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Gründerszene : Nordrhein-Westfalen liegt bei Start-up-Studie vorn

Nordrhein-Westfalen hat Berlin vom Spitzenplatz als Standort für Gründer in Deutschland verdrängt - zumindest bei der Teilnahme am Start-up-Monitor.

Junge Leute arbeiten in einem Coworking Space in der Hauptstadt.
Junge Leute arbeiten in einem Coworking Space in der Hauptstadt.Foto: dpa

Wie attraktiv hiesige Start-ups bei Investoren sind zeigt GoEuro. Die Berliner Reiseplattform erhielt 150 Millionen Dollar an Kapital, die Bewertung des fünf Jahre alten Unternehmens soll nun in der Nähe von einer Milliarde Dollar liegen. GoEuro sucht Reiseverbindungen per Bus, Bahn oder Flugzeug heraus. Die Kunden können dann direkt buchen.

Bei einem anderen Wert hat dagegen die Hauptstadt das Nachsehen: Im neuen Startup-Monitor liegt Nordrhein-Westfalen bei der Zahl der Start-ups vorn. Rund 19 Prozent aller Jungunternehmen (Vorjahr: 14,4 Prozent) sind inzwischen im bevölkerungsreichsten Bundesland ansässig, wie aus dem vom Bundesverband Deutsche Startups und der Unternehmensberatung KPMG herausgegebenen Startup-Monitor hervorgeht. Der bisherige Spitzenreiter Berlin kommt demnach auf einen Anteil von 15,8 Prozent.

NRW lag vor zwei Jahren auch schon vorn

Die Angaben beziehen sich auf den Sitz der Start-ups, die an der jährlichen Erhebung teilgenommen haben. Diese schwanken jedoch stark. So lag NRW auch schon 2016 mit 19,1 Prozent vor Berlin (17 Prozent). Im vergangenen Jahr hatten sich dann mehr Start-ups aus der Hauptstadt beteiligt (16,8 Prozent).

Auch insgesamt ist die Anzahl der teilnehmenden Start-ups zurückgegangen. Waren es im Vorjahr noch 1837, so antworteten in diesem Jahr 1550 Jungunternehmen. Die Erhebung ist nicht repräsentativ, gilt aber als umfassendste Untersuchung der Gründerszene in Deutschland.

„Berlin bleibt klar der Standort Nummer eins"

„Ich muss aktuellen Meldungen deutlich widersprechen, dass NRW angeblich Berlin den Rang abgelaufen hätte“, stellt dann auch Tobias Kollmann, Studienleiter und Professor für Unternehmertum an der Universität Duisburg Essen, am Mittwoch bei der Vorstellung der Untersuchung klar. Alles andere sei „statistischer Unsinn“. Die Meldungen bezogen sich darauf, dass mit 19 Prozent die meisten der gut 1600 Start-ups, die sich an der Studie beteiligt hatten, ihren Sitz in Nordrhein-Westfalen haben. Berlin kam mit 16 Prozent auf Platz zwei. Diese Werte seien jedoch relativ, daraus ließen sich keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Zahl an Start-ups treffen, stellten die Macher der Studie klar. Dabei ist Kollmann unverdächtig, eine Berliner Brille aufzuhaben – im Gegenteil: Er war bis 2017 Landesbeauftragter für Digitale Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen.

„Berlin bleibt klar der Standort Nummer eins in Deutschland“, sagt auch Florian Nöll, Chef des Bundesverbandes Deutsche Startups, der den Monitor herausgibt. "Einen Rückgang des Startup-Booms in Berlin sehen wir nicht und sollten ihn auch nicht herbei reden", sagte die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop. "In Berlin sind im letzten Jahr mehr Unternehmen in der Digitalen Wirtschaft gegründet worden, als in Hamburg, München und Frankfurt zusammen." In der Berliner Digitalwirtschaft seien insgesamt 88 206 Menschen angestellt - mehr als in jeder anderen deutschen Großstadt.

Frauenanteil steigt, bleibt aber gering

Nach wie vor ist die Start-up-Szene männlich dominiert. Der Anteil der Gründerinnen liegt der Erhebung zufolge bei 15 Prozent und damit nur leicht höher als im Vorjahr (14,6 Prozent). Das Durchschnittsalter der Gründer liegt bei 35 Jahren. Sie haben meist Wirtschaftswissenschaften, Mathematik, Ingenieurwissenschaften Naturwissenschaften oder Technik studiert. Die Gründer arbeiten nach eigenen Angaben durchschnittlich gut 56 Stunden in der Woche. Dennoch sind rund zwei Drittel von ihnen mit ihrer Work-Life-Balance zufrieden.

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