Gamescom in Köln : Die Spiele-Branche lässt sich von Netflix inspirieren

An diesem Dienstag beginnt die Gamescom in Köln - mit hunderttausenden Besuchern. Welche Trends beherrschen in diesem Jahr die Messe?

Massenveranstaltung. Die Gamescom gehört weltweit zu den größten Events rund um digitale Spiele. Auch im letzten Jahr war sie gut besucht. Bis Samstagabend werden auf der Messe um die 370 000 Besucher erwartet, für Freitag und Samstag sind die Tickets bereits ausverkauft.
Massenveranstaltung. Die Gamescom gehört weltweit zu den größten Events rund um digitale Spiele. Auch im letzten Jahr war sie gut...Foto: imago/Arnulf Hettrich

Ab heute pilgern Computerspielfans aus aller Welt nach Köln. Vom 20. bis 24. August können sie sich dort die Spiele-Neuheiten und Gaming-Trends von über tausend Ausstellern ansehen. Die Veranstaltung gehört weltweit zu den größten Events rund um digitale Spiele. Bis Samstagabend werden auf der Spiele-Messe um die 370 000 Besucher erwartet, für Freitag und Samstag sind die Tickets bereits ausverkauft.

AUS KUNDEN EINE COMMUNITY MACHEN

Unter dem Motto „Gemeinsam sind wir Games“ lädt der Branchenverband Game Privatbesucher, Politiker und die Computerspiele-Industrie nach Köln. Besonders freut sich Branchenchef Felix Falk auf die Besucher, für die digitale Spiele mehr als nur ein Hobby sind: „Kein anderes Medium hat eine so leidenschaftliche Community“, findet er. „Also egal ob Cosplayer, Modder, E-Sportler oder Streamer: Die Community, auf die sind wir stolz.“

Beim Cosplay verkleiden sich Spielefans möglichst originalgetreu als ihre Lieblingscharaktere aus digitalen Spielen, Filmen oder Anime-Serien. Neben Standflächen für die neusten Spiele-Highlights gibt es daher auch ein sogenanntes „Cosplay Village“, in dem Besucher die besten selbst gestalteten Verkleidungen präsentieren können und in verschiedenen Wettbewerben ausgezeichnet werden. Während viele der Cosplay-Verkleidungen in stundenlanger Feinarbeit von den Spiele-Fans selbst hergestellt werden, freut sich die Branche über die große Identifikation mit den eigenen Marken.

Schon seit 2015 füllen Verkaufsstände für Merchandise eine 12 000 Quadratmeter große Halle auf der Messe. In der „Fanshop-Area“ werden T-Shirts, Plüschtiere und Sammelkarten verkauft. Auch Skurriles findet sich dort, etwa aus Asien importierte Süßigkeiten oder japanische Mouse-Pads mit Silikonbrüsten. Das Geschäft scheint gut zu laufen: Für 2019 vergrößern die Veranstalter die Verkaufsfläche nochmals um 50 Prozent.

NEUE LIVE-SHOW UND GALA-ABEND

Zum ersten Mal startet die Gamescom mit einer großen Eröffnungsgala. Mit der Veranstaltung am Montagabend will der Verband zweifach punkten: „Die neue Show richtet sich an alle Gamer weltweit“, erklärt Falk. Die Gala wird auch per Livestream im Internet zu sehen sein. Doch das in englischer Sprache abgehaltene Event soll nicht nur Gamer ohne Eintrittskarte beglücken, sondern den Industrievertretern vor Ort eine internationale Bühne für exklusive Ankündigungen bieten. Bisher zeigen gerade amerikanische Hersteller die Neuheiten des Jahres traditionellerweise auf der Electronic Entertainment Expo in Los Angeles. Dadurch brachten die Hersteller zur der nur wenige Monate später stattfindende Gamescom in Köln in der Vergangenheit oftmals wenig Neues mit. Dies könnte sich nun mit der Gala ändern.

