Familienunternehmen aus England : Wie Thomas Cook zum größten Reisekonzern der Welt wurde

Der Erfinder der Pauschalreise ist insolvent. Dabei blickt Thomas Cook auf eine illustre Geschichte zurück. Selbst Kaiser Wilhelm II. reiste mit dem Konzern.

Thomas Cook musste Insolvenz anmelden. In der Nacht zum Montag scheiterten die Gespräche über eine neue Finanzierung.
Thomas Cook musste Insolvenz anmelden. In der Nacht zum Montag scheiterten die Gespräche über eine neue Finanzierung.Foto: REUTERS

Der Konzern, dessen Geschichte nun im Chaos zu enden scheint, blickt auf eine ruhmreiche Geschichte zurück. Nicht umsonst gilt der Namensgeber als Erfinder der Pauschalreise. Im Jahr 1841 hatte Cook zum ersten Mal einen Ausflug für 485 Reisende organisiert. Es ging ins Umland der britischen Stadt Leicester, per Bahn wurden insgesamt 18 Kilometer zurückgelegt. Unterwegs gab es Schinkenbrote, Tee und Kuchen, eine Blaskapelle – und das alles für einen Schilling, Kinder die Hälfte.

Die Idee kam an. Cook begann, häufiger Fahrten zu organisieren, häufig waren es Exkursionen in britische Seebäder. Und er machte daraus ein Geschäftsmodell, das es auch Normalbürgern ermöglichte, an den Reisen teilzunehmen. Zur Pariser Weltausstellung brachte er 1867 20.000 Gäste ans Ziel, 22 Jahre später, wieder in Paris, waren es schon 200.000. Bei den Olympischen Spielen 1896 war Thomas Cook der offizielle Reiseveranstalter. Zwei Jahre später organisierte sein Unternehmen gar einen Besuch von Kaiser Wilhelm II. im Heiligen Land.

Thomas Cook nicht mehr in Familienhand

Gründer Thomas war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben, zunächst führte Sohn John Mason das Geschäft weiter, später Frank and Ernest Cook, die Enkel des Firmengründers. Unter ihrer Ägide stieg Thomas Cook Anfang des 20. Jahrhunderts zum größten Reiseveranstalter der Welt auf. Doch bald darauf war es kein Familienunternehmen mehr. 1928 wurde Thomas Cook an das französische Reiseunternehmen Compagnie Internationale des Wagons-Lits verkauft.

Seitdem folgten mehrere Eigentümerwechsel. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam das Unternehmen unter das Dach des britischen Staatsbetriebs British Transport Holding Company. 1972 wurde Thomas Cook wieder privatisiert und von einem Konsortium bestehend aus der britischen Midland Bank, Trust House Forte und der Automobile Association übernommen.

20 Jahre später landete der Konzern schließlich in deutscher Hand. Die Westdeutsche Landesbank (WestLB) und die deutsche Fluglinie LTU übernahmen Thomas Cook von der Midland Bank. Die Verbindung zur Bundesrepublik blieb auch mit dem nächsten Eigentümerwechsel bestehen. 2001 wurde Thomas Cook von der deutschen C&N Touristik (Condor & Neckermann) übernommen und damit zum Teil von KarstadtQuelle und der Lufthansa. Der Reisekonzern firmierte fortan unter Thomas Cook AG.

Chinesischer Investor Fuson kann nicht mehr helfen

Doch sechs Jahre später fand der einst britische Konzern seinen Weg zurück auf die Insel. Die Thomas Cook AG und die britische MyTravel Group fusionieren 2007 zur Thomas Cook Group plc. Seitdem ist der Konzern an der Londoner Börse notiert. Die ersten Probleme wurden 2011 bekannt. Thomas Cook räumte ein, von seinen Banken mehr Geld zu brauchen, um über den Winter zu kommen. 20 Millionen Pfund werden als Überbrückung vereinbart.

Doch langfristig brauchte es neue Finanziers. 2015 stieg der chinesische Investor Fuson mit 18 Prozent ein und war damit größter Aktionär. Doch lang hilft das nicht. In diesem Jahr musste der Reisekonzern dreimal innerhalb weniger Monate seine Gewinnziele eindampfen. Als Gründe nannte der Vorstand Brexit, Preiskampf und steigende Kosten. Das daraufhin geschnürte Rettungspaket von fast einer Milliarde Euro konnte den Konzern auch nicht mehr retten.

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