Grüne Woche : Honig im Briefkasten

Erstmals präsentierten Start-ups ihre Konzepte auf der Grünen Woche.

Johanna Palla
Ausgequetscht. Den Honig bekommt man in einer Papier-Kunststoff-Verpackung. Danach füllt man ihn in einen eigenen Behälter um.
Ausgequetscht. Den Honig bekommt man in einer Papier-Kunststoff-Verpackung. Danach füllt man ihn in einen eigenen Behälter um.Foto: nearbees.de

Insektenriegel, kalter Kaffee, Cocktaileis und Honig vom Nachbarn: damit wollten Start-ups auf dem ersten Start-up-Day auf der Grünen Woche punkten. „Wir haben registriert, dass sich ganz viele Start-ups für die Messe interessieren – also warum nicht gleich einen Start-up-Day machen?“, sagt Messesprecher Wolfgang Rogall. Nach einer Vorauswahl von über 50 Einreichungen hatte die Messe Berlin 20 Start-ups aus der Lebensmittelbranche für die Finalrunde ausgewählt. „Wir haben besonders nach Start-ups gesucht, die ihre Branche neu definieren“, sagt Jurymitglied Hendrik Haase, Blogger und selbsternannter Food-Aktivist.

Sieger-Konzept ist der Honig von Nebenan

Die erste Start-up-Day Gewinnerin ist Viktoria Schmidt. Die Münchnerin leitet das Unternehmen nearBees, das 2015 gegründet wurde. Das Start-up mit dem Motto „Honig von Nebenan“ ist ein virtueller Marktplatz für Verbraucher und Imker in deren Nähe. „Das Bienensterben ist in aller Munde. Für viele Pflanzen sind Bienen aber überlebensnotwendig“, sagt Schmidt. „Darum möchten wir Menschen, die Bienen halten, unterstützen“.

Das Konzept von nearBees klingt einfach: Imker können sich gebührenfrei auf der Website registrieren. Wie viele Bienen sie halten müssen ist nicht festgelegt. Nur eine Hygieneschulung müssten sie absolvieren. Als Verbraucher kann man auf der Internetseite seine Adresse eingeben und sich Imker aus der Nähe suchen. So gibt es in Berlin zum Beispiel Blütenhonig aus Wedding oder Rapshonig aus Friedrichshain. Den Preis für den Honig legt jeder Imker selber fest. Auch um den Versand muss sich jeder Bienenzüchter selbst kümmern. Von nearBees bekommen sie nur eine Verpackung im A5 Format, die in etwa so aussieht wie ein brauner Briefumschlag. Pro Verpackung zahlen die Imker einen Euro. Damit können sie den Honig einfach per Post verschicken. Weil die Verpackung so schmal ist, kann sie auch bequem in den Briefkasten eingeworfen werden. Außen aus braunem Papier und innen mit Kunststoff beschichtet, lässt sich der Honig dann, ähnlich wie Zahnpasta aus einer Tube quetschen.

Patenschaften für Bienenvölker

Rund 1600 Imker aus Deutschland haben sich bereits auf der Website registriert, in Berlin sind es zwischen 40 und 50. Das Start-up bekommt 15 Prozent Provision pro verkauftem Honig. „Mit unserem Konzept wollen wir auch kleineren Imkern eine Plattform verschaffen und den Honig-Massenkonzernen die Stirn bieten“, sagt Schmidt. Die Online Plattform würde aber nur einen kleinen Teil ihrer Umsätze ausmachen. Das wirkliche Geschäft liege bei den Firmenkunden, die größere Mengen bestellen. Auch biete nearBees Unternehmen für einen niedrigen vierstelligen Betrag die Patenschaft von Bienenvölkern an, erklärt die Gründerin. Für den Preis bekommt es dann am Ende des Jahres 20 Kilo Honig. Auch liefert das Start-up an Lebensmitteleinzelhändler. Vor allem an Edeka und an Rewe – vorerst aber nur in Bayern. Ende nächsten Jahres will Schmidt den Honig von nearBees in ganz Deutschland anbieten können.

Zweiter und Dritter Platz: Vom Huhn zum Fisch

Den zweiten Platz räumten Landwirte aus Nordhessen mit ihrem Unternehmen ab. Sie haben sich unter dem Namen Bickus zusammengeschlossen und wollen „mit dem Huhn ein Comeback feiern“. Sie verwerten das Fleisch von Legehennen weiter, das üblicherweise nämlich nicht zur Produktion von begehrten Stücken wie das Brustfilet verwendet wird. Die Futterherstellung, Hühnerhaltung und -schlachtung wird dabei von den Landwirten in Nordhessen selbst übernommen. Zu kaufen gibt es die Produkte in Hofläden der Region.

Drittplatzierter wurde Mathias Schilling aus Mecklenburg-Vorpommern. Er rief die Marke Hiddenseer Kutterfisch ins Leben, da er mit ansehen musste, wie die Fischer auf der Insel Rügen von Jahr zu Jahr weniger wurden. „Momentan haben wir 19 Fischer – zu Ende des Jahres könnten es aber nur noch neun sein“, sagt Schilling.

Für kleine Fischer lohne sich der Fang oft nicht, da ihnen die großen Fischfangflotten mit billigen Preisen Konkurrenz machen würden. Nun hofft Schilling durch sein Unternehmen die Fischer vor diesem Rückgang zu bewahren. Sein Konzept: Die Rügener Fischer liefern ihren Fang an Schilling. Der lässt den Fisch verarbeiten und verkauft ihn in seinen Betrieben in Schaprode und auf Hiddensee. „Die Fischer erhalten so für ihre schwere Arbeit mehr Geld“, sagt er. Zu kaufen gibt es von dem Start-up bis jetzt Bücklings- und Heringsfilets in Dosen mit verschiedenen Gewürzen.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben