Wirtschaft : Gefühl für Politik und Erfahrung mit Brüssel

Matthias Wissmann soll Autopräsident werden

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Matthias Wissmann soll Autopräsident werden Stuttgart / Berlin - In letzter Zeit war es etwas ruhig um den ehemaligen Bundesverkehrs- und Wirtschaftsminister geworden. Jetzt steht der in drei Wochen 58 Jahre alt werdende Matthias Wissmann vor einem Comeback. Die Spitze des Verbandes der deutschen Automobilindustrie (VDA) will ihn heute zu seinem Präsidenten küren. Wissmann wird damit zu einem der wichtigsten Lobbyisten in Deutschland. „Der designierte Präsident bringt reichlich Erfahrungen in der Verkehrspolitik mit und kennt das europäische Parkett sehr gut“, begrüßte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) am Sonntag den wahrscheinlich neuen Auto-Lobbyisten.

Wissmann war ein Vorschlag von Daimler-Chef Dieter Zetsche. BMW-Boss Norbert Reithofer und auch VW-Chef Martin Winterkorn sollen schnell zugestimmt haben, und auch der wichtigste Vertreter der Zulieferer, Bosch-Chef Franz Fehrenbach, gab schnell sein Plazet. „Der Kandidat war bei allen von null auf 100, schneller als ein Porsche“, sagte ein mit den Verhandlungen Vertrauter zu der Akzeptanz von Wissmann bei den Autobossen. Wissmann habe ein Gefühl für politische Strömungen, Erfahrung in Brüssel, diplomatisches Geschick und sei als Schwabe mit natürlichem Fleiß ausgestattet.

Im politischen Berlin gilt Wissmann, der seine Laufbahn als Chef der Jungen Union begann, als ewiges Talent, die Verkörperung des Hoffnungsträgers, dem stets mehr zugetraut wird als das, was er gerade macht. Im persönlichen Umgang eher zurückhaltend, glänzt er bei öffentlichen Auftritten als Analytiker. Polemische Untertöne sind ihm fremd, was ihm das politische Geschäft nicht leichter gemacht haben dürfte. Seit 1976 im Bundestag, war er aber lange nur Insidern ein Begriff. Sie schätzten seine Analysen und sein Gespür für neue Themen, wie in den 80er Jahren die Umweltpolitik. Doch zugleich wurde er auch lange als „ewiger Jungpolitiker“ verspottet.

Zwei Ministerämter in Baden-Württemberg schlug er in jungen Jahren ebenso aus wie 1982 einen Posten als parlamentarischer Staatssekretär unter Familienminister Heiner Geißler. Erst als Bundeskanzler Helmut Kohl ihn 1993 zunächst als Forschungsminister in sein Kabinett holte und er kaum 100 Tage später die Nachfolge des über eine Putzfrauenaffäre gestolperten Verkehrsministers Günther Krause antrat, wurde er einer größeren Öffentlichkeit bekannt. In seine Amtszeit fielen die Privatisierung der Lufthansa, die Bahnreform, die Regionalisierung des Schienenpersonalverkehrs, die emissionsorientierte Neuordnung der Kfz-Steuer und die Einführung der Euro Vignette für schwere Lkw.

1998 machte Kohl ihn zum wirtschaftspolitischen Sprecher der Partei, um das Profil der CDU bei den Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze im Wahlkampf gegen Gerhard Schröder zu stärken. Nach dem Wahlsieg von Rot-Grün wurde es wieder still um Wissmann. Als Vorsitzender des Ausschusses für Angelegenheiten der EU wirkte er mehr hinter den Kulissen. mwb/pt (HB)

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