Global Solutions-Konferenz : Jeder Dritte hat chronische Schmerzen

Die Menschen werden immer älter und ernähren sich falsch. Das macht sie krank. Die Fälle nehmen zu.

Schmerzen: Viele Menschen leiden darunter schon chronisch.
Schmerzen: Viele Menschen leiden darunter schon chronisch.Foto: imago/Science Photo Library

Die Experten sprechen von einem „Tsunami“: Die chronischen Krankheiten nehmen zu. „Pro Jahr sterben mehr als 50 Millionen Menschen, die jünger als 69 Jahre sind“, weiß Ilona Kickbusch, Direktorin des Global Health Centre, in Genf. Weltweit leidet jeder Dritte an chronischen Schmerzen. Ein großes Problem für die Betroffenen, aber auch für die Wirtschaft: „Der wirtschaftliche Schaden liegt allein in den USA bei 635 Milliarden Dollar im Jahr“, berichtet die Schmerzforscherin Beth Darnell aus Stanford. Ärzte in den USA haben aber gerade einmal 15 Minuten Zeit pro Patient. Die häufigste Antwort daher: eine Pille. Doch das löst das Problem nicht, da sind sich alle Experten des Gesundheitsforums einig. Im Gegenteil: Michael Schäfer, Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft, weist auf die nicht zu unterschätzende Zahl der Todesfälle hin, die durch Schmerzmittel hervorgerufen werden.

Immer mehr Menschen bekommen Demenz oder Alzheimer

Und auch gegen die wachsende Zahl der Demenz- und Alzheimer-Erkrankungen gibt es keine einfache Lösung. "Das sind komplexe Erkrankungen", sagt die Hirnforscherin Monique Breteler vom Center für Neurodegenerative Krankheiten. Statt sich auf die Symptome zu konzentrieren, sollte man die Vorbeugung gegen diese Erkrankungen stärken - auch weil die Fälle immer weiter zunehmen. 15 Millionen Menschen leiden weltweit unter Demenz, sagt Breteler, bis zum Jahr 2050 rechnet sie mit einem Anstieg um ein Drittel.

Nicht nur die reichen Länder sind betroffen

Längst sind nicht mehr nur die Industriestaaten betroffen, auch in ärmeren Ländern nimmt die Zahl der chronisch kranken Menschen zu. Das macht sich auch in den Staatshaushalten bemerkbar: Nach Berechnungen der Weltbank können chronische Krankheiten bis zu zwei Prozent der Wirtschaftskraft in Nicht-Industriestaaten kosten.

Oft sind die Probleme mit der Lebensweise verbunden. Etwa in Peru. "Früher haben die Menschen auf Feiern ein Glas Cola getrunken, heute werden die Kinder mit Cola groß", kritisiert Ilona Kickbusch, die früher für die Welternährungsorganisation WTO gearbeitet hat. Auch McDonald's-Filialen in Krankenhäusern hält sie für ein Unding. Die Weltgesundheitsorganisation schlägt Steuern auf Alkohol, Tabak und süße Limonaden vor – viele der Experten finden das richtig, rechnen aber mit Widerstand der Ernährungsindustrie.

Nicht so oft zum Arzt gehen

Aber auch die Ärzte stehen in der Kritik. Der Mensch müsse als Ganzes gesehen werden, meint Monique Breteler, nicht - wie Fachärzte es tun - nur mit seinen jeweiligen Beschwerden. Und Moderator Detlev Ganten, Ex-Chef der Charité und selber Arzt, legt noch einen drauf: Auf die Frage, warum die Krankheiten so enorm zugenommen hätten, frozzelt Ganten, dass die Menschen vielleicht einfach zu viele Ärzte sehen. Die Spurensuche geht weiter: Im Oktober wird in Berlin der Weltgesundheitsgipfel stattfinden.

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