Fortnite, Minecraft und Co. : Wie leicht Kinder bei Handyspielen auf Pornos stoßen

13 von 14 überprüften Apps bieten einen inakzeptablen Kinderschutz, urteilt die Stiftung Warentest. Nutzer verbreiten dort Nazi-Parolen und Porno-Links.

Das Shooter-Spiel "Fortnite" ist vor allem bei Jugendlichen beliebt.
Das Shooter-Spiel "Fortnite" ist vor allem bei Jugendlichen beliebt.Foto: Promo

Spielekonsolen waren gestern, heute zocken Kinder lieber auf dem Smartphone. Das Angebot ist jedenfalls riesig. Mehr als 900.000 Smartphone-Spiele stehen allein im App-Store von Apple bereit. Nun hat die Stiftung Warentest gemeinsam mit dem Portal jugendschutz.net die beliebtesten Spiele getestet. (Zeitschrift „Test“, Ausgabe 10/2019) Das Ergebnis ist alarmierend: Manche Apps führen zu pornografischen Inhalten, in anderen bewegen sich Nutzer mit rechtsextremen Pseudonymen. Und in einem Spiel sollten „böse Juden“ getötet werden.

Insgesamt 14 Apps haben die Verbraucher- und Kinderschützer unter die Lupe genommen, darunter Klassiker wie Minecraft, Fortnite oder Clash of Clans. Gleich 13 von ihnen bieten einen inakzeptablen Kinderschutz, so das Urteil. Das noch beste Smartphone-Spiel im Test, Pokémon Go, stuften die Tester immer noch als „bedenklich“ ein. Keine der sowohl für Android als auch für Apples Betriebssystem iOS getesteten Apps war empfehlenswert. In den meisten Apps lauert vor allem Gewalt, kritisieren die Tester.

Die Android-Version von Subway Surfers für Kinder ab sechs Jahren blendete etwa Werbung für ein Spiel ab 18 Jahren ein, in dem ununterbrochen Menschen erschossen werden. In der App Fortnite stieß die Stiftung Warentest auf Spielernamen wie „SiegHeil“ oder „Judentöter“. Und beim Spiel Brawl Stars verlinken Nutzer direkt auf Pornoseiten. Dabei wurden einzelne Spiele im App-Store sogar für Kinder ab null Jahren angeboten, die höchste Altersempfehlung der Spiele im Test lautet ab zwölf Jahre.

Wortfilter und Blockierfunktion gefordert

Kinderschützer sehen nun die App-Entwickler in der Pflicht. „Die Anbieter müssen Vorsorge zum Schutz dieser jungen Klientel treffen“, fordert jugendschutz.net, das gemeinsame Zentrum von Bund und Ländern für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet. Wenn Apps ihren Spielern erlauben, untereinander zu kommunizieren, dann sollten diese einen Wortfilter und Blockierfunktionen haben. Außerdem bräuchten die Spiele ein gutes Meldesystem, damit rechtsextreme Parolen oder Porno-Links schnell entdeckt und entfernt werden können, fordern die Kinderschützer. Von den neun Apps im Test mit erlaubter Kommunikation verfügte aber nur eine über ein ersichtliches Moderationskonzept, die Meldeprozedere waren mitunter kompliziert.

Geprüft hat die Stiftung Warentest auch, wie stark Kinder zu Zusatzkäufen, sogenannten In-App-Käufen, animiert werden. Denn genau darauf beruht das Geschäftsmodell vieler Anbieter. Die Grundfunktionen im Spiel sind zwar häufig kostenlos. Wer jedoch neue Level oder Funktionen freischalten möchte, muss zahlen. Und hier seien die Kosten oft intransparent, warnen die Tester.

Vor allem bei Kindern beliebt: die Spiele-App Candy Crush.
Vor allem bei Kindern beliebt: die Spiele-App Candy Crush.Foto: Britta Pedersen/dpa

Leicht ließen sich per Klick gleich mehrere Hundert Euro ausgeben. Beim beliebten Spiel Angry Birds 2 etwa können Spieler mit einem Kauf rund 110 Euro für virtuelle Edelsteine loswerden. Bei Candy Crush und Homescapes kommen Spieler nur mühselig weiter, wenn sie keine Extras kaufen. „Die Apps bauten teilweise einen immensen Kaufdruck auf“, erklärt jugendschutz.net auf Nachfrage. „Das alles kann Kinder überfordern.“

Mängel auch beim Datenschutz

Und auch beim Datenschutz stellte kein einziges Spiel die Kinderschützer zufrieden. Die meisten Apps übertragen mehr Nutzerdaten, als sie zum Funktionieren bräuchten, erklären die Tester. Ein Beispiel von vielen: Temple Run 2 übermittelt in der Android-Version die Nutzungsstatistiken der Spieler an einen Analysedienst, selbst wenn der Nutzer die Rückverfolgung eigentlich deaktiviert hat. Hinzu kommt, dass die Datenschutzerklärungen kaum verständlich sind. Dabei müssen die Passagen laut Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) für Dienste, die sich auch an Minderjährige richten, kindgerecht formuliert sein.

Doch Spiele auf dem Smartphone zu verbieten, ist wohl für die wenigsten Eltern eine Lösung, wissen auch die Kinderschützer von jugendschutz.net. „Ganz kleine Kinder brauchen aber ausnahmslos sichere Angebote“, heißt es. Und ältere sollten zumindest über die Gefahren aufgeklärt werden. Ein wenig könnten Eltern auch selbst vorbeugen. Sie könnten die Lieblingsspiele der Kinder vorab testen. Außerdem lassen sich In-App-Käufe in den Einstellungen der App-Stores deaktivieren oder mit einem Passwort schützen.

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