mittelinseln begrünen. Düsseldorf plant, Solarcarports für die Betriebshöfe zu bauen und eine Mobilitäts-App zum Umstieg auf umweltfreundliche Verkehrsmittel einzurichten. Freiburg will als Sofortmaßnahme eine Linie auf E-Busse umstellen, Wiesbaden möchte die Busse komplett elektrifizieren.

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Hamburg wird ab 2020 nur noch emissionsfreie Busse anschaffen. Kiel will zehn Hybridbusse kaufen sowie das vollelektrische Carsharing-Angebot und die Ladeinfrastruktur ausbauen. Auch eine Fahrradakkuladestation ist in Planung. Köln will mehr als 1000 neue öffentliche Fahrradabstellplätze errichten und die E-Ladeinfrastruktur ausbauen. Ludwigshafen möchte den Verkehrsrechner aufrüsten, um damit zentral ein umweltorientiertes Verkehrsmanagement zu schaffen. München würde mit den Fördermitteln ein Pilotprojekt für leichte Nutzfahrzeuge wie batteriebetriebene Kehr- und Baumaschinen beginnen.

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