Hoffnung für Mitarbeiter von Air Berlin : Investoren lenken ein

Air Berlins Gläubiger scheinen nun doch bereit, eine Auffanggesellschaft für das Personal mitzufinanzieren.

Protest. Angestellte von Air Berlin am Montag bei einer Kundgebung an der Firmenzentrale.
Protest. Angestellte von Air Berlin am Montag bei einer Kundgebung an der Firmenzentrale.Foto: Mike Wolff

Die Perspektiven für die bald arbeitslosen Mitarbeiter von Air Berlin haben sich ein wenig verbessert. Nachdem sich Geschäftsführung, Betriebsräte, Gewerkschaften und die Verantwortlichen in Bund und Ländern über Wochen mit ihren Forderungen im Kreis gedreht hatten, ist am Dienstag immerhin die Gründung einer Auffanggesellschaft für die Mitarbeiter wahrscheinlicher geworden – auch wenn das für viele Betroffene sicher nicht die favorisierte Lösung ist.

„Wir sehen große Chancen, dass sich die Air Berlin trotz Insolvenz an einer solchen Transfergesellschaft finanziell beteiligen kann“, schrieben Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann, der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus und der Sachwalter Lucas Flöther an Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD). Ende vergangener Woche noch hatte das Unternehmen erklärt, man unterstütze zwar den Betriebsrat bei der Gründung einer solchen Gesellschaft, könne diese aber nicht finanzieren. „Wir sind nämlich pleite“, sagte Unternehmenssprecher Ralf Kunkel zur Begründung zur Erklärung.

Pleite ist Air Berlin selbstverständlich immer noch, zudem kann die Airline mit ihrem Flugbetrieb mit dem Kredit der staatlichen Förderbank KfW nur noch bis Freitag kommender Woche finanzieren. Aber die Air-Berlin-Chefs berichteten von Gesprächen mit potenziellen Investoren. „Damit eine Transfergesellschaft möglich wird, bitten wir Sie, das Land Berlin, um eine finanzielle Beteiligung“, schrieben die obersten Airberliner dem Sozialdemokraten. Sie mahnten zur großer Eile – da die notwendigen Maßnahmen schon zum Ende dieser Woche eingeleitet werden müssen“.

Senat spricht mit Landesregierungen in Bayern und NRW

Im Senat ist man schon seit Wochen in Gesprächen mit den Landesregierungen in Nordrhein-Westfalen und Bayern, da Air Berlin Mitarbeiter in den Landeshauptstädten Düsseldorf und München hat. Aber vor allem im Hause von Lutz Lienenkämper (CDU), seit Ende Juni Finanzminister in NRW, tat man sich lange besonders schwer mit einer finanziellen Beteiligung. Das Ministerium des Bayern Markus Söder (CSU) signalisierte bereits ein Herz für Air Berlin. Mittlerweile schließt man aber auch in Düsseldorf eine Beteiligung nicht aus.

1400 Vollzeitstellen sind betroffen

Um welche Summen es geht, ist unklar, da offen ist, ob Air Berlin sich nach dem Deal mit der Lufthansa auch mit der britischen Easyjet – oder einem ganz neuen Bieter – auf eine Teil-Übernahme der Gesellschaft einigen kann und ob es eine Einigung für die Air Berlin Technik gibt. Rund 8000 Mitarbeiter waren zum Zeitpunkt der Insolvenzanmeldung bei Air Berlin beschäftigt, was 6800 Vollzeitstellen entsprach. Nun sind es umgerechnet noch rund 6200 Stellen.

Am Ende der Verhandlungen könnte es für rund 1400 Vollzeitstellen keine neuen Jobs geben. „Wir spielen mehrere Szenarien durch, um vorbereitet zu sein“, sagte ein Sprecher von Berlins Matthias Kollatz-Ahnen (SPD), der für die Personalbeschaffung des Landes Berlin zuständig ist. Parteifreundin und Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) sagte nach einer Sitzung des Senats, dass das Land eine Auffanggesellschaft notfalls sogar allein finanzieren werden. Was man verhandlungstaktisch unklug nennen könnte, ist zugleich selbstverständlich. Denn zahlen muss Berlin so oder so – im Zweifel Arbeitslosengeld für die Mitarbeiter ohne neue Jobs.

Jobbörse am Donnerstag

Am Donnerstag veranstaltet das Land Berlin eine Job-Messe in der Konzernzentrale. Ramona Pop (Grüne), Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe bat die Vorstände der landeseigenen Betriebe BWB, BVG, BSR und die Geschäftsführer der Messe in einem Brief, sich ebenfalls zu beteiligen. Die Beschäftigten von Air Berlin brauchen zeitnah eine seriöse und verlässliche Perspektive“, schrieb Pop. Air Berlin verfüge über „erfahrene kompetente ArbeitnehmerInnen, die sicherlich ein Gewinn für den Öffentlichen Dienst und die Unternehmen darstellen können.“

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