Für Berater-Leistungen : Die öffentliche Hand soll 456.000.000 Euro an PwC gezahlt haben

Ein Bericht der "Bild am Sonntag" beziffert, welches Ministerium Geld für Berater ausgegeben hat. Doch auch Kirchen und Kitas sind unter den Auftraggebern.

Das Logo von PwC an der Geschäftsstelle in Berlin am Humboldthafen. Wie praktisch, dass es von dort nur ein paar Meter bis zum Bundeswirtschaftsministerium sind.
Das Logo von PwC an der Geschäftsstelle in Berlin am Humboldthafen. Wie praktisch, dass es von dort nur ein paar Meter bis zum...Foto: REUTERS

Bisher war es vor allem Ursula von der Leyen (CDU), die im Kreuzfeuer der Kritik stand, wenn es um Berater-Aufträge in Bundesministerien ging. Unter ihrer Leitung soll das Bundesverteidigungsministerium Beratern Stundensätze von bis zu 252 Euro gezahlt und auf diesem Wege insgesamt 155 Millionen ausgegeben haben. Erst durch diese Affäre wurde der breiten Öffentlichkeit bekannt, welche Summen große Beratungsunternehmen wie McKinsey oder KPMG von staatlichen Einrichtungen erhalten.

Ein Bericht der „Bild am Sonntag“ und von „Business Insider“ zeigt nun, wie viel allein das Beratungsunternehmen Pricewaterhouse Coopers (PwC) von öffentlichen Auftraggebern erhalten hat. Demnach sollen im aktuellen und abgelaufenen Geschäftsjahr insgesamt 456 Millionen Euro für knapp 6000 Aufträge in Ministerien, Staatsunternehmen, Hochschulen, Kirchen, Parteien, Krankenhäuser, Flughäfen oder auch staatlichen Kitas bewilligt worden sein.

Mit 4,8 Millionen Euro ist das Verteidigungsministerium dem Bericht zufolge hier jedoch nur viertgrößter Auftraggeber. An der Spitze liegt mit 13,1 Millionen Euro das Wirtschaftsministerium vor dem Bundesverwaltungsamt, das Beraterleistungen für 11,6 Millionen Euro abgerechnet haben soll.

Jahresabschlussprüfung besonders beliebt

Auf Tagesspiegel-Nachfrage wollte das Wirtschaftsministerium die Zahlen weder bestätigen noch dementieren. Ein Sprecher teilte lediglich mit, es werde „allein unter Wirtschaftlichkeitsaspekten entschieden, ob bei Bedarf Aufträge an externe Berater vergeben werden“.

Das geschieht vor allem dann, wenn intern kein Experte verfügbar ist. In welchen Bereichen der Mangel an Expertise am größten ist, zeigt ein Blick auf die Dienstleistungen, die am häufigsten von PwC für öffentliche Auftraggeber erbracht worden sein sollen. Dem Bericht zufolge wurde mit fast 38 Millionen Euro der größte Anteil für die Erstellung von oder die Mithilfe an Jahresabschlussprüfungen gezahlt. Auch Strategie-Beratung und Hilfe in Steuerfragen schlugen mit jeweils mehr als 20 Millionen zu Buche. Insgesamt sollen allein von Bundesministerien fast 30 Millionen Euro an PwC gezahlt worden sein.

Liegt eine Straftat vor?

Auch bei dem Beratungsunternehmen will man die konkreten Zahlen nicht kommentieren. Allerdings sagte ein Sprecher dem Tagesspiegel, man prüfe derzeit, wie die Daten in die Öffentlichkeit gelangen konnten, und warnt, die Weitergabe mandatsbezogener Auftragsdaten „stellt einen strafrechtlichen Tatbestand dar“. „Auf der Liste befinden sich öffentliche Unternehmen und Anstalten sowie Gebietskörperschaften der öffentlichen Hand, die von PwC beraten werden“, erklärt er weiter.

Zudem seien alle Aufträge transparent vergeben und alle Regeln eingehalten worden. „Bevor wir einen Zuschlag für einen Auftrag erhalten, nehmen wir an einer Ausschreibung teil.“ Darüber hinaus widerspricht er der Darstellung der „Bild am Sonntag“, die Liste zeige auch Gewinnmargen. Die Beträge „zeigen lediglich Deckungsbeiträge, sämtliche Kosten und Steuern sind nicht berücksichtigt".

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