Gesundheitsreport : Ältere Mitarbeiter fehlen länger – aber nicht häufiger

Die Belastung im Alter ist hoch. Betriebskrankenkassen fordern eine Arbeitswelt, die je nach Lebensphase verschieden ist.

Marie Rövekamp
Die Krankheitszahlen können saisonalen Schwankungen unterliegen. Die Grippesaison kann Auslöser sein
Die Krankheitszahlen können saisonalen Schwankungen unterliegen. Die Grippesaison kann Auslöser seinFoto: Maurizio Gambarino / dpa

Ältere Mitarbeiter sind nicht wesentlich häufiger krank als jüngere – dafür aber für längere Zeit. Wie aus dem Gesundheitsreport der Betriebskrankenkassen (BKK) hervorgeht, fehlten die 55- bis 59-Jährigen 2017 im Schnitt zehn Tage länger als die Gesamtheit der Arbeitnehmer. Bei den 60- bis 64-Jährigen waren es mit 32 Fehltagen noch einmal fünf Tage mehr. Maßgeblichen Einfluss auf die Ausfallzeiten hat neben der Schwere der Erkrankung die Belastung im Job.

Die Beschäftigten im Gastgewerbe sind durchschnittlich einen Tag mehr pro Jahr arbeitsunfähig als Arbeitnehmer in der Energieversorgung, obwohl letztere im Schnitt fünf Jahre älter sind. Frauen und Männer über 50 weisen in körperlich belastenden Berufen zudem die meisten Fehltage aufgrund von Muskel- und Skeletterkrankungen auf. Mitarbeiter in sozialen, erzieherischen und pflegerischen Berufen haben auffallend viele Fehltage aufgrund psychischer Störungen. Wegen Infektionen und Atemwegserkrankungen fehlten die Älteren seltener als die Jüngeren, die unter anderem wegen kleiner Kinder öfters eine Erkältung haben.

Die Krankenkassen fordern eine altersgerechte Gestaltung der Arbeit und mehr Prävention. Waren im Jahr 2007 gerade einmal ein Fünftel aller beschäftigten Mitglieder der Betriebskrankenkassen 50 Jahre oder älter, waren dies 2017 ein Drittel. „Diesen angehenden Rentnern folgt eine geringere Zahl an Berufseinsteigern“, sagte Holger Pfaff von der Universität Köln bei der Vorstellung des Berichts am Dienstag in Berlin. Die Lücke könnten Unternehmen nur schließen, wenn sie junge Leute gewinnen oder Ältere länger im Beruf halten.

Leistung verändert sich mit den Jahren

Nicht nur der Fachkräftemangel spricht dafür. „Internationale Studien zeigen, dass – trotz des Nachlassens einiger physischer und psychischer Leistungsvoraussetzungen im Alter – die Arbeitsleistung der älteren Beschäftigten insgesamt betrachtet nicht abnimmt“, sagte Jürgen Wegge von der TU Dresden. Sie könnten mit Erfahrung, sozialen Kompetenzen und Gewissenhaftigkeit punkten. Die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 plus für alle zu fordern, sei jedoch „der falsche Ansatz“, warnte BKK- Chef Franz Knieps. Vielmehr müsse Arbeit jeweils für die verschiedenen Lebensphasen anders gestaltet werden.

Insgesamt fehlten die deutschen Arbeitnehmer im Schnitt 17,2 Tage am Arbeitsplatz – etwas weniger als 2016 (17,4 Fehltage). Rund zwei Drittel der Erkrankungen dauerten höchstens eine Woche. Frauen waren häufiger wegen psychischer Störungen und Atemwegserkrankungen krankgeschrieben als Männer, bei Muskel- und Skeletterkrankungen, Verletzungen und Vergiftungen war es umgekehrt. Bei den Betriebskrankenkassen sind mehr als 8,4 Millionen Menschen versichert.

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