Geld verdienen mit Schulden : Rendite 30-jähriger Bundesanleihen fällt ins Minus

Wer dem Staat für 30 Jahre Geld leiht, muss noch was drauf legen. Erstmals ist die Rendite der langfristigen Bundesanleihen ins Minus gerutscht.

Bundesanleihen werfen nichts mehr ab.
Bundesanleihen werfen nichts mehr ab.Foto: DPA

Es ist eine Zäsur am Finanzmarkt und ein Problem für Anleger. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik ist die Rendite für Bundesanleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren unter null Prozent gefallen. Zeitweise lag sie am Freitag bei minus 0,002 Prozent. Der Staat kann sich damit so günstig verschulden wie nie. Wenn Anleger ihm Geld für 30 Jahre leihen, müssen sie dafür noch etwas drauflegen – statt dafür Zinsen zu kassieren, wie das normalerweise der Fall wäre.

Damit sind nun sämtliche deutsche Staatspapiere ein Verlustgeschäft. Denn Anleihen mit einer noch längeren Laufzeit bietet der Bund nicht an. Und die mit einer kürzeren Laufzeit rentieren bereits länger im Minus.

Vorwerfen kann man das dem Staat nicht. Die negative Rendite ist schlicht eine Folge der hohen Nachfrage. Weltweit sind Anleger derzeit auf der Suche nach sicheren Anlagen und Bundespapiere sind dabei nun mal besonders begehrt. Ausgelöst wird dieser Wunsch nach Sicherheit unter anderem von dem Handelsstreit: Gerade erst hat US-Präsident Donald Trump wieder neue Strafzölle gegen China angekündigt (siehe Seite 18). Dazu kommt der Brexit. Boris Johnson droht damit, das Vereinigte Königreich könnte die EU im Zweifel ohne Regelung Ende Oktober verlassen. Und als wenn das nicht schon genug Risiken wären, schwächelt auch noch die Weltwirtschaft.

Entsprechend groß ist der Wunsch der Investoren, sich vor einem Kursrutsch an der Börse abzusichern. Großanleger zahlen jedoch schon jetzt Minuszinsen, wenn sie hohe Summen auf dem Bankkonto liegen lassen. Waren davon bislang vor allem Beträge ab einer halben Million Euro betroffen, verlangen die Geldhäuser inzwischen zum Teil bereits ab 100 000 Euro einen Strafzins. Für die meisten Verbraucher ist das zwar kein Problem – für Großanleger wie Versicherungen oder Pensionskassen aber schon. Sie können darauf einzig reagieren, indem sie Gelder auf verschiedene Banken verteilen. Oder indem sie Bundesanleihen kaufen. Zwar machen sie auch mit den Staatspapieren einen Verlust, doch der ist immerhin noch kleiner, als wenn sie das Geld auf dem Konto bei der Bank parken.

Ein Ende dieser Entwicklung ist derzeit nicht in Sicht. Die Zinsen bleiben für unbestimmte Zeit niedrig. In den USA hat die Notenbank sie gerade erst wieder gesenkt. In Europa denkt die Zentralbank ebenfalls über eine erneute Lockerung der Geldpolitik nach.

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