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Handwerk : 18.000 Flüchtlinge in Ausbildung

Nie war der Boden goldener: Dem deutschen Handwerk geht es prächtig. Doch es fehlen Fachkräfte an allen Ecken und Enden.

Bester Laune. Handwerkspräsident Wollseifer (links) und Bundeswirtschaftsminister Altmaier bei der Internationalen Handwerksmesse.
Bester Laune. Handwerkspräsident Wollseifer (links) und Bundeswirtschaftsminister Altmaier bei der Internationalen Handwerksmesse.Foto: dpa

Die Integration von jungen Flüchtlingen auf dem deutschen Arbeitsmarkt kommt voran. „Wir haben jetzt rund 18.000 Geflüchtete aus den acht häufigsten Asylzugangsländern in der Ausbildung, das sind um die 40 Prozent

mehr als im Vorjahr“, sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer dem Tagesspiegel (Montagausgabe). Von allen Flüchtlingen, die derzeit in Deutschland eine Ausbildung machen, lerne jeder Zweite im Handwerk. „Wir übernehmen diese Integrationsleistung, weil wir das können, doch der Aufwand ist schon enorm“, sagt Wollseifer. Daher müssten die, die bereits hier sind und von ausgebildet wurden, auch dableiben können. „Alles andere wäre Irrsinn, würde die Motivation der Betriebe zerstören – und wäre auch wieder ein Vertrauensbruch der Politik“, sagte der Handwerkspräsident.

250.000 offene Stellen

Den rund eine Million Handwerksbetrieben mit 5,4 Millionen Beschäftigten geht es derzeit bestens. „Wenn man vom goldenen Boden im Handwerk spricht, dann ist das der goldenste Boden, den wir jemals hatten“, sagte

Wollseifer dem Tagesspiegel. „Wir erwarten ein Wachstum um die vier Prozent in diesem Jahr.“ Die gesamte deutscher Wirtschaft wird vermutlich nur um ein Prozent wachsen. „Wir als Handwerk stabilisieren die Wirtschaft“, sagte der Handwerkspräsident. „Angesichts der internationalen Handelsstreitigkeiten wird das immer wichtiger.“ Die Branche leidet indes unter Fachkräftemangel. „Uns fehlen 250.000 Arbeitskräfte, jeder zweite Betrieb sucht Leute.“

Gefahr der Mindestvergütung

Wollseifer warnte die Bundesregierung vor einer Mindestausbildungsvergütung, die Anfang kommenden Jahres eingeführt werden soll. „Ich sehe einfach die Gefahr, dass manche Betriebe nicht mehr ausbilden können. Auf der Strecke bleiben dann vor allem weniger leistungsstarke Jugendliche, die ohne Lehrstelle dastehen. Gut gemeint ist manchmal eben nicht gut gemacht“, sagte Wollseifer dem Tagesspiegel.

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