Hamsterkäufer und leere Regale : So kommen Sie an Lebensmittel, ohne in den Supermarkt zu gehen

Kochboxen, Liefer-Start-ups oder Restaurants, die Take-Away anbieten - es gibt viele Wege, Essen einzukaufen, wenn man Hamsterkäufern aus dem Weg gehen will.

Lebensmittel an die Tür.
Lebensmittel an die Tür.Foto: dpa Themendienst

Supermärkte sind in den vergangenen Tagen in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerutscht. Wegen der Angst vor Versorgungsengpässen infolge des Coronavirus kaufen Kunden seit einigen Tagen die Regale leer - und sorgen dadurch vermutlich eher für Lieferengpässe als das Virus selbst. Sowohl der Handelsverband Deutschland (HDE), die großen Supermarktketten als auch die Bundesregierung betonen nach wie vor, dass die Versorgung mit Lebensmitteln gesichert ist.

Dennoch ist der Gang in den Supermarkt derzeit kein Vergnügen. Wegen der Hamsterkäufe sind nicht alle Artikel vorrätig, die Schlangen aber lang. Zudem verstößt der Supermarktbesuch gegen die Auflage, möglichst wenige soziale Kontakte zu pflegen. Doch es gibt zahlreiche Möglichkeiten, an Lebensmittel zu kommen, ohne in den Supermarkt gehen zu müssen.

Restaurant-Lieferdienste

Viele Restaurants arbeiten derzeit daran, ihre Gerichte ausliefern zu können. Entweder werden die Mitarbeiter selbst zu Lieferanten oder versuchen sich auf Plattformen zu organisieren. Nach diversen Übernahmen und Zusammenschlüssen ist die größte in Berlin derzeit Lieferando.

"In den vergangenen Tagen haben wir einen wesentlichen Anstieg der Anfragen durch Restaurants feststellen können", teilt das Unternehmen auf Tagesspiegel-Nachfrage mit. "Die Lieferung ist nun eine gute Alternative für Restaurants, die ihre Türen momentan für Gäste geschlossen halten müssen." Ob die Bestellzahlen wegen Corona nach oben gehen, könne man allerdings noch nicht sagen.

Supermarkt-Lieferdienste

Zwar ist der Hype um Lebensmittel-Lieferdienste etwas abgeflaut, doch zahlreiche Märkte bieten noch immer an, frische Nahrungsmittel bis vor die Tür zu bringen. Von den großen Ketten betreibt Rewe einen eigenen Lieferdienst, Edeka lässt seine Bestellungen über das konzerneigenen Unternehmen Bringmeister ausliefern. Zudem haben einzelne selbstständige Rewe- und Edeka-Händler Bringservices auf eigene Faust. Lidl und Kaufland haben sich vom sogenannten E-Food zurückgezogen, Aldi war noch nie dabei.

[Behalten Sie den Überblick: Corona in Ihrem Kiez. In unseren Tagesspiegel-Bezirksnewslettern berichten wir über die Krise und die Auswirkungen auf Ihren Bezirk. Kostenlos und kompakt: leute.tagesspiegel.de]

"Auch im Online-Bereich verzeichnen wir eine verstärkte Nachfrage", teilt Rewe auf Nachfrage mit. Längere Vorläufe gebe es derzeit nur selten. "Die Nachfrage der Produkte ähnelt der in den stationären Märkten." Je nach Bestellwert und Uhrzeit liegt die Liefergebühr bei Rewe zwischen 0 und 5,90 Euro. Die Lieferung erfolgt in einem vorab festgelegtem Zeitfenster und wird auf Wunsch per SMS angekündigt.

Auch Amazon bietet unter dem Namen "Amazon Fresh" diesen Service an. Allerdings warnt der US-Konzern schon auf seiner Startseite, dass nicht jeder Artikel im Sortiment wegen der hohen Nachfrage derzeit verfügbar sei.

Start-up-Lieferdienste

Das Bremer Unternehmen MyEnso liefert mit DHL und dem Start-up Liefery bundesweit ein Trockensortiment und in 26 Städten - darunter auch Berlin - das Vollsortiment aus, das auch Frische-, Tiefkühl- und Kühlprodukte enthält. "Gerade in den letzten Tagen haben sich die Bestellungen rund verdreifacht", sagt Thorsten Bausch aus der MyEnso-Geschäftsführung dem Tagesspiegel auf Nachfrage. "Insbesondere im ländlichen Raum und auch in den Seniorenheimen, die wir mit unserem Geschäftsmodell Tante Enso bedienen. Auch melden sich überproportional neue Kunde im Online-Supermarkt an." Man sei gerade dabei, sich dafür aufzustellen – mit mehr Personal im Lager zum Beispiel.

Auch das Start-up GetNow liefert Lebensmittel vor die Haustür. Dabei kooperiert es mit dem Großhandelskonzern Metro, indem es die Produkte direkt aus den Metro-Märkten aufkauft und an die Kunden versendet. "Wir sind praktisch permanent ausgebucht - teilweise sieben Tage im Voraus", sagt CEO Thorsten Eder dem Tagesspiegel. "Die Nachfrage ist enorm höher als die Kapazität." Man arbeite daran, die Kapazitäten zu erhöhen und sowohl mehr Fahrer als auch Picker einzustellen, also Leute, die die bestellten Waren aus den Metro-Märkten in die Liefer-Pakete packen. Mehl, Milch, Hefe, Spaghetti und Konserven sind bei GetNow derzeit die Bestseller.

Von Kochboxen bis zu Tiefkühlgerichten

Ein Trend, der schon immer Lieferungen beinhaltete, sind Kochboxen. Das Berliner Unternehmen HelloFresh gilt hier als Marktführer. Dabei können sich Kunden Zutaten nach Hause liefern lassen, die zusammen ein bestimmtes Gericht ergeben; das Rezept gibt es natürlich dazu. Auf Nachfrage will das Start-up nicht mitteilen, ob die Bestell-Zahlen zuletzt anstiegen. In den USA ließ sich zuletzt aber beobachten, dass der größte HelloFresh-Konkurrent Blue Apron seinen Wert an der Börse binnen fünf Tagen versiebenfacht hat.

Darüber hinaus gibt es natürlich auch noch Angebote, die sich bereits seit Jahrzehnten bewährt haben. Tiefkühl-Anbieter wie Bofrost liefern ebenso vor die Haustür wie das sprichwörtliche Essen auf Rädern für Senioren. Mn sehe Anzeichen von verstärkten Vorratskäufen bei unseren bestehenden Kunden, heißt es von Bofrost. "Die Vorbestellumsätze in unserem Onlineshop liegen derzeit mehr als doppelt so hoch wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres", teilt das Unternehmen weiter mit. "Insbesondere Grundnahrungsmittel werden aktuell vermehrt gekauft."

Der "Essen auf Rädern"-Anbieter ASB berichtet, dass in Hessen die Nachfrage nach dem Menüservice stark gestiegen ist. Sollten die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus noch verschärft werden, dürften all diese Angebote sich noch größerer Nachfrage erfreuen.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!