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Fünftes Minus in Folge : Deutsche Bank macht mehr als fünf Milliarden Euro Verlust

Der größte Konzernumbau in ihrer Geschichte hat der Deutschen Bank einen Nettoverlust von 5,7 Milliarden Euro eingebrockt – der fünfte Jahresverlust in Folge.

Ein Baustellenschild steht vor der Zentrale der Deutschen Bank.
Ein Baustellenschild steht vor der Zentrale der Deutschen Bank.Foto: Boris Roessler/dpa

Der größte Konzernumbau in der Firmengeschichte hat der Deutschen Bank im vergangenen Jahr einen Nettoverlust von 5,7 Milliarden Euro eingebrockt. Es ist der fünfte Jahresverlust in Folge. Das Minus sei vollständig auf die Umstrukturierung zurückzuführen, sagte Vorstandschef Christian Sewing am Donnerstag. Das Geschäft in der Kernbank habe sich dagegen 2019 stabilisiert. Analysten hatten im Schnitt mit einem Minus von fünf Milliarden Euro gerechnet.

Um wieder in die Spur zu kommen, hat Sewing dem größten deutschen Geldhaus im vergangenen Sommer eine Rosskur auferlegt. Der Anleihehandel, einst das Aushängeschild des Instituts, muss kräftig abspecken, der Aktienhandel wird komplett dichtgemacht. Weltweit fallen 18.000 Jobs weg. Ende Dezember beschäftigte die Bank noch 87.600 Mitarbeiter, 4100 weniger als vor Jahresfrist.

Die Erträge gingen im vergangenen Jahr um acht Prozent auf 23,2 Milliarden Euro zurück, während die Kosten vor allem wegen der Milliardenaufwendungen im Zusammenhang mit dem Konzernumbau um sieben Prozent auf etwas mehr als 25 Milliarden Euro kletterten. Bereinigt um die Sondereffekte lagen die Kosten bei 21,5 Milliarden Euro und damit so hoch wie von Konzernchef Christian Sewing angepeilt. Hier überraschte das Institut die Analysten positiv, die im Schnitt mit etwas höheren bereinigten Aufwendungen gerechnet hatten.

Der Umbau komme „planmäßig voran“, erklärte das Unternehmen. Mit dem Abschluss des vergangenen Geschäftsjahres seien bereits 70 Prozent der insgesamt erwarteten umbaubedingten Belastungen verarbeitet. „Unsere neue Strategie greift“, erklärte Bankchef Sewing. Das Unternehmen sei „zuversichtlich“, den Umbau mit seinen vorhandenen Mitteln stemmen „und nun wieder wachsen zu können“.

Sewing hatte sich schon vor Bekanntgabe der Zahlen einsichtig gezeigt, was die alte Konzernstrategie betraf: „Wir haben versucht überall mitzumischen, das hat uns überfordert.“ Der Milliardenverlust ist eines der schlechtesten Ergebnisse in der Geschichte der Bank – und fällt in eine Zeit, in der die deutschen Geldinstitute im Vergleich zur ausländischen Konkurrenz zurückfallen.

Lesen Sie mehr auf Tagesspiegel.de: Warum geht es den deutschen Banken so schlecht? Eine Analyse von Wirtschaftsredakteurin Carla Neuhaus.

In den USA verzeichnen die großen Banken längst wieder Milliardengewinne. Die Großbank JP Morgan verkündete gerade erst einen Rekordüberschuss von 36 Milliarden Dollar. Auch in der Eurozone weisen viele Institute erheblich bessere Zahlen auf. (Tsp, Reuters, dpa)

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