Gehaltsunterschiede : Wo Chefinnen am meisten verdienen

Am lukrativsten ist für Geschäftsführerinnen die Textilbranche. Mehr Geld gibt es aber nach wie vor in männerdominierten Wirtschaftsbereichen.

Angestellte arbeiten in den Büros eines Geschäftshauses im Europaviertel.
Angestellte arbeiten in den Büros eines Geschäftshauses im Europaviertel.Foto: dpa

Das meiste Geld verdienen Geschäftsführerinnen in einem Bekleidungs- und Textilunternehmen: Dort bekommen sie im Schnitt ein Jahreseinkommen von 175 700 Euro, wie eine Auswertung des Portals „Gehalt.de“ zeigt. Schon deutlich weniger ist es in der Lebensmittelindustrie, die sich mit einem Durchschnittsgehalt von 141 500 Euro auf dem zweiten Platz findet – gefolgt vom Finanzbereich (136 442 Euro), der Pharmaindustrie (134 942 Euro) und der Unternehmensberatung (128 845 Euro). Über alle Branchen hinweg verdienen Frauen in einer Chefposition 94 873 Euro im Jahr.

Wer im Kulturbereich beschäftigt ist, muss sich mit weniger zufriedengeben: Mit einem Jahresgehalt von 65 400 Euro verdienen Frauen aus Chefetagen in dieser Branche verhältnismäßig wenig. Bei gleichbleibender Position liegt das jährliche Einkommen im Einzelhandel rund tausend Euro darüber. Mit etwas mehr Gehalt können Frauen in Bildungsinstitutionen (73 800 Euro) und sozialen Einrichtungen (76300 Euro) rechnen. Im Gesundheitswesen liegt das Bruttojahresgehalt einer weiblichen Geschäftsführung bei 82 800 Euro. Generell steigt das Gehalt mit der Größe des Unternehmens.

Das meiste Geld gibt es im Bankenwesen

In der Auswertung haben die Analysten von „Gehalt.de“ 921 Daten von Geschäftsführerinnen aus insgesamt zehn Branchen berücksichtigt. Die geringe Anzahl der Daten verdeutliche, wie selten Frauen überhaupt in leitenden Positionen vertreten seien. Aber: „Wir beobachten schon länger, dass der Anteil der Datensätze von Geschäftsführerinnen in unserer Datenbank leicht zunimmt. Dies deutet auf einen positiven Trend hin“, räumt Philip Bierbach von „Gehalt.de“ ein. Geschäftsführerinnen in kapitalstarken Branchen wie zum Beispiel im Maschinenbau oder dem IT-Sektor sind trotzdem weiterhin unterrepräsentiert, weswegen unter anderem diese Branchen in der Untersuchung nicht valide ausgewertet werden konnten.

Was ebenfalls nicht ausgewertet worden ist, sind Vergleichsdaten zu dem Gehalt männlicher Geschäftsführer. Ein Bericht des Portals aus dem vergangenen Jahr zeigt jedoch, wie Geschäftsführer – unabhängig vom Geschlecht – in Deutschland bezahlt werden: Die lukrativste Branche ist demnach das Bankenwesen. Im Durchschnitt würde das Jahreseinkommen dort 186 642 Euro betragen. Grund sind unter anderem die hohen Boni, die Banken-Chefs bei erfolgreichen Geschäftsabschlüssen erzielen. In zehn weiteren Wirtschaftszweigen – darunter Chemie, Autoindustrie, Medizintechnik – verdienen Führungspersonen ebenfalls mehr als im Bekleidungs- und Textilbereich, und eben diese Branchen sind auf der Ebene der Geschäftsführer nach wie vor männlich dominiert.

Mancherorts verdienen Frauen mehr als Männer

Eine laufende Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die im Herbst veröffentlicht werden soll, kommt allerdings schon jetzt zu dem Schluss: Der sogenannte Gender Pay Gap gilt nicht überall – und in manchen Teilen Deutschlands verdienen Frauen sogar per se mehr. Nirgends sei die Gehaltslücke zugunsten der Männer höher als im bayerischen Dingolfing-Landau. 38 Prozent verdiene ein Mann dort im Schnitt mehr als eine Frau. Die höchste Lücke zugunsten der Frauen habe derweil das brandenburgische Cottbus: Hier bekomme eine Frau 17 Prozent mehr als ein Mann. Was sich unterscheide, sei aber gar nicht das Einkommen der Frauen, sondern nur das der Männer: Und zwar von 4531 zu 2398 Euro.

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