Global Wealth Report : 22 Millionen Millionäre

Weltweit steigt die Zahl der Millionäre. Sie vereinen bereits die Hälfte des Vermögens auf sich. Daran ändern auch rückläufige Aktienkurse nichts. Eine Analyse.

Weltweit steigt die Zahl der Millionäre.
Weltweit steigt die Zahl der Millionäre.Foto: DPA

Handtaschen, Uhren und Champagner haben ihn zum Milliardär gemacht. Bernard Arnault ist nicht nur der reichste Franzose, sondern jetzt auch noch einer der drei reichsten Männer der Welt. Einzig Amazon-Chef Jeff Bezos und Microsoft-Gründer Bill Gates besitzen noch mehr als Arnault. Auf 100,4 Milliarden Dollar schätzt die Nachrichtenagentur Bloomberg aktuell das Vermögen des Franzosen. Das zieht Arnault vor allem aus seinen Anteilen an dem Luxuskonzern LVMH.

Als dessen Präsident ist er für Marken wie Louis Vuitton (Taschen), Dior (Mode), Moët et Chandon (Champagner) und Heuer (Uhren) verantwortlich. Dass diese Luxusgüter derzeit so stark nachgefragt sind, liegt wiederum an dem steigenden Reichtum in Asien. Vor allem in China. Dort macht der Luxuskonzern inzwischen bereits ein Drittel seiner Umsätze.

Arnaults Geschichte steht exemplarisch für eine weltweite Entwicklung: Er profitiert davon, dass die Zahl der Vermögenden zunimmt – und steigt damit selbst in die Liga der Reichsten der Reichen auf.

Die ungleiche Verteilung des Vermögens nimmt zu

Weltweit ist die Zahl der Millionäre im vergangenen Jahr erneut um zwei Prozent gestiegen. 22 Millionen Menschen gibt es nun auf der Welt, die über einer Million Dollar oder mehr verfügen. Zusammen besitzen sie inzwischen mehr als die Hälfte des weltweiten Vermögens. Das geht aus dem Global Wealth Report hervor, den die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) am Donnerstag vorgelegt hat.

Noch vor fünf Jahren teilten sich die Millionäre „nur“ 42 Prozent des weltweiten Vermögens. Die ungleiche Verteilung von Geld, Aktien und Fonds auf der Welt nimmt damit weiter zu. Dabei sind Immobilien in dieser Analyse nicht einmal mit berücksichtigt. Würde man sie miteinbeziehen, dürfte die Kluft zwischen Arm und Reich noch größer ausfallen.

Und glaubt man den Experten von BCG, wird sich dieser Trend in den nächsten Jahren weiter verstärken. Sie gehen davon aus, dass die Zahl der Millionäre bis 2023 weltweit auf über 27 Millionen steigen wird. Getrieben wird diese Entwicklung vor allem durch den steigenden Reichtum in Asien. Schon jetzt konzentriert sich einzig in den USA noch mehr Vermögen als in China (siehe Grafik). Insgesamt soll die Zahl der Millionäre in Asien bis 2023 um zehn Prozent steigen.

Beachtlich ist das, weil ein Großteil der besonders Reichen in China sich ihr Vermögen selbst erarbeitet haben – anders als in Europa oder den USA, wo traditionell viel vererbt wird. Schaut man rein auf die Milliardäre und damit die Reichsten der Reichen, haben in den USA gerade einmal elf Prozent von ihnen ihr Vermögen selbst aufgebaut. In China dagegen liegt der Anteil der Selfmade-Milliardäre bei drei Viertel.

Dabei ist China aber nicht das einzige Land, in dem die Vermögen und damit die Zahl der Reichen steigt. Der Prognose zufolge werden in den nächsten Jahren auch andere Schwellen- und Entwicklungsländer aufholen. Profitieren können demnach auch Afrika, Lateinamerika und Osteuropa: In diesen Regionen soll das Vermögen bis 2023 stärker steigen als in den klassischen Industriestaaten. Gleichwohl kommen die betroffenen Länder natürlich von einem ganz anderen Level und werden zudem kaum solch hohe Wachstumsraten sehen wie China.

Ärmere profitieren kaum vom Vermögenswachstum

Das Problem bei dieser Entwicklung: Von den steigenden Vermögen profitieren in der Regel nur wenige. Denn wenn die Summe an Bargeld, Aktien und Fonds in einem Land steigen, heißt noch lange nicht, dass es auch den Ärmeren besser geht. Ein Grund dafür ist, dass die Reichen besonders viele Aktien besitzen, während Geringverdiener kaum bis gar nicht am Aktienmarkt unterwegs sind. Steigen die Kurse, bleiben die Gewinne daher bei den Vermögenden hängen.

Interessant ist dabei aber, dass auch fallende Börsenkurse die Kluft zwischen Arm und Reich kaum eindämmen. So hat die Zahl der Millionäre im vergangenen Jahr weiter zugenommen – obwohl die Aktienkurse eingebrochen sind. Auch die Vermögen sind trotz miesem Börsenjahr gestiegen, wenn auch weniger stark als in den Vorjahren. So hat weltweit das Privatvermögen 2018 lediglich um 1,6 Prozent auf 205,9 Billionen Dollar zugelegt, während das Plus in den beiden Vorjahren jeweils 7,5 Prozent betragen hat.

Ohnehin ist die Phase der schwachen Börsenkurse inzwischen schon wieder vorbei. Seit Jahresbeginn geht es am Aktienmarkt aufwärts. Davon profitiert auch Bernard Arnault enorm. Die Aktien seines Luxuskonzerns LVMH haben sich seit Januar um 45 Prozent verteuert. Auch das hat dazu geführt das sein Vermögen die Marke von mehr als 100 Milliarden Dollar überschritten hat. Und Arnault nun in einer Liga spielt mit Jeff Bezos und Bill Gates.

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