Geschäftsklima-Umfrage : Wie es deutschen Unternehmen in China geht

Trotz gut laufender Geschäfte, verschlechtert sich die Stimmung deutscher Unternehmen. Die Zukunft bereitet Sorgen

Ning Wang
In Beijings Central Business District finden sich auch Unternehmen aus Deutschland
In Beijings Central Business District finden sich auch Unternehmen aus DeutschlandFoto: Getty Images

Die jährliche Befragung der Deutschen Handelskammer in China zeigt, dass sich die Stimmung unter den Unternehmen tendenziell verschlechtert hat. So bewerten noch rund 40 Prozent der deutschen Unternehmen, die an der Befragung teilnahmen, die aktuelle Entwicklung der chinesischen Wirtschaft als positiv. Im vergangenen Jahr waren es noch 54 Prozent. Dennoch ist jedes zweite deutsche Unternehmen noch zufrieden mit seinem Wachstumspotenzial in China. Woher also kommt dieser Widerspruch?

Es sind vor allem die drei größten deutschen Industrien in China, bestehend aus Maschinenbau, Automobilindustrie und Unternehmensdienstleistungen, die das laufende Jahr weniger optimistisch sehen und ihre im Vorjahr gesetzten Erwartungen an die Entwicklung in ihrer Industrie als nicht erfüllt ansehen. "Wir haben 2018 eine absolute Reduktion des Neuwagenabsatzes in China gesehen. Zwar ist das Land immer noch weltweit führend für Autoabsätze, aber nach den hohen Zuwachsraten in den vergangenen Jahren, sehen wir nun seit Beginn des Jahres eine Abkühlung", erklärt Dr. Stephan Wöllenstein, Präsident der AHK Nordchina und künftiger CEO für das operative Geschäft von Volkswagen in China.

Deutsche Unternehmen sehen sich weiter führend 

China ist nicht nur einer der größten Absatzmärkte der deutschen Autobauer, seit 2016 ist China zu Deutschlands wichtigstem Handelspartner aufgestiegen und Deutschland ist Chinas wichtigster Handelspartner in der EU. Doch für die jetzige Ernüchterung gibt es eine Reihe von Gründen, die teils schon seit Jahren bemängelt werden. So gehören Bürokratie, administrative Hürden, Rechtsunsicherheit und unklare regulatorische Rahmenbedingungen zu den Klassikern, die sich wie ein roter Faden durch die diesjährige 38 Seiten lange Umfrage ziehen.

Aber es gibt auch ein hohes Selbstvertrauen in die eigene Innovationskraft. Denn während im Sommer 43 Prozent der befragten Firmen der Europäischen Handelskammer in China damit rechneten, dass sie in den kommenden zwei Jahren mit stärkerer Konkurrenz durch heimische Hersteller zu kämpfen haben würden, sind die befragten deutschen Unternehmen in dieser Hinsicht nun zuversichtlicher. Nur 35 Prozent rechnen damit, dass die chinesischen Wettbewerber in den kommenden fünf Jahren zu Innovationsführern in ihren Branchen aufsteigen könnten, sechs Prozentpunkte weniger als im vergangenen Jahr. Darüber hinaus sehen 43 Prozent der befragten deutschen Unternehmen dies als unwahrscheinlich.

Unzufriedenheit über Wirtschaftsreformen steigt

Doch Chinas Wirtschaft ist durch die von Peking angesetzten Reformen im Wandel und wendet sich immer mehr von einer auf Investitionen und Export ausgerichteten Wirtschaft zu einer dienstleistungsorientierten. Die laut Pekinger Statistik 400 Millionen starke Mittelschicht in China befeuert dies durch ihre Lebensweise und vor allem mit ihrem Konsum. Im vergangenen Jahr etwa machte dieser schon mehr als 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Doch der wirtschaftliche Aufschwung der vergangenen 40 Jahre, der dazu beitrug, dass nun ein Drittel der Bevölkerung Chinas zur Mittelschicht gehört, ist eng verbunden mit Chinas Marktöffnung unter Deng Xiao Ping, die zu einer beispielslosen und erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung zum Nutzen ausländischer und chinesischer Unternehmen gleichermaßen geführt hat.

“Deutsche Unternehmen haben eine Million Arbeitsplätze in China geschaffen”, so Freudenberg-Managerin Bettina Schön-Behazin, Vorsitzende der AHK Schanghai, die fairere Wettbewerbsbedingungen fordert. Rund 50 Prozent der befragten AHK China Mitglieder glauben zwar an das Bekenntnis der chinesischen Regierung zu weiterer Marktöffnung, doch die Unzufriedenheit über die Wirtschaftsreformen steigt. Vor allem belasten die Handelsstreitigkeiten mit den USA generell das geschäftliche Umfeld. Zwar sind die meisten AHK-Mitglieder davon nicht direkt betroffen, denn nur ein Bruchteil der deutschen Unternehmen in China exportieren ihre Produkte, sondern produzieren vor allem für den lokalen oder asiatischen Markt. Mittelbar allerdings unterliegen auch sie der dadurch gedämpften Konsumbereitschaft der chinesischen Bevölkerung.

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