Grundeinkommensbewegung in der Schweiz : Spitzenbanker: "Der Gedanke ist bestechend einfach"

Wenn es nach der „Initiative Grundeinkommen“ geht, soll jeder 2500 Franken bekommen, Kinder einen Teil. Da ist man schnell bei 200 Milliarden Franken, mehr als ein Drittel des Schweizer Bruttoinlandsprodukts. Die Leute von der „Initiative Grundeinkommen“ sagen: Sozialleistungen würden wegfallen. Die Mehrwertsteuer müsste erhöht werden, von derzeit acht auf zwanzig Prozent. Die Schweizer Utopisten denken da durchaus wirtschaftsliberal: Nicht das, was man leistet, soll stärker besteuert werden, also das Einkommen. Sondern der Konsum.

Kongresshaus Zürich im März, die Grundeinkommensbewegung tagt. 600 Leute sind gekommen, auf dem Podium fetzen sie sich. Die einen finden, mit einem Grundeinkommen könnten Armut und Arbeitslosigkeit bekämpft werden. Roger Köppel, der jungenhafte Herausgeber der „Weltwoche“, hält dagegen: Die Leute würden sich auf die faule Haut legen. Und Ökonom Wellershoff sagt das, was die wenigsten von einem wie ihm erwarten. Dass ein bedingungsloses Grundeinkommen die Leute selbstständiger mache. Weil jeder sein Leben in die Hand nehmen könne.

Wellershoff kommt aus Wilhelmshaven, der norddeutsche Akzent ist inzwischen schweizerisch weich. Er hat eine klassische Bankerlaufbahn hinter sich, Banklehre bei einer Privatbank in Köln, Studium in St. Gallen und Harvard. Er arbeitete beim Schweizerischen Bankverein, 1998 ging er zur UBS.

Wellershoff spricht leise, so wie es Leute tun, die gewohnt sind, dass andere ihnen zuhören müssen. Wie im Auge von Wirbelstürmen ist es in den Zentren der Macht meistens ruhig. Wellershoff kommt direkt aus einem solchen Zentrum. Er war Chef der Anlagestrategie bei der UBS. 250 Milliarden Franken gab es zu verwalten, und wenn man fand, dass man den Dollar stärker gewichten müsste, „dann haben wir an einem Nachmittag zehn Milliarden Dollar gekauft“. Es klingt nicht prahlerisch, eher wie eine Bilanz. Manchmal schreibt Wellershoff etwas auf ein Blatt Papier, ganz der Bankbeamte, der sich Notizen über einen Kunden macht.

Seine Rolle bei der Bank vergleicht er mit der des Hofnarren. Der dem König alles sagen darf. Und der nicht immer gehört wird. Das musste auch Wellershoff erfahren. Bereits 2005 warnte er vor der Überhitzung des amerikanischen Immobilienmarkts. Die UBS kaufte weiter Immobilienkredite. 2008 dann der Absturz, die Bank brauchte eine Finanzspritze von 60 Milliarden Dollar.

Wellershoff hat den Tag noch gut in Erinnerung, als es mit der Finanzkrise losging. Ein Sonntag im August 2007 war das, zwei Generaldirektoren kamen zu ihm nach Hause und fragten ihn um Rat. Da wusste er: Das wird dramatisch. Nicht zuletzt für die Banker selbst, da alle Generaldirektoren der UBS große Teile ihres Vermögens in UBS-Aktien halten mussten. Wie über Manager-Boni diskutiert werde, hält er „für total oberflächlich, die Leute wissen doch gar nicht, was da läuft“. Da ist er wieder, der Hofnarr, der Dinge sagt, die keinem so recht passen.

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