Geschäfte mit Trump : Kann die Deutsche Bank dem US-Präsidenten gefährlich werden?

Die Deutsche Bank hat Trump noch Geld geliehen, als kein anderes Institut mehr mit ihm etwas zu tun haben wollte. Jetzt kooperieren die Frankfurter mit dem US-Kongress.

US-Präsident Donald Trump
US-Präsident Donald TrumpFoto: AFP/Brendan Smialowski

Es ist eine der unglaublichsten Beziehungen, die von Donald Trump bekannt ist. Zu einem Zeitpunkt, als kein großes Finanzinstitut noch Geschäfte mit dem Immobilienunternehmer aus Manhattan machen wollte, das war Ende der 1990er Jahre, setzte die Deutsche Bank weiter fest auf ihn. Trump, der bereits mehrere Pleiten mit seinen Casinos und Hotels in Atlantic City hingelegt hatte, brauchte Geld, viel Geld, um neue Großprojekte zu verwirklichen. Das Geldhaus aus Frankfurt strebte ebenfalls Großes an, das Ziel war, zum großen Player an der Wall Street aufzusteigen. Von Mainhattan nach Manhattan. Da kam Trump gerade recht, Bedenken wurden beiseite gewischt, Warnzeichen ignoriert.

Dies war der Beginn einer langen Beziehung. Mehr als 20 Jahre lang hat die Deutsche Bank nach Informationen der „New York Times“ Kredite in Höhe von mehr als zwei Milliarden Dollar an Trump vergeben. Dabei war der Immobilienmogul stets ein schwieriger Kunde, der dennoch außergewöhnlich behandelt wurde. So konnte er sich 2008 Geld von der hauseigenen Vermögensverwaltung leihen, um Altschulden bei der Investmentsparte des Unternehmens zu begleichen. Ein Vorgang, über den Experten nur den Kopf schütteln. Später verklagte er seine Bank sogar einmal, Kunde blieb er trotzdem. Noch heute soll er der Deutschen Bank mindestens 130 Millionen Dollar schulden.

Nun ist diese erstaunliche Beziehung Gegenstand gleich mehrerer Untersuchungen. Der US-Kongress interessiert sich für die Finanzgeschäfte des heutigen Präsidenten und seiner Familie: Zwei Ausschüsse des Repräsentantenhauses wollen von seiner Hausbank Informationen, um dem Verdacht nachzugehen, ausländische Mächte hätten Einfluss auf die Präsidentschaftswahlen 2016 genommen. Dabei geht es vor allem um Russland. Und in New York hat Generalstaatsanwältin Letitia James die Deutsche Bank dazu aufgefordert, Dokumente über Darlehen an Trump plus dazugehörigen Emailaustausch auszuhändigen. Hintergrund hier sind Aussagen von Trumps langjährigem Anwalt Michael Cohen vor dem Kongress, wonach sein Ex-Chef sein Vermögen wahlweise zu hoch oder zu niedrig beziffert habe, um entweder Darlehen zu erhalten oder Steuern zu sparen. Die Bank kooperiert – sehr zum Unmut des Mannes im Weißen Haus.

Es geht auch wieder um Schweigegeld für Stormy Daniels

Am Montag reichten Trump, seine Kinder Donald Jr., Eric und Ivanka, sowie Trumps Immobilienkonzern, The Trump Organization, vor einem Bezirksgericht in New York Klage gegen die Deutsche Bank ein, um zu verhindern, dass diese Unterlagen an das Repräsentantenhaus übergibt, in dem die oppositionellen Demokraten seit den Kongresswahlen die Mehrheit stellen. Eine Klage reichte die Präsidentenfamilie zudem gegen die US-Bank Capital One ein. Dabei geht es um Schweigegeldzahlungen an den Pornostar Stormy Daniels, für die Trump Cohen mit einem Scheck der Bank entschädigt habe, wie der Ex-Anwalt dem Kongress berichtete.

Beim Thema Geld versteht Donald Trump keinen Spaß. Das Verlangen zur Aktenvorlage sei nicht gerechtfertigt und verfolge lediglich politische Absichten, heißt es in der Klageschrift. Die Demokraten wollten „jeden Aspekt im Privatleben von Trumps Familienmitgliedern, ihren Geschäften und selbst jenen, die nur am Rande mit Trumps Unternehmen zu tun haben, untersuchen“, egal, ob es dafür Beweise gebe, kritisieren Trumps Anwälte.

Der Verdacht, der mit der Frage einhergeht, warum die Deutsche Bank so lange an Trump festgehalten hat, ist enorm. Hat sie dabei geholfen, russisches Schwarzgeld zu waschen, indem sie dieses Geld in Investitionen in den USA leitete, darunter in Trump-Projekte? Haben die russische Regierung oder ein Oligarch mit Garantien für den Ex-Pleitier gebürgt – und stünde der heutige Präsident dann in deren Schuld? Oder ging es den Frankfurtern wirklich nur darum, mit Hilfe eines prominenten New Yorkers endlich das große Rad im amerikanischem Investmentbanking zu drehen?

Diese Fragen sind auch nach der Vorlage des Berichts von Sonderermittler Robert Mueller zur möglichen Einflussnahme Russlands nicht geklärt. Zwar haben die Ermittler nicht zweifelsfrei belegen können, dass es zu einer Zusammenarbeit von Trumps Wahlkampfteam mit Moskau kam, auch wenn es viele Kontakte zwischen beiden Seiten gab. Aber die Finanzbeziehungen spielen in den 448 Seiten des Berichts nur eine untergeordnete Rolle. Dabei könnten diese dem Präsidenten tatsächlich noch gefährlich werden. Ungemach droht auch den ehrgeizigen Frankfurter Bankern. Denn nicht nur die „New York Times“ vermutet: „Ohne die Deutsche Bank hätte es Donald Trump vielleicht nie ins Weiße Haus geschafft.“

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