Wirtschaft : Gutes Klima für die Luftfahrt

Warum die Börse kaum auf Umweltdebatten reagiert

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Auf die heftigen Diskussionen über die Klimabelastung durch Flugreisen hat die Börse in den letzten Wochen nur schwach reagiert. Dass die Aktienkurse von Lufthansa, Air Berlin und anderen kaum gedrückt wurden, ist nach Ansicht von Luftfahrt-Experten eine verständliche Entwicklung.

„Am Reiseverhalten wird die Diskussion wenig ändern, sowohl bei touristischen Reisen als auch bei Geschäftsreisen“, glaubt Jürgen Pieper, Luftfahrt-Analyst beim Bankhaus Metzler. Deshalb seien auch die Geschäfte der Airlines kaum betroffen. Käme es zu einer neuen Abgabe, würden die Fluggesellschaften diese vermutlich an die Passagiere weiterreichen, heißt es. Und die würden den Zuschlag genauso zahlen wie derzeit die Treibstoffzuschläge, die von den meisten Airlines erhoben werden.

Ändern würde sich die Situation nach Ansicht von Pieper nur dann, wenn es tatsächlich zu Einschränkungen oder gar Verboten käme. Das würde sich wirtschaftlich auswirken und dann auch die Aktienkurse drücken. Pieper attestiert besonders der Lufthansa, dass sie sich gut auf die Klimadebatte eingestellt habe. Weil sie heute mit ihren Jets schon relativ sparsam unterwegs sei, könne sie vom Handel mit Emissionszertifikaten eher profitieren. Auch die Bestellung von „Drei-Liter-Jets“ – gemeint ist der Treibstoffverbrauch pro 100 Kilometer pro Passagier – sei ein Schritt in die richtige Richtung. „Klar ist, dass die Airlines werden handeln müssen. Die Klimadiskussion bleibt ein Thema.“ Er rechnet aber auch damit, dass die Fluglinien in den nächsten Jahren von erheblichen technologischen Fortschritten bei der Verbrauchs- und Emissionsminderung neuer Jets profitieren werden.

Auch Stefan Schöppner von der Dresdner Bank ist über die stabile Kursentwicklung der Luftfahrtaktien trotz Klimadebatte nicht erstaunt. „Im Reiseverhalten wird es vorerst keine dramatischen Veränderungen geben.“ Allenfalls in 30 oder 40 Jahren könne ein Wandel spürbar werden, weil die Menschen möglicherweise Reisen nach Skandinavien dem Trip nach Spanien vorzögen, da es dort zu heiß sei. Auch Schöppner rechnet fest damit, dass Lufthansa und Co. mögliche Klimazuschläge eins zu eins an die Passagiere weitergeben und ohne Murren zahlen. Airlines müssten sich zudem auf die Veränderungen einstellen. Schöppner plädiert aber nicht für Aktion, sondern eher für Reaktion. Die Airline, die in der Klimadebatte vorprescht und sich profilieren sollte, würde an der Börse eher verlieren, glaubt der Banker.

Die Lufthansa-Aktie etwa profitiert eventuell auch davon, dass sie aufgrund der Anstrengungen für Nachhaltigkeit und Umweltschutz 2006 wieder in entsprechende Aktienindizes wie den Dow Jones Sustainability Index World (DJSI) und den FTSE-4-Good Global Index aufgenommen wurde.

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