Fair Finance Guide : Nachhaltigkeits-Bericht attestiert Großbanken "inakzeptable Defizite"

Der "Fair Finance Guide" vergleicht die soziale und ökologische Bilanz deutscher Finanzinstitute. Großbanken kommen darin schlecht weg. Eine Sparkasse verweigerte die Herausgabe von Informationen.

Hauptsitz der Commerzbank in Frankfurt am Main. Von den Großbanken arbeitet sie laut "Fair Finance Guide" am nachhaltigsten.
Hauptsitz der Commerzbank in Frankfurt am Main. Von den Großbanken arbeitet sie laut "Fair Finance Guide" am nachhaltigsten.Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Dass Alternativbanken wie die GLS, die Ethikbank und die Triodos Bank an der Spitze stehen verwundert nicht, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit und die entsprechenden Richtlinien für das Bankgeschäft geht. Immerhin bewegt sich aber auch bei konventionellen Instituten etwas, auch wenn sie in Sachen Nachhaltigkeit noch erhebliche Mängel aufzuweisen hätten. Dies zeigt der dritte Fair Finance Guide, ausgearbeitet von mehreren Nichtregierungsorganisation und der Verbraucherzentrale Bremen, der am Mittwoch in Frankfurt vorgestellt wurde.

“Die Commerzbank und die Deutsche Bank haben sich verbessert, aber sie rangieren immer noch im unteren Mittelfeld“, sagt Thomas Küchenmeister, Vorstand von Facing Finance. Unter den 13 untersuchten Instituten sind die Mängel in Sachen Nachhaltigkeit bei der Landesbank Baden-Württemberg, bei der HypoVereinsbank und der BayernLB noch größer. „Es gibt weiter inakzeptable Defizite“, sagt Küchenmeister.

Mit der Analyse anhand von 250 Einzelkriterien und 13 sozial-ökologischen Themen wollen die Initiatoren für größere Transparenz und Vergleichbarkeit im Blick auf die soziale und ökologische Bilanz deutscher Banken sorgen und damit Verbrauchern eine Orientierung geben. Dabei haben sie an der GLS Bank fast nichts auszusetzen. „Aber auch da gibt es Verbesserungspotential“, sagt Projektleiterin Sarah Guhr. Sie wünscht sich mehr Angaben zum Thema Klimaschutz und generell eine noch größere Transparenz. Die Triodos Bank engagiere sich immer noch bei Unternehmen, die Arbeitnehmerrechte nicht einhalten würden.

Aber der Fokus der Analyse liegt auf den großen Banken. Vergleichsweise steht die Commerzbank noch am besten da. Aber immer noch pflege sie Verbindungen zu Rüstungsunternehmen. Die Bank unternehme auch zu wenig, um Beziehungen zu umwelt- und klimaschädlichen Unternehmen einzuschränken. Und immer noch gebe es Verflechtungen mit Firmen, die gegen Umwelt- und Menschenrechtsstandards verstoßen würden. Ähnlich kritisch sieht der Bericht die Deutsche Bank. So habe sie Firmen, die gegen Umwelt- und Menschenrechtsstandards verstoßen, mehr als elf Milliarden Euro an Kapital bereitgestellt und 2,6 Milliarden Euro in diese Firmen investiert.

Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank am heutigen Donnerstag in Frankfurt will Facing Finance entsprechende Defizite thematisieren. Unter anderem die Tatsache, dass die Bank Minenfirmen in Brasilien finanziert, bei denen durch Nachlässigkeit ein Damm brach und giftige Klärschlämme frei wurden. Mehrere Menschen kamen dadurch Ende 2015 ums Leben.

Der Landesbank Baden-Württemberg hält die Analyse unter anderem die Verbindung zu Rüstungskonzernen vor. Bei der BayernLB gebe es zwar eine Selbstverpflichtung zur Einhaltung sozialer und ökologischer Aspekte. Sie lasse aber, so der Fair Finance Guide, wichtige Kriterien außen vor und erstrecke sich nicht auf alle Finanzierungen und Investitionen der Bank.

Kritik müssen sich auch Kirchenbanken wie etwa die katholische Pax Bank gefallen lassen. Bei Investitionen würden fossile Brennstoffe nicht ausgeklammert, zudem gebe es Investitionen bei kritischen Bergbau-Konzernen. Völlig stur gestellt habe sich die Sparkasse Köln-Bonn, eine der größten Sparkassen überhaupt.

Es habe keine Informationen zu Nachhaltigkeitsrichtlinien und keinerlei Bereitschaft zum Dialog gegeben. „Die Sparkasse KölnBonn bezeichnet sich zwar als gemeinwohlorientiert, lässt aber ihre Kunden komplett darüber im Unklaren, ob die Verwendung der Einlagen von etwa 20 Milliarden Euro an nachhaltige Kriterien gebunden ist“, sagt Antje Schneeweiß von der Organisation Südwind. Bei der nächsten Analyse sollen weitere Sparkassen und auch große Volksbanken unter die Lupe genommen werden.

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