MIETEN STATT KAUFEN

Die Spiele-Branche hat sich von Netflix, Amazon Prime und anderen Streaming-Anbietern inspirieren lassen. Viele namhafte Hersteller bieten ihre Spiele mittlerweile nicht nur zum Kauf an, sondern auch als Abo. So bietet etwa der französische Hersteller Ubisoft ab September seinen mehr als 100 Spiele umfassenden Katalog mit Spiele-Serien wie „Assassins Creed“, „Watchdogs“ oder „Farcry“ gegen eine monatliche Gebühr an. Auch Electronic Arts bietet eine Auswahl der eigenen Spiele, darunter auch die populäre Fußballspiel-Reihe „FIFA“, im monatlichen Abo an.

Mit Playstation Now und dem Xbox Gamepass haben Microsoft und Sony ebenfalls bereits entsprechende Angebote. Der Computerhersteller Medion, der in Deutschland vorrangig über Kooperationen mit Supermarktdiscountern bekannt ist, will auf der diesjährigen Gamescom ebenfalls einen eigenen Abodienst vorstellen. Laut einer in dieser Woche veröffentlichten Studie des Branchenverbands Bitkom wünschen sich 45 Prozent der Gamer Spiele-Flatrates.

CLOUD GAMING

Google könnte auf der Messe neue Informationen zu seiner Spiele-Plattform Google Stadia bekannt geben, die im November in Deutschland starten soll. Statt auf starke Hardware setzt der Konzern auf die sogenannte Cloud-Gaming-Technologie, bei der alle Spiele auf Servern im Internet berechnet werden. Der Kunde benötigt statt einer leistungsstarken Konsole nur noch eine gute Internetverbindung. Der Hardwarehersteller Nvidia bietet bereits ein entsprechendes Angebot für Spiele-Streaming in Deutschland an, auch Microsoft und Sony arbeiten schon an ähnlichen Projekten.

E-SPORT BOOMT WEITER

Obwohl die Anerkennung von E-Sport im Koalitionsvertrag der Bundesregierung steht: Politisch ist es weiterhin umstritten, ob der Wettkampf in digitalen Spielen einmal offiziell als Sportart in Deutschland anerkannt wird. Der Beliebtheit der digitalen Wettkämpfe tut das keinen Abbruch: Eine gesamte Halle wird auf der Messe ausschließlich für Live-Wettkämpfe und Turniere zur Verfügung stehen. Auf dem Programm stehen Liga-Finalspiele der populären Titel „League of Legends“ und „Counter-Strike: Global Offensive“. Die Halle fasst bis zu 1500 Zuschauer.

INDIESTUDIOS: KLEIN, ABER FEIN

Neben großen internationalen Computerspieleherstellern wächst der Markt der kleinen, unabhängigen Entwickler, genannt „Indies“. Diese zeichnen sich oft durch ernste Themen, künstlerischen Anspruch oder besonderes Design aus. Zum ersten Mal wird diesen Spielen auf der Gamescom mit der „Indie Village“ ein eigener Bereich gewidmet. Zu den mehr als hundert Spielen aus über 30 Ländern, die dort ausgestellt werden, gehören auch einige Spiele von Studios aus Berlin – zum Beispiel „Through the Darkest of Times“ von Paintbucket Games.

KOMMEN NEUE KONSOLEN?

Im Vorfeld der Messe war spekuliert worden, ob Microsoft oder Sony Details zur nächsten Generation von Heimkonsolen bekannt geben. Doch dass die Unternehmen mehr verraten, als auf der Electronic Entertainment Expo vor einigen Monaten bekannt wurde, ist unwahrscheinlich. Laut einem in dieser Woche bekannt gewordenen Insiderbericht will Sony die Playstation 5 im Februar 2020 vorstellen. Analysten erwarten, dass die Nachfolger von Xbox One und Playstation 4 pünktlich zum Weihnachtsgeschäft im Herbst 2020 nach Deutschland kommen.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!