Gemütlich arbeiten : Arbeitnehmer sollen sich im Büro wohlfühlen

Die Grenzen zwischen Job und Freizeit verschwimmen. Was das für Folgen für die Gestaltung des Büros hat, war Thema der Tagesspiegel-Veranstaltung "Confronting the Future".

Roland Lindenblatt
In Ruhe arbeiten oder mit anderen Kreativen austauschen: Coworking Spaces wollen beides anbieten.
In Ruhe arbeiten oder mit anderen Kreativen austauschen: Coworking Spaces wollen beides anbieten.Foto: dpa-tmn

Im Büro der Zukunft fühlen sich Arbeitnehmer so wohl, als wären sie zu Hause. So stellt sich das zumindest Wybo Wijnbergen vor. Er ist Nordeuropa-Manager bei Wework, einem Unternehmen, das weltweit Coworking-Büros anbietet. In denen sitzt man nicht nur mit Kollegen aus der eigenen Firma zusammen, sondern lernt auch Freiberufler oder Manager anderer Konzerne kennen. Um die Kreativität zu fördern, sind die Büros unterschiedlich gestaltet. Es gibt Gemeinschaftsküchen, Tischtennisplatten und gemütliche Sitzecken. Auch Meditationsräume und einen Kindergarten bieten manche Standorte. Wijnbergen argumentiert: „Wenn du dich zuhause fühlst, bleibst du länger und bist produktiver."

Zusammen mit Karim El-Ishmawi, Geschäftsführer der Architekturfirma Kinzo, hat Wijnbergen am Mittwochabend in Berlin über die neue Bürowelt diskutiert. Warum brauchen wir neue Arbeitsräume? Und wie wird das unsere Städte und unser Zusammenleben verändern? Diese Fragen standen im Zentrum der Tagesspiegel-Veranstaltung "Confronting the Future" im Berliner Kornversuchsspeicher.

Menschen wollen es im Büro gemütlich haben

Wijnbergen ist überzeugt, dass Menschen auf der ganzen Welt eine neue Arbeitsumgebung möchten. „Menschen suchen nach Umgebungen an denen sie sich zuhause fühlen“, sagt er. In seinen Räumen können die Nutzer deshalb selbst entscheiden, wo sie arbeiten: an einem flexiblen Arbeitsplatz wie in einer Bibliothek, an einem Schreibtisch im Gemeinschaftsraum oder in einem privaten Büro.

Durch diese räumliche Nähe würde auch mehr Kooperation entstehen. So würden Wework-Mitglieder häufig zusammenarbeiten, auch wenn sie bei ganz unterschiedlichen Unternehmen beschäftigt seien. Inzwischen treffe das bereits auf 70 Prozent der Mieter zu.

Unternehmen brauchen attraktive Räume, im Talente anzuziehen

Wie wichtig die richtige Arbeitsatmosphäre ist, weil auch El-Ishmawi. „Arbeitsplätze sollen auch die Identität eines Unternehmens vermitteln. Wenn ein Unternehmen nicht attraktiv ist für seine Arbeitgeber, hat es ein Problem.“ Unternehmen engagieren seine Architekturfirma, um diese attraktiven Umgebungen zu gestalten.

Dabei verändert diese neue Arbeitswelt nicht nur die Büroatmosphäre sondern auch die Stadt. Entsteht irgendwo ein neues Gemeinschaftsbüro, entsteht drum herum häufig ein eigener Mikrokosmus. „In München eröffnen wir im Juli neue Büroplätze", sagt Wijnbergen. "Da machen schon jetzt Restaurants in der Umgebung auf.“

Allerdings hat diese Entwicklung auch eine Schattenseite: Während man früher Arbeit und Privatleben strikt getrennt hat, verschwimmen die Grenzen nun immer mehr. El-Ishmawi sagt, bald müsse man aufmerksamer sein, um festzustellen, wann man eigentlich arbeite und wann man Freizeit habe.

„Confronting the Future“ ist eine Veranstaltung des Tagesspiegel-Verlags und findet in zweiwöchentlichem Rhythmus statt. In dem Format werden zwei konträre Positionen gegenübergestellt, die beide unterschiedliche Lösungsansätze für drängende Problemstellungen der Stadt von Morgen erörtern. Neben Positionen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft werden auch künstlerische Perspektiven einbezogen.

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